Liebe, Eifersucht und Verrat begegnen
Ideale, Revolte und Überschreitungen

Tosca ’68 © 1995
Musical für Jugendliche frei nach Victorien Sardou (1831-1908) Theaterstück „LA TOSCA“
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte: Phan Trat Quan und Tom Heilandt nach französischen Originaltexten von Phan Trat Quan

Aufführungsdauer: 110 Minuten
Ausführende: Jugendliche und Erwachsene
Anzahl der Musiknummern: 22 (1- bis 4-stimmig)
Prolog, 5 Akte, Epilog
18 Rollen
Gruppen: Polizisten, Arbeiter, Studenten, Künstler u.a.

Uraufgeführt am 28. September 1996 in der Musikschule der Stadt Krefeld

ZUM STÜCK

Das anspruchsvolle Musical „Tosca '68“ für Jugendliche und Erwachsene versetzt das romantische Drama von Victorien Sardou „La Tosca“ (Vorlage für Puccinis berühmte Oper) in das Paris der Studentenunruhen im Mai 1968.
Vietnamkrieg, Minirock, sexuelle Revolution und Rock’n’Roll: Die dramatische Lovestory um eine junge Frau zwischen zwei Männern wird mit der eskalierenden politischen Situation zwischen dem starren „Establishment“ Frankreichs in den späten 60ern und den revoltierenden Studenten verknüpft. Während der Tod von Student Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke und später die RAF ganz Deutschland den Atem anhalten ließ, schrammte Frankreich 1968 nur haarscharf an einem Bürgerkrieg vorbei, als sich die Regierung unter General de Gaulle dazu entschloss, aufkeimende Studentenunruhen – an denen auch intellektuelle Größen wie Jean Paul Sartre oder Jean-Luc Godard teilnahmen - an der renommierten Pariser Sorbonne mit Militär-Einheiten niederzuschlagen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Studenten und der Sicherheitspolizei waren brutal und arteten zu regelrechten Straßenschlachten aus.
Die Studentenrevolte führte zu einem wochenlangen Generalstreik, der ganz Frankreich lahm legte, die politische Macht erschütterte und langfristig politische und kulturelle Reformen nach sich zog.
Heftige Action-Szenen und dramatische Liebes-Begegnungen voller Leidenschaft und Eifersucht wechseln einander ab. Aber nicht alles ist Drama: Auch die relaxte Hippie-Kultur und die poetische Kunst der 68er kommen zu Wort.

MUSIK & LIEDTEXTE

Text, Player, Download, Video

1. Prolog

PROLOG

1. Teil
Instrumental

2. Teil

Michi
Ihr kommt mit ganz großen Schritten heran,
ihr sagt nicht einmal “Hallo”.

Judy
Ihr habt ‘nen Stock, und der ist meterlang
und ihr fragt nicht mal “Wieso?”.

Francois
Was habt ihr denn für ein Leben?
Raucht ihr nie mal ‘nen Joint?

Kind
Mann – ihr seid ganz schön daneben,
ihr habt bestimmt keinen Freund.

Alle
Ihr werft eure Granaten,
die blitzen und krachen,
ein Kind liegt im Staub,
und das Lachen verstummt.

Un dann ist wieder Ordnung,
die Ruhe ist schrecklich,
mein Lied ist verstummt,
und die Blumen verblühn.

Michi
Eure Gesichter, die kann man nicht seh’n.
Ihr könnt nicht seh’n, was ihr macht.
Habt ihr Gefühle, wenn wir untergeh’n?
Habt ihr nur Spaß, wenn es kracht?

Judy
Wurdet ihr schon so geboren?
Schwarz maskiert schon als Kind?
Sind eure Opfer verloren,
nur weil sie ganz anders sind?

Alle
Und ihr kühlt uns’re Hitze
mit beißendem Wasser,
ihr spart nicht daran,
uns’re Augen sind rot.

Und die Fliegen verscheucht ihr
von unseren Köpfen,
kein Schlag euch zuviel,
und der Stein färbt sich rot.

Und wir liegen erschlagen,
ihr tut, was ihr tun müßt,
vielleicht auch mal mehr,
unser Traum bleibt ein Traum.

Eine Welt ohne Ordnung,
nichts so, wie es sein muß,
und euch braucht man nicht.
Ihr seid ein schlechter Traum.

3. Teil
Instrumental

 Prolog
2. Église

EGLISE
Chor
uh …

Die Gemeinde
Herr, nur du kannst Hoffnung geben.
Herr, du kennst jeden Weg.
Herr, du füllst die Welt mit Liebe.
Zeig mir das Licht.
Gib mir Mut
an jedem neuen Tag.

Herr, laß mich die Feinde lieben.
Herr, nimm mir meinen Stolz.
Herr, du kennst mein kurzes Leben.
Zeig mir den Sinn.
Gib mir Kraft
an jedem neuen Tag.
Herr.

 Église
3. In meinen Händen

IN MEINEN HÄNDEN

Priester
Mario, was hast du da?

Mario
Mensch, hast du mich erschreckt.
Ich war so sehr vertieft.
Ich hab’ dich nicht kommen hör’n.

Priester
So vertieft in das Bild?
Oh, das Mädchen ist schön!

Mario
Sie ging so stolz voran …
Sie schrie’ aus vollem Hals.

Priester
Kommunistin bestimmt!

Mario
Maoistin noch dazu!

Priester
Sieh – ihr Blick voller Feuer.

Mario
So ein Blick zieht mich an.

Priester
Paß auf, daß Floria dich nicht erwischt.
Du weißt, wie eifersüchtig sie ist.

Mario
Bleib’ du bei deiner Bibel
und laß mir bloß die Frau’n!
Mit Floria hab’ ich heute noch was vor.

Priester
Du sagst mir lieber nicht, was ihr treibt.
Ich glaube nicht, daß ihr zwei brav bleibt.
Doch wo wollt ihr denn feiern?

Mario
In Lionels Haus in Vanves.
Es ist dort ideal und gut versteckt.
Wir werden Orgien dort feiern, schwarze Messen, Hexerei.
Und trinken werden wir dann auf dein Wohl.
Ich wünscht’, ich wär jetzt fertig hier, denn Floria wird bald hier sein.
Ich hoffe immer, daß ihr nichts passiert.

Priester
An jedem neuen Tag – wird es brutaler,
und keiner hört mehr zu – keiner gibt nach.
Ich hab’ auch Angst um dich,
wenn du da rausgehst.

Mario
Nun sorg dich nicht um mich,
ich weiß genau,
was immer auch passiert,
es liegt in meiner Hand!

Wohin ich schau’,
wohin ich geh’, es liegt
in meiner Hand.
Mit wem ich lach’,
mit wem ich kämpf’, es liegt
in meiner Hand.

Kamera,
du hältst alles fest,
das Licht – den Schatten
in meiner Hand.

Mein Leben ist ein Sonnenstrahl,
an jedem Morgen leb’ ich neu,
seh’ die Welt – spür’ das Leben,
so voller Kraft – voller Freu-eu-de.
Ich kann! Ich will!
Ich schrei! Ich sing’!
Ich hab’ so viel!

Was auch kommen mag,
wie es kommen kann,
um die Ecke hier
von der Straße …
komm zu mir, zu mir!

Es brennt Feuer in mir,
wie ein Regenbogen tief im Herz.
Komm, komm – die Welt ist voller Leben.

Die Steine, die ihr werft,
die treffen nicht – heut ist mein Tag.
Die Mauern die ihr baut,
ich seh sie nicht – heut ist mein Tag.

Nicht Gewalt,
weder Haß noch Furcht,
können mich halten,
heut ist mein Tag.

Mein Leben ist ein Sonnenstrahl.
An jedem Morgen leb’ ich neu,
seh’ die Welt – spür’ das Leben,
so voller Kraft – voller Freu-eu-de.
Ich kann! ich will!
Ich schrei! Ich sing’!
Ich hab’so viel!

Was auch kommen mag,
wie es kommen kann,
um die Ecke hier
von der Straße …
komm zu mir, zu mir.

Es brennt Feuer in mir,
wie ein Regenbogen tief im Herz.
Komm, komm – mein Herz ist voller Liebe

Mit dem Regenbogen – in meinem Herz
lieb’ ich – leb’ ich jeden Tag.
Komm, komm – mein Herz ist voller Liebe.
Komm, komm – die Welt ist voller Leben.

 In meinen Händen
4. Flüchtlinge

FLÜCHTLINGE
1. Teil

Mario
Wer seid ihr?

Madeleine
Bleib’ besser, wo du bist!

Priester
Was wollt ihr?

Madeleine
Bleib steh’n – sonst schlag’ ich dich!
(zu den andern)
Kommt hier rein! Schnell hier rein!
Die Zeit wird knapp! Die Uhr läuft ab!
(Sie legen den Verletzten hin)

Mario
Was wollt ihr?

Madeleine:
Die Flics – sie suchen uns!

Mario
Wer seid Ihr?

Madeleine
Mein Gott, frag nicht so dumm!
Sieh ihn an! Sieh ihn an!

.
Die Zeit wird knapp!
Die Uhr läuft ab!

Rene + Marc
.
.
.
Sie suchen uns,

.
.

.
sind schon sehr nah.
Kommt, laßt uns geh’n.

Priester
Wir helfen euch,
wir helfen euch!

(Madeleine sieht das Photo, das Marius in der Hand hält, sie reißt das Bild aus seinen Händen und betrachtet es höchst erstaunt)

Madeleine
Was ist das hier? Schaut!
Das bin ich auf dem Bild – schaut!
Das bin ich auf dem Bild – nein!
Ich träum wohl – kann das sein?

Rene + Marc
Keine Zeit – wir haben keine Zeit!
laß den Quatsch – die Bullen sind nicht weit!
(zum Priester)
Helft Ihr uns? Sagt es uns!
Die Zeit wird knapp! Die Uhr läuft ab!

Die Maos
Keine Zeit
wir haben keine Zeit
Auf der Flucht!
Die Bullen sind nicht weit
Helft Ihr uns?
Sagt es uns!
Die Zeit wird knapp!
Die Uhr läuft ab!

Keine Zeit,
wir haben keine Zeit!
Auf der Flucht!
Die Bullen sind nicht weit.
Sagt uns jetzt!
Sagt uns jetzt!
Versteckt ihr uns?
Versteckt ihr uns?
Helft ihr jetzt uns?

Mario
Ich helfe Euch!
.
.
Ich helfe Dir
Wer du auch bist
Ich helfe
woher du
auch kommst!

Ich helfe Euch
.
.
Ich helfe dir
.
Wer du
auch bist
und woher du
auch kommst!

Priester:
Gottes Haus
gibt
Zuflucht allen
die
in Not
sind
und
verfolgt.

Wehe
allen
die es
wagen
diesen
Ort der
Ruhe
zu
entweih’n!

Dialog

2. Teil

Charron
Hey Priester, geh mir aus dem Weg!
Ich weiß genau, wen du versteckst!
Verbrecher sind es, die du deckst!
Mach es dir selbst doch nicht so schwer!
Du weißt, ich bin nicht irgendwer!

Priester
Kein Wort mehr!
Nicht ein Wort mehr!
An diesem Ort sind alle Menschen gleich!

Warum sucht Ihr
im Frieden nur die Kriege?
Wozu die Waffen, werft sie fort, werft sie weg!
In diesem Haus
hat jeder seinen Hafen,
und wehe denen, die den Frieden hier stör’n!

Leute
Was treibt Ihr hier in Gottes Haus?
Wen jagt Ihr hier in Gottes Haus?
Ihr trampelt gern auf uns herum!
Schlagt auf uns ein und macht uns stumm!
Brecht uns die Knochen, macht uns krumm!

Charron
Kein Wort mehr!
Nicht ein Wort mehr!
Nehmt doch Vernunft an
Leute, hört mir zu!

Denn Pflicht ist Pflicht!
Befehle sind Befehle!
Wir tun hier einfach
unser’n – unser’n Job.

Die anderen CRS dazu
Denn Pflicht ist Pflicht!
Befehle sind Befehle!
Wir tun hier einfach
unser’n – unser’n Job.

Charron (spricht)
Was wollt ihr von uns? Laßt uns unsere Arbeit machen.
Wißt ihr, was unserem Kumpel passiert ist? Er ist fast tot, die haben ihn totgeschlagen!
Und wofür machen wir das? Um euch zu schützen, Leute, um euch zu schützen!
Wenn einer diese Mörder schützen will, kriegt er es mit uns zu tun. Hörst du, Priester? Wenn du was zu verstecken hast, nimm dich in Acht vor uns, wir kriegen dich!
Blutüberströmt war er, unser Kumpel, hörst du, Priester? Blutüberströmt!

Charron + andere CRS
Wir wissen, wen ihr hier versteckt.
Verbrecher sind es, die ihr deckt.
Die Hände noch ganz blutbefleckt.
Bald reißt uns wirklich die Geduld
Dann seid ihr selbst an allem Schuld.
Kein Wort mehr!
Nicht ein Wort mehr!
Wir geh’n für heut,
doch bald sind wir zurück!

Wir seh’n uns bald,
dann werdet ihr es spüren,
dann tun wir wirklich
unser’n Job – unser’n Job!

Wir seh’n uns bald,
dann lassen wir euch spüren,
wie gut wir sind in
unser’m Job – unser’m Job!

Priester + Leute
Ihr habt hier nichts zu suchen
mit euren schwarzen Masken,
mit euren langen Stöcken,
mit euren fiesen Grinsen.
In Gottes Haus,
da sind
wir frei,
ganz frei!
.

Kommt ihr wohl zur Messe dann?
Gott liebt euch,
wenn ihr bereut,
ihr bereut.

Kommt ihr wohl zur Beichte dann?
Dafür braucht ihr
wohl sehr viel Zeit,
sehr viel Zeit!

 Flüchtlinge
5. Ich konnte nicht anders

ICH KONNTE NICHT ANDERS

Mario
Geh bitte rein
und hilf dem Kerl.

Priester
Wie geht es ihm?

Mario
Ich glaube, es geht,
doch schau ihn an.

Madeleine (kommt im selben Moment raus)
Macht bitte schnell!
Macht bitte schnell!

Mario
Hier bleibt ihr nicht,
hier droht Gefahr.
Die Bullen sind
sehr bald zurück!

Madeleine
Wo soll’n wir hin?

Mario
Wo könnt ihr hin?
Wo kannst du hin?

(spricht)
Madeleine Wie heißt du?

Mario Mario! Und du?

Madeleine Madeleine!

(singt)
Mario
Ich glaub’, es ist nicht schlimm.
Er wird sicher überleben.

Madeleine
Armer Kerl! Ihn hätt’s beinah’
e-erwischt, er ist, glaub’ ich –
ein Photograph wie du.

Mario
Du kennst ihn also nicht?

Madeleine
Hab’ ihn noch nie geseh’n.
Er machte seine Photos, er fiel hin
ein Flic schlug ihn.
Er schlug ihn immer weiter weiter,
dann schlug ich auch zu!

Ich mußte es so tun!
Ich würd’ es wieder tun!
Sie wollen es nicht anders!
Sie geben keine Ruh!
Als ich wieder zu ihm sah,
lag er leblos auf der Straße…
armer Kerl.

Mario
Ein Spiel des Schicksals nur!
Ein paar Minuten nur!
Ich wär’ an seiner Stelle,
sie wär’n auf meiner Spur,
und dein Bild wär dann nicht hier,
aber du wärst doch bei mir,
du wärst bei mir.

Was du getan, was du gewagst hast,
was du riskierst, ist viel zu viel
für jemand, den du nicht kennst!

Madeleine
Sag sowas nicht, schau, was du jetzt tust.
Sag sowas nicht, du hilfst doch uns jetzt
und hast nicht überlegt.

Madeleine
Ich bin nichts auf dieser Welt,
wenn ich nicht andern helf,
wenn das auch heißt, daß ich and’re

Madeleine / Mario
schlag’! / Sag

Mario
nicht ein Wort mehr!
So kannst du doch nicht sein!

Madeleine
Sag sowas nicht,
du kennst mich doch nicht.
Sag sowas nicht,
wir könn’n uns doch nicht
versteh’n.

Beide
Ein Leben nur,
ein kurzes Leben,
soviel zu tun,
so viel zu geben,
und so viel zu versteh’n.

 Ich konnte nicht anders
6. Liebe ist

LIEBE IST…

Floria Bist du allein?

Mario Ja! Komm doch herein.

Floria Mit wem sprichst du?

Mario Warum?

Floria Jemand war hier!

Mario Aber Floria, wenn ich dir sage …

Floria Wer war bei dir?

Mario Ich bin allein, Floria!

Floria (nimmt Madeleine’s Bild)
Das hier ist neu! Ein sehr schönes Photo.
War sie bei dir?
So daß du unser Rendez vous
(spricht) vergessen hast?

Mario
Wie könnt’ ich das?
Du machst wohl Spaß!

Floria
Mir ist die Liebe ernst!
Für dich ist’s nur ein Spiel!

Mario
Oh Floria, das war gut gespielt!
Fast wie ein Opernstar!
Doch laß mich jetzt, ich muß was tun.
Ein Stündchen noch,
(er nähert sich und will sie in die Arme nehmen)
und ich bin dein ganz…

Floria (schubst ihn zurück – Beide sind mit Humor und Spaß angriffslustig)
Wer ist sie, Mario, wer ist sie? Gott, wie schön ist das Biest!

Mario Eine nur unter Tausenden, die man sieht, dann vergißt!

Floria Photograph oder Don Juan, wer weiß, was du wohl bist?

Mario Engelchen oder Furie, wer weiß, was du wohl bist?

Beide
Du bist nicht fair!
Wie lang muß ich dich Scheusal denn noch ertragen?

Floria (als ob sie ihn erwürgen will)
Ich werd’ dich irgendwann einmal…

Mario (nimm ihr die Hände)
echt respektieren?
(als ob er sie aufs Knie legen will)
Ich werd’ dir irgendwann einmal…

Floria ein Haus spendier’n?

Beide Es ist ganz klar mit dir da…

Floria geht es wirklich nicht!

Beide Was für’n Jammer!

Mario Es ist eine Qual!

Beide
Was tun wir eigentlich noch hier?
Mit dir geht’s nicht!
Es geht nicht ohne dich!
Ich liebe dich,
doch warum, weiß ich nicht!

Floria
Macht ein Photo hier,
macht eins dort.
Welche Kunst – welch ein Mann!

Mario
Singt Halleluja jeden Tag.
Ist ganz fromm dann und wann!

Floria Deine Augen sind hungrig, Mario, es schaudert mir.

Mario Deine Blicke sind tödlich, Floria, oh, mir graut vor dir!

Beide
Es ist nicht fair!
Ich weiß, daß du mich liebst und daß ich dich liebe.

Mario Wenn ich dich seh’, dann bist du doch…

Floria
dein großer Star?
Wenn ich dich spür’, dann fühl ich mich…

Mario ganz wunderbar?

Beide Es ist ganz klar mit dir da…

Floria hat mein Leben Sinn

Marius alle Tage!

Floria Wenn es nur so bleibt!

Beide
Dann bleiben wir für immer hier!
Denn Liebe ist – wenn man die Welt vergißt –
und das kann ich – nur, wenn du bei mir bist!

 Liebe ist
7. Traum

TRAUM

Floria
Weit irgendwo auf dem Land,
hoch in den Hügeln versteckt,
ein kleines Dorf, es lächelt – ruft uns zu
und ein Blütenmeer verziert den Weg dorthin.

Träum’, heute nacht
bis hell der Tag erwacht.

Die Kinder spielen unten am Fluß
Sie lachen, toben so wild,
laufen barfuß durch das Gras,
und sie hör’n nicht mehr,
sind schnell wie der Wind.

Freudenschrei, ganz sorgenfrei,
und du bist nah bei mir.

Vor uns liegt – die Welt
wo das Leben explodiert.
Sie trägt uns weit – weiter noch
als Hoffnung und als Traum
auf einem Weg
wo für uns Glück und Liebe blüh’n,
so hoch, höher als ein Stern am Firmament.

Unser Dorf ruft uns jetzt
wie ein Traum in dieser Nacht.
Irgendwann sind wir immer dort,
wo Liebe und Glück
uns gehör’n.

Träum’ diese Nacht,
bis hell der Tag erwacht.
Träum’ diese Nacht,
bis hell der Tag erwacht.

 Traum
8. Komm

Instrumental

 Komm
9. Picard

PICARD

Picard
Na – geht’s dir gut, mein junger Freund?
Was hast du da – täusch ich mich – ist’s ein Joint?
Freut mich, Freundchen
das gibt uns Grund, dich zu verhaun’.
Siehst du den da?
Der mag so Jungs wie dich!
Na – geht’s dir gut, mein junger Freund?

Michi
Ich hab’ keine Angst – nein
und überhaupt, was wollt ihr von mir?
Ich hab’ nichts getan – nein.
drum laßt die Finger besser von mir!

Charron + andere Polizisten
Heh Typ! Sag mir wo sind sie hin?
Heh Typ! Du weißt schon, wen ich mein’!
Heh Typ! Willst du, daß ich ganz böse bin?
Das könnt ich mir doch nicht verzeih’n!

Picard (spricht zu den Polizisten, die die zurück aus den Nebenräumen kommen) Irgend etwas gefunden?

Polizisten Nein, nichts.

Picard
Junger Freund, wie stolz du bist.
Woll’n mal sehn – wie lang.

(Picard gibt den Befehl, ihn zu schlagen)

Picard
Na – war das schön?
Red jetzt – red schnell!
.
.
Du willst noch mehr –
wie du magst – bitte sehr.
.
Polizisten
(zeigen auf Madeleines Photo)
Wer ist das hier?
Du kennst doch diese Mörderin!
(zeigen auf Florias Plakat)
Wer ist das hier? Schlagt nur zu!
Du kennst die Sängerin!

Picard
Na – war das schön?
Nun komm und red’!

Michi
Was immer ihr auch fragt
ich werd’ bestimmt nichts sagen..
Wie sehr ihr mich auch schlagt
ich werd’ nicht schrein – nicht klagen.
Ihr habt kein Recht dazu.
Ihr dürft mich gar nicht schlagen.
Jetzt laßt mich bloß in Ruh.
Ich werd’ euch doch nichts sagen.

Schlagt nur zu, wenn ihr sowas braucht!
Ich hab’ hier nur ‘nen Joint geraucht.
Schlagt nur zu! Seht, ich wehr mich nicht.
Schlagt nur zu! Ist eure Pflicht.

Was immer ihr auch fragt
ich werd’ bestimmt nichts sagen.
Wie sehr ih mich auch schlagt
ich werd’ nicht schrein – nicht klagen

Michi
Ich hab’ keine Angst – nein
glaubt nicht, daß ich euch irgendwas sag!
Ich fühl’ keinen Schmerz – nein.
Ich glaub’, daß ich noch sehr viel vertrag!

(Sie schlagen ihn wieder)

Charron + andere Polizisten
Heh Typ! Sag mir wo sind sie hin?
Heh Typ! Du weißt schon, wen ich mein’!
Heh Typ! Willst du,
daß ich ganz böse bin?
Das könnt ich mir
doch nicht verzeih’n!

Michi
Nein,
hört endlich auf.
laßt mich in Ruh!
laßt mich in Ruh!
Ich sag euch
alles, was ich weiß.

Picard
Junger Freund, wie fühlst du dich?
Junger Freund, wir hör’n!

(spricht)
Michi (erschöpft) Das Mädchen auf dem Photo kenn ich nicht.
Aber auf dem Plakat, das ist Marios Freundin.
Sie ist heute nacht auf der Fete in der Ecole Normale Sup.
Er wollte auch dahin.

 Picard
10. Freaks

FREAKS

Freaks
Ich hab’geträumt, drei Bullen wollen zu mir.
Ich sag’ “Heh Jungs – Hallo – wollt ihr vielleicht mal ein Bier?”
“Nein”, sagen die, “wir sind heut’ leider im Dienst.
Wir woll’n die Pflanzen seh’n, die da am Fenster steh’n!”

Freunde und Helfer – hab’ ich gedacht.
Euch werd’ ich helfen – wär ja gelacht.
“Das ist mein Teebaum – kommt, probiert doch mal,
dann seid ihr entspannt, und einmal ist doch keinmal.

Ja, ja, die Polizei weiß gut Bescheid.
Ja, ja, die Polizei ist stets bereit.

Erst woll’n sie nicht – Gott sei dank siegt ihr Durst,
sie leer’n die Becher im Flug,
verdreh’n die Augen und stöhnen kurz.
Ich weiß sofort, die hab’n für heute genug.

Freunde und Helfer – liegen jetzt flach,
ich hab’den Tee wohl – zu stark gemacht
mit LSD und Hasch statt Assugrin.
Das verträgt kein Bulle, diese drei, die sind hin.

Ja, ja, die Polizei weiß gut Bescheid.
Ja, ja, die Polizei ist stets bereit.

Drei Polizisten liegen in ihrem Rausch
und so mag’ ich sie gern, denn so seh’n sie friedlich aus.
So dumm wie Stroh, doch wenn die alle so wär’n,
dann gäb es nie Krawall – wir siegten überall.

Freunde und Helfer – hab’ ich gelacht,
dann bin ich leider – schnell aufgewacht
und auf der Straße – tobt die Straßenschlacht
und die schwarze Horde prügelt sich durch die Nacht.

Ja, ja, die Polizei macht gern Krawall.
Ja, ja, die Polizei macht gern Krawall.
Ja, ja, die Polizei ist überall.
Ja, ja, die Polizei ist überall.

 Freaks
11. Castle

Instrumental

 Castle
12. Mamba

MAMBA

Floria
Ich lach. Ich bin.
Ich lieb. Ich sing.

Ich weiß so viele Sachen.
Ich weiß, ich bin nicht dumm.
Was ich will, kann ich machen.
Paßt auf!

Ich laufe nachts halbnackt auf der Straße rum,
und frag die Bullen nach einer Kippe.
Ich fang euch ein,
und ihr seid ganz hin von meinem Charme,
und ihr seid ganz hin von mei-einem Charme,
und ihr wißt, daß ihr mir nicht entkommt!

Nie mehr brav sein.
Hab Mut, sag nein.

Kommt dir ein Kerl zu nahe,
glaubt er, du wärst so dumm.
Bringst du ihn um beinahe.
Tant pis!

Ich geb nicht nach, ich weiß genau, was ich will,
und bist das du, dann lauf besser schnell weg,
sonst fang ich dich,
und du bist ganz hin von meinem Charme,
und du bist ganz hin von mei-einem Charme,
und du weißt, daß du mir nicht entkommst.

Manchmal bin ich schwach.
Manchmal bin ich stark.
Ich bin nie so, wie du mich willst.

Manchmal bin ich wild.
Manchmal bin ich zahm.
Ich bin nie so, wie du mich willst.

Hab Kraft, hab Mut.
Bin schlecht, bin gut.

Ich will einfach nur leben
und Geld brauch’ ich nicht viel.
Liebe nehmen und geben.
Paßt auf!

Denn bist du mein, dann laß ich dich nie mehr los
und überhaupt willst du nicht mehr weg hier,
denn hab ich dich,
dann bist du ganz hin von meinem Charme,
dann bist du ganz hin von mei-einem Charme,
denn du weißt, daß du mir nicht entkommst.

Denn hab ich dich,
dann bist du ganz hin von meinem Charme,
dann bist du ganz hin von mei-einem Charme,
denn du weißt, daß du mir nicht entkommst.

Nicht entkommst. Nicht entkommst.
Nicht entkommst. Nicht entkommst.
Nicht entkommst. Nicht entkommst.
Nicht entkommst. Nicht entkommst.

 Mamba
13. Feuer

FEUER

Raoul (spricht)
Ich trage dieses Buch –
als Symbol für alles, was ich weiß – alles, was ich gelernt habe –
alles, was ich kenne und erkenne.

Ich trage dieses Buch
als Opfer für alles, was hier schlecht ist, und für alles, was mich unterdrückt.

Ihr habt den kreativen Akt dieses Buchs verraten.
Ihr habt die Wölfe der Spontaneität in Schäfer des Wissens verwandelt!

Unzählige Bücher pflastern diese ehrwürdige Bibliothek
mit Aufrufen zum Aufstand,
doch alles ist hier so gut konserviert im Saft seiner Dauer,
daß man vergißt, es anzusehen und zu verstehen.

Und ihr vernebelt uns mit eurem Tränengas,
und ich weine,
aber nicht wegen eurem Gas.

Ich weine um diese Bücher,
diese wunderbaren Bücher,
die ihr mir geschenkt habt,
die ihr mich aber teuer bezahlen laßt,
weil ihr ihren Inhalt erwürgt, mumifiziert und hinter Glas gestellt habt.

Ich trage dieses Buch, und
ich gebe es dem Feuer.
Ich gebe alle Bücher dem Feuer,
um ihre ursprüngliche spontane Kraft, die euch soviel Angst macht, wiederaufleben zu lassen.

Und zu den schockierten Historikern und Moralaposteln sage ich:
Die Barbarei unserer Revolte, ihre Wildheit, ihre Exzesse,
das alles ist der Impstoff gegen die kalte Grausamkeit der Ordungskräfte
und gegen die hierarchisierte Unterdrückung.

Ein Student
Der Tag fängt an,
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt,
der Kampf fängt gerade an.
Komm lebe, komm laß hinter dir
das Spiel, das dich erdrückt,
die Stricke, die dich halten.

1. Gruppe
Der Tag fängt an
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt
ja habt ruhig Angst vor mir.
Mein Traum voll Kraft und Leidenschaft
Die Liebe gibt mir Macht.
Ihr seid so schwach dagegen.

2. Gruppe
Wir sind noch
immer da.
Der Kampf fängt gerade a-an.
Komm lebe komm
laß hinter dir
was dich erdrückt
und was dich fesselt

Alle
Und du, du zögerst immer noch,
was dich zerfrißt, warum hältst du es fest?
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.

1. Gruppe
Der Tag fängt an
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt
ja habt ruhig Angst vor mir.
Mein Traum voll Kraft und Leidenschaft.
Die Liebe gibt mir Macht.
Ihr seid so schwach dagegen.

2. Gruppe
Spürt meine
Kraft.
Spürt meine
Lust.
Ich hab’alle Macht
aus meinem Traum
aus meine Liebe.

1. Gruppe
Der Tag fängt an
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt
der Kampf fängt gerade an.
Komm lebe,
komm laß hinter dir
das Spiel das dich erdrückt
die Stricke die dich halten.

2. Gruppe
Spürt meine’
Kraft.
Spürt meine
Lust.
Ich hab
alle Macht
aus meinem Traum
aus meiner Liebe.

3. Gruppe
Wir sind noch
immer da.
Der Kampf fängt
gerade a-an.
Komm lebe komm
laß hinter dir
was dich erdrückt
und was dich fesselt.

Alle
Und du du zögerst immer noch,
was dich zerfrißt, warum hältst du es fest?
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.

1. Gruppe
Und du du zögerst immer noch,
was dich zerfrißt, warum hältst du es fest?
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.

Der Tag fängt an
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt
der Kampf fängt gerade an.
Der Tag fängt an
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt
der Kampf fängt gerade an.

2. Gruppe
Wirf es weg, wirf das Buch ins Feuer.
Wirf es weg, wirf das Buch
wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.

Spürt meine
Kraft.
Spürt meine
Lust.
Spürt meine
Kraft.
Spürt meine
Lust.

Dialog

Freaks
Ja, ja, die Polizei ist überall,
ja, ja, die Polizei ist überall.
Ja, ja, die Polizei ist überall,
ja, ja, die Polizei ist überall.

 Feuer
14. Mission

MISSION

René
hr dreht euch im Kreis,
seit fast einer Stunde schon.
Ihr redet euch heiß,
das wird langsam monoton.
Glaubt ihr, so weckt ihr
diese Welt aus ihrem Schlaf?
Vergeßt nie unser Ziel!

Marc
Die Stunde ist da!
Die anderen warten schon.
Das Ziel ist so nah.
Wir brauchen die Aggression,
denn nur so erkennt
diese Welt, was sie zerstört.
Vergeßt nie unser Ziel.

Madeleine
Seht ihr denn uns’re Lage nicht?
Sie sind uns auf der Spur.
Wie Verbrecher jagt man uns jetzt,
so gnadenlos.

Marc
Nicht Resignation – nein!
Nur Demonstration – jetzt!
Schafft Provokation – heut!
Schafft Revolution – bald!

Marc
Nicht Resignation – nein!
Nur Demonstration – jetzt!
Schafft Provokation – heut!
Schafft Revolution – bald!

Madeleine
Du bist naiv!
Das geht doch schief.
Sie suchen uns.
Es wird gefährlich.

Marc
Nicht Resignation – nein!
Nur Demonstration – jetzt!
Schafft Provokation – heut!
Schafft Revolution – bald!

Zusammen sind wir – stark!
Zusammen hab’n wir – Kraft!
Zusammen hab’n wir – Mut!
Zusammen für den Sieg
auf unserm Weg
zum Ziel!

Madeleine
Du bist naiv!
Das geht doch schief.
Sie suchen uns.
Es wird gefährlich.

Ich gebe niemals auf.
Ich kämpfe für die Sache.
Ich laß euch nie allein.
Wir schaffen es gemeinsam.
Wir gegen sie, ganz egal
wieviel es sind!

3
René
Wir verlieren Zeit
Dieser dumme Streit, er schwächt uns
dieses dumme Spiel
treibt uns fort vom Ziel gemeinsam.

Mit vereinter Kraft
dienen wir dem Volk.
Gemeinsam dienen wir dem Volk
das ist unser Ziel gemeinsam.
Wir gegen sie, ganz egal
wieviel es sind!

René Die Legalität ist nicht die Gerechtigkeit.

Marc Wir, die Partisanen, kämpfen für die Gerechtigkeit.

Madeleine Unser Marsch ist beispielhaft!

Alle drei (singen)
Leuchtend ist der Weg der neuen Partisanen!

Madeleine
Widerstand für
unser Volk. Zeit zum
Aufbruch, Aufstand
für das Volk
Die Fabriken morden
ganz legal.
Aufstand, das ist ganz legal!

René
Wir sind so stark
uns
kann nichts
passier’n.
Wenn wir
vereint
marschier’n!

Marc
Auf
Kameraden
wir führen
unsern Kampf zuend.
Auf
Kameraden
wir führen unser Volk zum Sieg.

René
Es ist Zeit zu geh’n.
(Zu Mario) Danke, daß du uns geholfen hast.
Ich kann auch versteh’n,
daß du so lebst wie du lebst und die Welt anders siehst,
doch Solidarität
ist uns wichtig,
woher sie auch kommt.
Kommt, wir müssen geh’n!

Mario
Nun es scheint,
als ob die Zeit zum Abschied da ist für uns zwei.

Madeleine
So kurz war die Zeit, doch ich fühl mich,
als ob ich dich schon immer kannte.

Mario
Glaub mir, Madeleine, ich fühl’ wie du,
spür das Leben,
spür die Kraft, die in dir ist,
du bist ein Teil von mir,
den laß ich nie mehr geh’n.

Viel zu kurz die Zeit mit dir.
Viel zu viel noch zu sagen.
Viele Fragen noch zu fragen.

Beide
Nur ein Bild.
Nur ein Augenblick.
Kamst so schnell in mein Leben
und hast mir soviel gegeben.

 Mission
15. Eifersucht

EIFERSUCHT

Mario
Floria!
Was machst du denn jetzt hier?
Floria!
Wart ich erklär’ es dir!
Es ist nicht, wie du denkst!
Sei doch nicht so!
Hör’ mich doch an!

Floria
Warum tust du mir das an?
Wie kannst du so etwas wagen?
Was für ein Kerl!
Was für ein Mann!
Was für ein Leben!
Es ist nicht wahr.
Sag mir – sag mir –
es kann nicht sein.
Wir lieben uns,
wir haben soviel vor.
Wirfst du das weg?
So wie Dreck!
Jetzt sag doch endlich was!

Mario
Floria, ich liebe dich.
Oh Floria, glaube mir.

Floria
So geh den Weg allein,
wohin du willst,
wohin du kannst.
So wie du lügst,
so wie du spielst,
so hass’ ich dich,
verachte dich!
Laß mich allein!
Laß mich in Frieden!

Floria
Wie kann jemand sowas tun?
Muß ich alles das ertragen?
Ich will nicht mehr!
Ich mag nicht mehr!
Ich kann nicht mehr – nein!
Ich wollte nur ein kleines
Glück auf dieser Welt.
Nicht diesen Schmerz
und auch nicht diesen Haß
der in mir steigt,
mich verbrennt
und zur Verzweiflung führt!
Ich hab’ so große Angst,
daß ich dich jetzt verlier’.

So geh
den Weg allein,
wohin du willst,
wohin du kannst.
So wie du lügst,
so wie du spielst,
so hass’ ich dich,
verachte dich!
Laß mich allein!
Laß mich in Frieden!

Mario
Oh bitte hör mir zu und
laß mich dir erklär’n.
Niemals hab’ ich dich belogen.
Niemals hab’ ich dich betrogen.
Hör mich bitte an!
Du schreist, du weinst und
hörst nicht mehr
was ich dir sagen will!
Glaube mir ich bin bei dir,
bleib bei dir.
Ich will dich
nicht verlieren.
Floria, Floria,
Floria.

Sag sowas nicht!
Sag sowas nicht!
Ich will zu dir.
Denk sowas nicht.
Es ist nicht wahr.
Ich liebe dich,
verehre dich.
Wir sind allein,
sind so allein
wenn uns’re Liebe zerbricht.

Mario
Ich weiß, es war nicht gut,
ich weiß, es tut so weh.
Ich kann den Zorn versteh’n,
den Zorn, der dich verbrennt.
In einem Augenblick ist es passiert,
ich wollte plötzlich spüren,
wollte lieben, wollte fliegen,
wollte leben,
und jetzt
seh’ ich deine Tränen.
Wie ist das passiert,
daß ich dich so vergaß?
Oh Floria, bitte, kannst du mir verzeih’n?

Floria
Oh Mario, Mario, was tust du mir an?

Mario
Oh Floria, Floria, ich war so gemein!

Floria
Das dumme Photo hier!
Wirf es jetzt weg!

 Eifersucht
16. Besuch

BESUCH

Picard
Wie schön, euch zu seh’n! Wie schön, euch zu seh’n!

Mario (spricht) Was ist los?! Was wollt ihr hier?

Picard
Das wirst du noch seh’n, das wirst du noch spür’n!

Floria (spricht) Habt ihr einen Durchsuchungsbefehl?

Picard
Na, die Schöne zeigt die Zähne, ganz scharfe Zähne.
Ist es nicht erfreulich, wie schnell du uns heut’ hierher geführt hast?
Gefällt’s dir?
Wie schön, euch zu seh’n! (zu Floria) Wie schön, dich zu seh’n!

(Mario versucht, mit Floria zu sprechen)

Kein Spaß jetzt! Auseinander schnell – ihr zwei!
Charron, kümmer dich um die beiden.
Du hast ein Faible für schöne Damen
(spricht) wenn auch anders als ich.

Mario (es wird ihm unheimlich)
Was hab’n Sie vor?

Picard
Nichts! Nichts!
(zu einem Polizisten)
Und stell du jetzt den jungen Mann ruhig,
er hat zuviel Temperament.
Ich werd’ mich umseh’n,
während Charron euch durchsucht.
Das macht er gern, das macht er gern!

(spricht) Nicht wahr, Charron? Fang mit Mario an. Ah, ah, ah! (er geht nach hinten)

Charron (grob zu Mario)
Bleib’ ganz still – das Gesicht zur Wand!

Floria (spricht) Laß ihn doch in Ruhe!

Charron
Schöne, warte nur bis gleich!
Ich komm’ zu dir, zu dir!

Mario (spricht) Wie sprichst du mit meiner Freundin?

Charron (spricht, brutal) Hände nach oben! (er durchsucht ihn) Na, du hast wirklich nichts bei dir? Dein Glück! Jetzt zu dir, Schöne… ! (zu den anderen) Haltet sie gut fest! Ich glaube, sie beißt!

Floria (schreit und versucht sich zu wehren) Laß mich los, laß mich los!

Charron
Endlich – kommen wir uns näher –
Schöne – das wird ein Spaß!
Dreh’ dich – ah, was hast du schöne
Kurven – mir wird ganz heiß!
(steht hinter ihr und fängt an, sie überall zu betatschen)
Hier nichts – na, wir woll’n mal seh’n, was –
da ist – mmh – gar nicht schlecht!
Komm schon – laß mich deine zarte
Haut spür’n – Halt endlich still!

Wenn eine Frau sich noch wehrt,
werd’ ich schärfer!
Wenn sie sich windet, halt ich’s
fast nicht mehr aus!
Wenn eine Frau Zähne zeigt,
werd ich härter!
Nun hab’ dich doch nicht so, denn
ich weiß genau, die Weiber wolln es so.
Wehren, das gehört für sie zum Spiel.
Komm, spür mich –
Ist das nicht schön?
Ist das nicht schön?

Floria (wehrt sich, so gut sie kann) Faß mich nicht an! (Schreit) Laß mich los! (sie spuckt ihn an).

 Besuch
17. Folter

FOLTER

Picard
Jetzt, meine Liebe, sind wir allein
(spricht) Nimm doch Platz, setz dich.
Er ist grob, doch er kann hilfreich sein.

Floria (spricht) Wie können Sie sowas zulassen!?!

Picard
Ganz ruhig, Floria –
es war so schön, dich zu seh’n
in seinen Klau’n, zu seh’n – ah!
Wenn ich auch and’re Methoden hab’,
einer schönen Frau ganz nah zu sein.

Sag mir, wo die Maos sind!

Floria
Ich weiß nicht, wen ihr damit meint.

Picard
Jetzt kein Spiel mehr und kein Spaß mehr!
Sag mir, wo das Mädchen ist!

Floria
Mario und ich, wir war’n allein!

Picard
Bist du sicher?

Floria
Ich bin sicher.

Picard
Na gut! Wenn du es nicht anders willst.

(spricht) Charron, hat er gesprochen?

Charron Nein, noch nicht.

Picard Weiter machen, Charron.

Charron Ja, mit Vergnügen!

Floria
Was macht ihr in diesem Raum?

Picard
Das weißt du doch – er wird verhört.

Floria
Laß mich zu ihm!

Picard
So wie jetzt sollst du ihn nicht seh’n!
Fest geschnallt – er kann sich nicht wehr’n
Charron steht mit einem Stock vor ihm.

Floria
Nein, das stimmt nicht!
Nein, Sie lügen!

Picard
Und wenn dein Freund nicht sprechen will,
lernt er singen, lernt er singen.

Floria
Ihr seid Schweine – hört jetzt auf!

Picard
Sagst du mir alles, was du weißt?

Mario (schreit vor Qualen) Haaa … Haaa …

Floria
Sie soll’n aufhör’n – sag es ihnen.

Picard
Nur ein Wort – und er ist frei,
und seine Qualen sind vorbei.

Mario
Floria, sag nichts! (schreit) Haaa …
Bitte sag nichts! (schreit) Haaa …

Floria
Was soll ich tun, was kann ich tun, oh Gott?

Picard
Hier hilft kein Gott, nur reden hilft!

Erpresser
Diese Welt ist voller
Dreck, und
wer etwas
vor uns versteckt,
ist gefährlich –
ist entbehrlich.
Wir sind gut – und ihr seid
schlecht, und
darum hab’n wir
jedes Recht
zu zerstören –
zu verhören.
Dabei ist die Wahrheit
ganz egal,
der Wille
muß brechen.

Erpreßte
Wir
verlier’n
das Spiel.
Der Weg ist falsch,
egal,
wohin
wir geh’n.
Wir
verraten
uns’re
Liebe –
Ideale.
Es tut so weh.
Wunden
sieht man uns
nicht an.

Erpresser
Wenn du willst,
daß ein Mensch spricht
und daß der Wille
ihm zerbricht,
hast du Wege –
viele Wege.
Eine Kunst –
das Metier,
du tust ihm nicht
nur einfach weh,
es geht tiefer –
sehr viel tiefer.
Schlag nur einen
Menschen, den er liebt.
Der Wille wird
brechen

Erpreßte
Wir
verlier’n
das Spiel.
Der Weg ist falsch,
egal,
wohin
wir geh’n.
Wir
verraten
uns’re
Liebe –
Ideale.
Es tut so weh.
Wunden
sieht man uns
nicht an.

Folterer
Welch eine
Lust zu
schlagen.
Sie sind
schlecht –
wir im
Recht.
Uns’re
Pflicht –
Uns’re
Freude,
dem Guten zu dienen,
und Platz für Mitleid
gibt es nicht.
Nur Pflicht!
Nur Pflicht!

Erpresser
Diese Welt ist voller
Dreck, und
wer etwas
vor uns versteckt,
ist gefährlich –
ist entbehrlich.
Wir sind gut – und ihr seid
schlecht, und
darum hab’n wir
jedes Recht
zu zerstören –
zu verhören.
Dabei ist die Wahrheit
ganz egal,
der Wille
muß brechen.

Erpreßte
Wir
verlier’n
das Spiel.
Der Weg ist falsch,
egal,
wohin
wir geh’n.
Wir
verraten
uns’re
Liebe –
Ideale.
Es tut so weh.
Wunden
sieht man uns
nicht an.

Folterer
Welch eine
Lust zu
schlagen.
Sie sind
schlecht –
wir im
Recht.
Uns’re
Pflicht –
Uns’re
Freude,
dem Guten zu dienen,
und Platz für Mitleid
gibt es nicht.
Nur Pflicht!
Nur Pflicht!

Gefolterte
Hört
unser
Schrei’n,
seid ihr
taub –
sind wir
tot.
Nichts
hat mehr
Sinn.
Nicht das Leid,
nicht der Schmerz,
nicht das Blut,
wenn diese Welt
uns vergißt,
uns vergißt.

Picard
Merkst du jetzt, woran du bist?
Daß das kein Spiel für Kinder ist?
Du wirst reden!
Endlich reden!

(zu Charron)
Hört jetzt auf und bringt ihn her.
Die Dame gibt jetzt ein Konzert.
Laß uns hören!
Sing dein Lied!

Erpresser + Folterer
So geh
den Weg allein,
wohin du willst,
wohin du kannst.
So wie du lügst,
so wie du spielst,
so hass’ ich Dich,
verachte Dich!
Laß mich allein!
Laß mich in Frieden!

Erpreßte + Gefolterete
Sag sowas nicht!
Sag sowas nicht!
Ich will zu Dir.
Denk sowas nicht.
Es ist nicht wahr.
Ich liebe Dich,
verehre Dich.
Wir sind allein,
sind so allein
wenn uns’re Liebe zerbricht.

 Folter
18. Fabrik

FABRIK

Arbeiter
Wir schuften hier Tag und Nacht,
Wir sind geschafft, und wir könn’n nicht me-e-e-ehr!
Für Stunden Hitze und Krach,
vor uns das Fließband treibt uns voran,
und es gewinnt jede Schlacht,
nimmt unser Leben und reißt Marcel die Hand ab!
Das läßt uns kalt, denn heut’ nacht
verdoppeln alle die Prämie!

Klag’ nicht – halte durch, mein Freund!
Heul’ nicht – fällt dir sonst nichts ei-ein!
Klag nicht – Kopf hoch, du Idiot!
Heul nicht – denn wenn du sagst, du willst nicht me-e-ehr!
Die andern warten!

Die Augen fallen uns zu.
Wir schlafen halb, doch wir machen immer weiter.
Das Risiko ist zu groß,
dem Vormann ist’s aber ganz egal!
Heut’ nacht, da trafen Ali
drei Tonnen Stahl mitten auf den Vorderschädel.
Araber vermißt man nie!
Verdoppel lieber die Prämie!

Klag’ nicht – halte durch, mein Freund!
Heul’ nicht – fällt dir sonst nichts ei-ein!
Klag nicht – Kopf hoch, du Idiot!
Heul nicht – denn wenn du sagst, du willst nicht me-e-ehr!
Die andern warten!

1. Arbeiter
Samstags geh’ ich ins Bordell,
dann sauf ich, bis ich mich selbst vergessen ka-ann!

2. Arbeiter
Die Glotze ist meine Welt,
ich seh’ das Glücksrad – mein Lieblingspiel!

3. Arbeiter
Ich leg’ mich auf meine Frau,
auch wenn sie sagt, sie will keine Babies me-ehr!

Alle Arbeiter
Und Montag geht’s wieder los.
Verdoppeln alle die Prämie!

Klag’ nicht – halte durch, mein Freund!
Heul’ nicht – fällt dir sonst nichts ei-ein!
Klag nicht – Kopf hoch, du Idiot!
Heul nicht – denn wenn du sagst, du willst nicht me-e-ehr!
Die andern warten!

(Die Maos sind in der Zwischenzeit rausgekommen und verteilen Flugblätter.)

Madeleine
Seht ihr nicht, daß man euch betrügt?
Die Prämien sind doch viel zu klein.

René
Seht ihr nicht, wie man euch belügt!
Die Schichten sind doch viel zu lang.

Marc
Sie wollen nur, daß ihr euch fügt.
Geht ihr dann drauf, seid ihr selbst schuld!

Maos
Wir sind nicht schuld, wir wollen helfen.
Verräter habt ihr unter euch.
Die Vorarbeiter spielen Polizei,
und die Gewerkschaft hilft dabei.

1. Vorarbeiter
Hört jetzt auf!

Ein Mao (schreit) Sales flics!

2. Vorarbeiter
Haut jetzt ab!

Ein Mao (schreit) Matraqueurs!

1. Vorarbeiter
Kein Schritt mehr!

Madeleine (schreit) Verräter!

(Madeleine ist nach vorn gegangen und steht etwas allein zwischen den Fronten. Aus dem Dunkel tritt ein Vorarbeiter, er ist der von der Polizei eingeschleuste Mann. Er hat einen Pistole in der Hand und zielt auf Madeleine.)

Der Mann Geh zurück, oder ich schieße!

Madeleine (sarkastisch) Na los! Ich hab’ keine Angst! Schieß doch!

(Der Mann schießt, sie kann es nicht fassen und fällt fast sofort um)

Eine Stimme (schreiend) Sie ist tot!

Ein Arbeiter (kommt nach vorn, bückt sich über sie, hebt den Kopf und sagt mit einer sehr ruhigen Stimme) Ja, sie ist tot.

Mario (reißt sich von den Polizisten los und rennt zu Madeleine, die am Boden liegt) Madeleine!

Mario
Was habt ihr getan?
(spricht) Mörder!

Maos
Ihr habt sie ermordet!
(spricht) Eine Falle! Wir sind verraten!

Vorarbeiter
Wir lassen uns nicht provozieren.
(spricht) Ihr seid nichts!

Arbeiter
Das war ein Mord,
ein klarer Mord.
Verräter gibt es unter uns,
unter uns!
(spricht) Es sind Mörder!
(schützend zu den Maos) Kommt doch zu uns!

Polizei
Geht jetz ruhig nach Haus!
Geht jetzt auseinander!

Mario
Ich kann nicht geh’n – ich bleibe bei ihr.
Ich will jetzt Kampf!
Ich will jetzt Blut!
Ich will jetzt Rache für

Mario
Madeleine!
.
Für Madeleine!
.
Für Madeleine!
.
Für Madeleine!
.
Für Madeleine!
.
Für Madeleine!

Polizei + Vorarbeiter
Sie bekam nur das, was
sie verdient.
aus dem Staub, sonst endet
ihr wie sie – so wie sie!
Sie bekam nur das, was
sie verdient. Nun macht euch
aus dem Staub – sonst endet
ihr wie sie – so wie sie!
Sie bekam nur das, was
sie verdient, nun macht euch
aus dem Staub –
haut endlich ab!

Maos + Arbeiter:
Wir woll’n Rache für Madeleine!
.
Wir woll’n Rache, wir woll’n Blut!
.
Wir woll’n Rache für Madeleine!
.
Wir woll’n Rache, wir woll’n Blut!
.
Wir woll’n Rache für Madeleine!
.
Wir woll’n Rache, wir woll’n Blut!

 Fabrik
19. Lullaby

LULLABY

Picard
Du bist da – nah bei mir.

Floria
Was wollen Sie von mir?

Picard
Ah!
(etwas aggressiv) Wie sprichst du denn mit mir?
(sanfter) Wie schön du bist!
Ich will nicht streiten.
Ich will nicht schreien.
Siehst du nicht, Floria, was ich wohl will?

Floria
Ist es nicht genug –
Madeleine ist tot!

Picard (dreht sich plötzlich und spricht heftig)
Nein, laß das!
Kein Wort mehr, kein Wort mehr!
Denk nach!
Dein Freund, dein Freund,
in der Zelle!
Dem kann noch sehr viel mehr passieren!

Floria
Warum, er hat mit allem nichts zu tun.

Picard
Nichts zu tun!
Er hat wiederholt
Verbrecher unterstützt!

Floria
Verbrecher sind das nicht!

Picard
Genug, ihn ein paar Jahre
im Knast hier einzusperr’n.

Floria
Das können Sie nicht tun,
der Zufall war es nur!

Picard (wütend)
Wen int’ressiert das schon?
Den Zufall bestimm’ ich!
Madeleine ist jetzt tot,
und Mario sitzt jetzt fest.
Die Macht hier habe ich,
nur du bist hier noch frei!
Spürst du denn jetzt noch nicht,
daß ich dich haben will?
Siehst du denn jetzt noch nicht,
daß ich dich haben muß?

Floria
Niemals, niemals!
Niemals, niemals!
Nie werde ich …
Niemals kann ich …
Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt tun soll.

Floria
Sing mir, oh sing mir
das Lied in der Nacht.
Ich liege bei dir,
träume mit dir,
spür’ deine Hand
in meiner Hand.

Floria
Zeig mir, oh zeig mir
das Leben mit dir.
In deinen Augen
kann ich träumen,
die Liebe
spür’n,
die von dir kommt.

Mario
Bei dir, bin bei dir
im Lied der Nacht.
Ich höre dich.
Ich spüre dich.
Zulange schon
bist du nicht da,
mein Herz ist voll von dir.

Floria
Halt mich, oh halt mich,
ich kann nicht mehr
geh’n.
Ich liege bei dir,
träume mit dir,
spür’ deine
Hand.
In meiner Hand.

Mario
Zu dir, will zu dir
bei Tag und
Nacht.
Du rufst nach mir.
Du willst zu mir.
Ich wünschte wir
wär’n weit von hier,
wär’n ganz weit weg von hier.

Picard
So schön, so nah.
Ich will sie haben
sie muß mir gehör’n!
Wie sie mich haßt!
Wie ich sie will!
Ich spüre schon,
wie sie sich mir
hingeben muß.

Picard (spricht) Nun, deine Antwort

Floria
Du willst die Antwort hörn? Stimmts?
Du gierst nach meiner Angst? Stimmts?
Sei nicht enttäuscht.
Ich zittre nicht,
wein keine Träne.
Ich werd’ es tun,
für dich, für dich,
für dich, Mario.
Also nimm mich!
Fünf Minuten Dreck,
kein hoher Preis!
Kannst du so lang?
Die Freiheit ist es wert.

Picard
Was soll der Sinneswandel?
Wie redest du mit mir?

Floria
Was? Was willst du noch von mir?
Mehr? Willst du noch meine Seele?
Nimm, was du willst!
Beeile dich!
Mario wartet!

Picard
Ich bin enttäuscht von dir,
enttäuscht von dir, von dir!
Ich geb dich auf.
Es sollte anders geh’n,
ganz anders geh’n,
anders geh’n…

Floria
Was haben Sie jetzt vor?

Picard
Nichts mehr!
Jetzt gar nichts mehr.
Wart’ hier, bis ich dich hol’.

(Er geht und läßt Floria perplex zurück. Sie ist unruhig – sie weiß nicht, was sie von Picard halten soll. Als sie an seinen Schreibtisch geht, sieht sie einen Brieföffner – wie ein langes Messer – es ist auch scharf, sie läßt es durch ihre Finger gleiten. Ohne zu überlegen, nimmt sie es an sich und versteckt es bei sich. Picard kommt zurück, er hat einen Umschlag in der Hand)

Picard
Unser Spiel ist aus.
Geh jetzt zu Mario – du bist frei.
Gleich kommt einer zu euch,
ein Schutzengel vielleicht,
der läßt ihn dann heraus,
und ihr könnt geh’n.

Floria
Was reden Sie da?
Was denn für ein Engel?
Wer läßt uns frei?
Sind wir dann wirklich frei?
Mario und ich?

Picard
Ja. Ihr seid jetzt frei!
Mein Spiel mit euch ist aus.
Hier, nimm deine Sachen zurück.
Alles ist erledigt.
Du kannst jetzt geh’n.

 Lullaby
20. Gottes Wind

GOTTES WIND

Floria
Du bist immer allein
und wartest auf den Wind.
Du bist traurig wie nie.
Wart auf den Wind – Gottes Wind.

Liebende halten inne und
seh’n sich an.
Unverstanden
bleibt das, was sie
so schnell getrennt.

Alter Baum voller Sorgen,
er sah so viel,
und er weiß, was er bringt,
der Wind,
der Gottes Wind

Und der Wind
weht so leise,
so, als sei er schon ewig da,
unerkannt – vergessen gar.

Kindern streicht
er durchs Haar – zart,
und so schnell
spielen sie ihr Spiel,
lachen heller als zuvor.

Nimm die Zeit.
Spür den Wind.
Spür den Wind.
Gottes Wind.

Du bist immer allein
und wartest auf den Wind.
Du bist traurig wie nie.
Wart auf den Wind – Gottes Wind.

Floria
Er weiß nicht,
wo er hin soll.
auf der Flucht
wie ein Dieb – er hat Angst,
daß man ihn faßt
und hält.

Wenn er flieht –
fürchtet er sich mehr.
Wenn er schreit –
hört er nichts mehr.
Doch spürt er sich –
dann kann er hör’n.

Er bleibt steh’n – um zu hören,
und er schweigt,
und der Wind weht sanft,
er sagt nichts,
nichts schmerzt ihn mehr.

Er bleibt steh’n – um zu hören.
Er vergißt seine Angst,
den Schmerz,
und er hört den Gottes Wind.

Chor
Wer eingesperrt –
der hofft, denn er weiß –
nichts hält.
Mauern fallen
im Wind.
Gottes Wind.

Und wer verliebt –
wer sich kurz verlor,
nach Schmerz,
findet Lächeln,
nach Angst –
findet Liebe

Schweig, sag nichts, hör den Wind, der weht.
Rühr dich nicht, flieh nicht, fühl den Wind, der weht.
Laß die Angst – den Schmerz, laß den Zorn – den Haß.
Hör den Wind, der weht, hör auf Gottes Wind
Höre!

Schweig, sag nichts, hör den Wind, der weht.
Rühr dich nicht, flieh nicht, fühl den Wind, der weht.
Laß die Angst – den Schmerz, laß den Zorn – den Haß.
Hör den Wind, der weht, hör auf Gottes Wind

 Gottes Wind
21. Triste

Instrumental

 Triste
22. Final

FINAL

Michi
Ich seh’ die Sonne – ich spüre den Wind,
ja, mir gehört dieser Tag.
Ich seh’ die Welt heute so wie ein Kind,
liebe und leb’ wie ich mag’.

Warum muß ich je erwachen?
Wollt ihr das denn von mir?
Was gebt ihr mir für mein Lachen,
das ich im Leben verlier’?

Alle
Und ihr nehmt meine Jugend,
ihr nehmt meine Träume,
dann werd’ ich wie ihr,
werde hart wie ein Stein.

Und ihr nehmt mir die Liebe,
vielleicht auch mein Leben,
wenn ich mich nicht wehr’,
doch das fällt mir so schwer…

Dialog

Alle
Für einen Tag sei jung und froh.
Für einen Tag bin ich bei dir.
Kinder lachen eine Welt beginnt neu.
Ich bin bei dir,
wir haben nur diesen Augenblick,
nicht was kommt
und nicht was war
nur was ist
Komm mit und frag mich nicht
wo meine Träume sind.
Komm laß mich deine Seele Spür’n,
komm nimm mir den Verstand
und lös mich auf in deiner Welt
ich bin bei dir für einen Tag.

Michi Hey Leute! Kennt ihr das noch?

Michi
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!

Michi & die Dazugekommenen
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!

Alle
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!

1.Gruppe Et sous les pavés la plage!

2. Gruppe Unterm Asphalt liegt der Strand!

1. Gruppe C’est interdit d’interdire.

2. Gruppe Verbieten, verboten!

1. Gruppe Le pouvoir est dans la rue.

2. Gruppe Die Macht ist auf der Straße!

1. Gruppe Abolissons la tristesse

2. Gruppe Schaffen wir die Traurigkeit ab!

1. Gruppe Faites l’amour pas la guerre

2. Gruppe Make love not war

1. Gruppe L’imagination au pouvoir

2. Gruppe Die Phantasie an die Macht

Alle
Und vor allem vergeßt nie
haltet eure Wünsche
für die Realität

Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen, beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist.

(sprechen)
1. Sprecher Oh, liebe Herren der Politik, hinter euren glasigen Blicken schützt ihr eine Welt auf dem Weg zur Vernichtung. Schreit, schreit, man wird nie genug erfahren, daß ihr kastriert worden seid.

2. Sprecher Die allerschönste Skulptur, das ist der Pflasterstein. Der schwere kritische Pflasterstein.
Der Pflasterstein, den ihr den Bullen in die Fresse werft.

3. Sprecher Die Menschheit wird erst an dem Tag wirklich glücklich sein, an dem der letzte Bürokrat mit den Eingeweiden des letzten Kapitalisten aufgehängt wird.

Alle
Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen – beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist.

1. Gruppe Je participe.

2. Gruppe Ich bestimme mit.

1. Gruppe Tu participes.

2. Gruppe Du bestimmst mit.

1. Gruppe Il participe.

2. Gruppe Er, sie, es bestimmt mit.

1. Gruppe Nous participons.

2. Gruppe Wir bestimmen mit.

1. Gruppe Vous participez.

2. Gruppe Ihr bestimmt mit.

Alle Sie profitieren!

Alle
Nous sommes, nous sommes tous des rats!
Des rats et nous mordons mordons.
Nous sommes, nous sommes tous des rats, des rats!
Oui soyons réalistes et demandons
tous l’impossible!

Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen – beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist,
Unmöglich ist!

 Final

INHALT

Kurzfassung der Geschichte

Paris im Herbst 1968

PROLOG
Einige Monate nach dem Mai ’68 eskalieren die Auseinandersetzungen zwischen Polizeikräften und Revolutionären. Madeleine, militantes Mitglied einer maoistischen Organisation (la Gauche Prolétarienne), hat bei einem Straßenkampf einen C.R.S. (Polizist der Sicherheitspolizei) erschlagen, um einem Reporter zu helfen.

1. AKT
Auf der Flucht vor den C.R.S. suchen sie und ihre Kameraden Unterschlupf in einer Kirche.
Dort arbeitet Mario – ein junger Photograph – der gerade Aufnahmen der Demonstration gemacht hat. Zusammen mit dem Priester verstecken sie die Flüchtlinge und retten sie so vor den C.R.S., die ebenfalls in die Kirche eingedrungen sind. Mario ist fasziniert von Madeleine und auch Madeleine fühlt sich von Mario angezogen. Er will den Maos helfen und organisiert mit dem Priester ein Versteck für sie.
Die Sängerin Floria, Marios Freundin, erscheint. Sie ist eifersüchtig und macht ihm eine Szene als sie ein Photo von Madeleine sieht. Mario kann sie aber beruhigen und sie verlassen die Kirche. Unter dem Vorwand, etwas erledigen zu müssen, geht Mario zu dem Versteck.
Die Polizei kommt in die Kirche zurück, angeführt von dem gerissenen Inspektor Picard. Er verhört Michi, einen Freund von Mario und Floria, auf brutale Art und Weise. So erfährt Picard, dass Floria einen Auftritt in der Ecole normale superieure hat.

2. AKT
In der Ecole normale superieure feiern Künstler, Philosophen, Artisten, Freaks, Studenten u. a. den Zeitgeist. Bei einer symbolischen Bücherverbrennung gegen die Vereinnahmung der Kultur durch die herrschende politische Macht, findet Picard Floria. Picard weiß Florias Eifersucht geschickt zu nutzen. Er verunsichert sie so sehr, dass sie unbedingt zu Mario will. Picard verfolgt sie.

3. AKT
In ihrem provisorischen Versteck planen die Maoisten eine Vergeltungsaktion gegen Vorarbeiter der Renault-Fabrik in Billancourt. Mario gerät immer mehr in den Bann von Madeleine, und als sie ihm vorschlägt, bei der Aktion dabei zu sein, um sie zu dokumentieren, willigt er ein. Im selben Moment erscheint Floria. Sie hat alles gehört. Nachdem Madeleine gegangen ist, explodiert ihre Eifersucht und ihre Wut gegen Mario. Er begreift allmählich, dass er zu weit gegangen ist, und bittet sie um Verzeihung. Als aber die Polizei das Haus umstellt, erkennen beide, dass Picard Floria eine Falle gestellt hat, um auf Marios Spur zu kommen.
Picard und seine Männer stürzen ins Haus. Sie sind grob und frech zu den beiden jungen Leuten. Picard verfolgt unerbittlich sein Ziel: Er muss die Maoisten finden , die den C.R.S. erschlagen haben.
Er lässt Mario in einem anderen Zimmer von seinem Folterknecht Charron verhören. Erst als Floria die Schreie des gefolterten Mario hört, begreift sie die Absicht von Picard. Aus Liebe zu Mario „singt“ sie und verrät Ort und Uhrzeit der von den Maos geplanten Aktion. Mario begreift nicht warum Floria „gesungen“ hat – er dreht durch und sagt ihr, wie sehr er sie dafür hasst.

4. AKT
Schichtwechsel bei Renault. Vor den Toren der Fabrik verteilen die Maoisten Flugblätter, in Wirklichkeit wollen sie mit einigen Vorarbeitern abrechnen. Die Vorarbeiter sind aber von der Polizei gewarnt worden. Ein Polizist hat sich als Vorarbeiter eingeschlichen. Als Madeleine gerade diesen Vorarbeiter provoziert, schießt er. Sie fällt sofort tot um.

5. AKT
Mario wird erneut festgenommen. Picard verfolgt noch ein weiteres Ziel. Er giert nach Floria, doch sein Versuch, Floria zu erpressen („Entweder Du gibst Dich mir hin, oder Mario bleibt für einige Jahre im Gefängnis!“) scheitert kläglich. Sie beleidigt ihn so sehr, dass er dieses Ziel aufgibt und sie scheinbar freilässt. Er schickt sie zu Mario und beauftragt gleichzeitig Charron damit, Mario zu „befreien“. Auf dem Weg zur Zelle trifft Charron Floria und fängt vor den Augen von Mario an, sich an ihr zu vergreifen. Mario, machtlos hinter dem Gitter, tobt bis Charron von Floria ablässt. Doch Charron ist inzwischen rasend vor Wut. Er stürzt in die Zelle und schlägt brutal auf Mario ein. Floria begreift, dass er Mario töten wird und ersticht Charron mit dem Brieföffner, den sie aus Picards Büro mitgenommen hat. Mario und Floria fliehen durch ein Fenster und springen in einen leeren offenen Polizeiwagen.

EPILOG
Als sie losfahren wollen, geschieht das Entsetzliche … Ein Racheakt der Maoisten an der Polizei … Doch kann das das Ende sein?

PRESSEBERICHTE

Aus den Krefelder Tageszeitungen

Plakate der Musicalproduktionen
der Musikschule der Stadt Krefeld

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 1. Oktober 1996

Polit- und Liebesdrama
Mitreißenden Stunden voller Liebe und Eifersucht, voller Haß und Leidenschaft

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Westdeutsche Zeitung Krefeld, 30. Oktober 2006

Das Publikum war begeistert

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Rheinische Post Krefeld, 30. Oktober 2006

Verlangt, was unmöglich ist

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WEITERE INFORMATIONEN

Das Ansichtsmaterial finden Sie hier: ANSICHTSMATERIAL

Die Kosten für die Aufführungsrechte und für das Aufführungsmaterial erfahren Sie hier: AUFFÜHRUNGSRECHTE & AUFFÜHRUNGSMATERIAL

Die Vorgehensweise für Bestellungen wird hier erläutert: BESTELLUNGEN