Raoul (spricht):
Ich trage dieses Buch -
als Symbol für alles, was ich weiß – alles, was ich gelernt habe -
alles, was ich kenne und erkenne.
Ich trage dieses Buch
als Opfer für alles, was hier schlecht ist, und für alles, was mich unterdrückt.
Ihr habt den kreativen Akt dieses Buchs verraten.
Ihr habt die Wölfe der Spontaneität in Schäfer des Wissens verwandelt!
Unzählige Bücher pflastern diese ehrwürdige Bibliothek
mit Aufrufen zum Aufstand,
doch alles ist hier so gut konserviert im Saft seiner Dauer,
dass man vergisst, es anzusehen und zu verstehen.
Und ihr vernebelt uns mit eurem Tränengas,
und ich weine,
aber nicht wegen eurem Gas.
Ich weine um diese Bücher,
diese wunderbaren Bücher,
die ihr mir geschenkt habt,
die ihr mich aber teuer bezahlen lasst,
weil ihr ihren Inhalt erwürgt, mumifiziert und hinter Glas gestellt habt.
Ich trage dieses Buch, und
ich gebe es dem Feuer.
Ich gebe alle Bücher dem Feuer,
um ihre ursprüngliche spontane Kraft, die euch soviel Angst macht, wiederaufleben zu lassen.
Und zu den schockierten Historikern und Moralaposteln sage ich:
Die Barbarei unserer Revolte, ihre Wildheit, ihre Exzesse,
das alles ist der Impfstoff gegen die kalte Grausamkeit der Ordungskräfte
und gegen die hierarchisierte Unterdrückung.
Ein Student:
Der Tag fängt an,
wir sind noch immer da.
Nein – ihr habt nicht geträumt,
der Kampf fängt gerade an.
Komm lebe, komm lass hinter dir
das Spiel, das dich erdrückt,
die Stricke, die dich halten.
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1. Gruppe: |
2. Gruppe: |
Alle:
Und du, du zögerst immer noch,
was dich zerfrisst, warum hältst du es fest?
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.
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1. Gruppe: |
2. Gruppe: |
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1. Gruppe: |
2. Gruppe: |
3. Gruppe: |
Alle:
Und du du zögerst immer noch,
was dich zerfrisst, warum hältst du es fest?
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Wirf alles weg – und schrei heraus!
Was du willst, was du fühlst.
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1. Gruppe: Der Tag fängt an |
2. Gruppe: Spürt meine |
Picard:
Jetzt, meine Liebe, sind wir allein
(spricht) Nimm doch Platz, setz dich.
Er ist grob, doch er kann hilfreich sein.
Floria (spricht): Wie können Sie sowas zulassen!?!
Picard:
Ganz ruhig, Floria -
es war so schön, dich zu seh’n
in seinen Klau’n, zu seh’n – ah!
Wenn ich auch and’re Methoden hab’,
einer schönen Frau ganz nah zu sein.
Sag mir, wo die Maos sind!
Floria:
Ich weiß nicht, wen ihr damit meint.
Picard:
Jetzt kein Spiel mehr und kein Spaß mehr!
Sag mir, wo das Mädchen ist!
Floria:
Mario und ich, wir war’n allein!
Picard:
Bist du sicher?
Floria:
Ich bin sicher.
Picard:
Na gut! Wenn du es nicht anders willst.
(spricht) Charron, hat er gesprochen?
Charron: Nein, noch nicht.
Picard: Weiter machen, Charron.
Charron: Ja, mit Vergnügen!
Floria:
Was macht ihr in diesem Raum?
Picard:
Das weißt du doch – er wird verhört.
Floria:
Laß mich zu ihm!
Picard:
So wie jetzt sollst du ihn nicht seh’n!
Fest geschnallt – er kann sich nicht wehr’n
Charron steht mit einem Stock vor ihm.
Floria:
Nein, das stimmt nicht!
Nein, Sie lügen!
Picard:
Und wenn dein Freund nicht sprechen will,
lernt er singen, lernt er singen.
Floria:
Ihr seid Schweine – hört jetzt auf!
Picard:
Sagst du mir alles, was du weißt?
Mario (schreit vor Qualen): Haaa … Haaa …
Floria:
Sie soll’n aufhör’n – sag es ihnen.
Picard:
Nur ein Wort – und er ist frei,
und seine Qualen sind vorbei.
Mario:
Floria, sag nichts! (schreit) Haaa …
Bitte sag nichts! (schreit) Haaa …
Floria:
Was soll ich tun, was kann ich tun, oh Gott?
Picard:
Hier hilft kein Gott, nur reden hilft!
(Nach und nach werden vier Chorgruppen auf der Bühne sichtbar. Die Erpresser und die Erpressten, dann die Folterer und anschließend die Gefolterten. Picard singt mit den Erpressern zusammen, Floria mit den Erpressten, Charron mit den Folterern, und Mario mit den Gefolterten)
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Erpresser: |
Erpresste: |
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Erpresser: |
Erpresste: |
Folterer: |
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Erpresser: |
Erpresste: |
Folterer: |
Gefolterte: |
Picard:
Merkst du jetzt, woran du bist?
Dass das kein Spiel für Kinder ist?
Du wirst reden!
Endlich reden!
(zu Charron)
Hört jetzt auf und bringt ihn her.
Die Dame gibt jetzt ein Konzert.
Lass uns hören!
Sing dein Lied!
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Erpresser + Folterer: |
Erpresste + Gefolterete: |
(Mario wird hereingebracht, gestützt von zwei Polizisten – er kann sich nicht allein aufrecht halten. Man sieht deutliche Spuren der Folter. Floria ist so entsetzt, dass sie nur zu Mario hinstarren kann)
Floria (langsam und wie in Trance): Um sieben Uhr werden die Maos eine Demonstration bei Renault in Billancourt durchführen.
Mario (hat trotz seiner Erschöpfung alles mitangehört, er rafft sich zusammen und schaut voller Bitterkeit zu Floria): Wie kannst du… Verräterin! Ich hasse dich! (immer schwächer) Ich hasse dich! Ich hasse …
(Er fällt erschöpft zwischen die beiden Polizisten, die ihn verächtlich auf den Boden fallen lassen. Floria versteckt verschämt ihr Gesicht in ihre Hände. Als sie zu Mario gehen will, hindert sie Picard daran)
Picard:
Du bist da – nah bei mir.
Floria:
Was wollen Sie von mir?
Picard:
Ah!
(etwas aggressiv) Wie sprichst du denn mit mir?
(sanfter) Wie schön du bist!
Ich will nicht streiten.
Ich will nicht schreien.
Siehst du nicht, Floria, was ich wohl will?
Floria:
Ist es nicht genug -
Madeleine ist tot!
Picard (dreht sich plötzlich und spricht heftig):
Nein, lass das!
Kein Wort mehr, kein Wort mehr!
Denk nach!
Dein Freund, dein Freund,
in der Zelle!
Dem kann noch sehr viel mehr passieren!
Floria:
Warum, er hat mit allem nichts zu tun.
Picard:
Nichts zu tun!
Er hat wiederholt
Verbrecher unterstützt!
Floria:
Verbrecher sind das nicht!
Picard:
Genug, ihn ein paar Jahre
im Knast hier einzusperr’n.
Floria:
Das können Sie nicht tun,
der Zufall war es nur!
Picard (wütend):
Wen int’ressiert das schon?
Den Zufall bestimm’ ich!
Madeleine ist jetzt tot,
und Mario sitzt jetzt fest.
Die Macht hier habe ich,
nur du bist hier noch frei!
Spürst du denn jetzt noch nicht,
dass ich dich haben will?
Siehst du denn jetzt noch nicht,
dass ich dich haben muss?
Floria:
Niemals, niemals!
Niemals, niemals!
Nie werde ich …
Niemals kann ich …
Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt tun soll.
Floria:
Sing mir, oh sing mir
das Lied in der Nacht.
Ich liege bei dir,
träume mit dir,
spür’ deine Hand
in meiner Hand. (man sieht Mario allein in der Zelle)
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Floria: |
Mario: |
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Floria: |
Mario: |
Picard: |
Picard (spricht): Nun, deine Antwort
(In Floria ist eine Verwandlung geschehen, sie ist jetzt hart und entschlossen)
Floria (dreht sich zu ihm):
Du willst die Antwort hörn? Stimmts?
Du gierst nach meiner Angst? Stimmts?
Sei nicht enttäuscht.
Ich zittre nicht,
wein keine Träne.
Ich werd’ es tun,
für dich, für dich,
für dich, Mario.
Also nimm mich!
Fünf Minuten Dreck,
kein hoher Preis!
Kannst du so lang?
Die Freiheit ist es wert.
Picard (irritiert):
Was soll der Sinneswandel?
Wie redest du mit mir?
Floria:
Was? Was willst du noch von mir?
Mehr? Willst du noch meine Seele?
Nimm, was du willst!
Beeile dich!
Mario wartet!
Picard (gekränkt und beinah rot vor Wut, versucht er, sich zusammenzureißen):
Ich bin enttäuscht von dir,
enttäuscht von dir, von dir!
Ich geb’ dich auf.
Es sollte anders geh’n,
ganz anders geh’n,
anders geh’n…
Floria:
Was haben Sie jetzt vor?
Picard:
Nichts mehr!
Jetzt gar nichts mehr.
Wart’ hier, bis ich dich hol’.
(Er geht und lässt Floria perplex zurück. Sie ist unruhig – sie weiß nicht, was sie von Picard halten soll. Als sie an seinen Schreibtisch geht, sieht sie einen Brieföffner – wie ein langes Messer – es ist auch scharf, sie lässt es durch ihre Finger gleiten. Ohne zu überlegen, nimmt sie es an sich und versteckt es bei sich. Picard kommt zurück, er hat einen Umschlag in der Hand)
Picard:
Unser Spiel ist aus.
Geh jetzt zu Mario – du bist frei.
Gleich kommt einer zu euch,
ein Schutzengel vielleicht,
der lässt ihn dann heraus,
und ihr könnt geh’n.
Floria (versteht nicht):
Was reden Sie da?
Was denn für ein Engel?
(realisiert plötzlich)
Wer lässt uns frei?
Sind wir dann wirklich frei?
Mario und ich?
Picard(hart und wie aus einer anderen Welt):
Ja. Ihr seid jetzt frei!
Mein Spiel mit euch ist aus.
(Er schiebt ihr einen Plastikumschlag mit ihren persönlichen Sachen zu)
Hier, nimm deine Sachen zurück.
Alles ist erledigt.
Du kannst jetzt geh’n.
Michi:
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!
Alle:
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!
Ce n’est qu’un début
continuons le combat!
Et sous les pavés la plage!
Unterm Asphalt liegt der Strand!
C’est interdit d’interdire.
Verbieten, verboten!
Le pouvoir est dans la rue.
Die Macht ist auf der Straße!
Abolissons la tristesse
Schaffen wir die Traurigkeit ab!
Faites l’amour pas la guerre
Make love not war
L’ imagina-ation au pouvoir
Die Phantasie an die Macht
Und vor allem vergesst nie
haltet eure Wünsche
für die Realität
Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen, beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist.
(sprechen)
1. Sprecher: Oh, liebe Herren der Politik, hinter euren glasigen Blicken schützt ihr eine Welt auf dem Weg zur Vernichtung. Schreit, schreit, man wird nie genug erfahren, dass ihr kastriert worden seid.
2. Sprecher: Die allerschönste Skulptur, das ist der Pflasterstein. Der schwere kritische Pflasterstein.
Der Pflasterstein, den ihr den Bullen in die Fresse werft.
3. Sprecher: Die Menschheit wird erst an dem Tag wirklich glücklich sein, an dem der letzte Bürokrat mit den Eingeweiden des letzten Kapitalisten aufgehängt wird.
Alle:
Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen – beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist.
Je participe.
Ich bestimme mit.
Tu participes.
Du bestimmst mit.
Il participe.
Er, sie, es bestimmt mit.
Nous participons.
Wir bestimmen mit.
Vous participez.
Ihr bestimmt mit.
Sie profitieren!
Nous sommes, nous sommes tous des rats!
Des rats et nous mordons mordons.
Nous sommes, nous sommes tous des rats, des rats!
Oui soyons réalistes et demandons
tous l’impossible!
Wir sind Ratten allesamt,
Ratten, und wir beißen – beißen.
Wir sind Ratten groß und klein, Ratten.
Seid realistisch und verlangt nur, was
unmöglich ist,
Unmöglich ist!