© 2004
Buch, Musik, Liedtexte: Phan Trat Quan
Deutsche Liedtexte: Phan Trat Quan & Tom Heilandt
Aufführungsdauer: 85 Minuten
Altersgruppe: Kinder ab 7 Jahren und Jugendliche
Anzahl der Musiknummer: 15 ( 1- bis 3-stimmig)
15 Szenen
5 Bühnenbilder
9 Hauptrollen
Gruppen: Die Toms, die Pams, die Vögel, die Wellen, Wolken
Uraufgeführt am 09. Oktober 2004 in der Musikschule der Stadt Krefeld
Das Jugend- und Kindermusical „Tom und der Vogel des Glücks“ ist ein fantasievolles und träumerisches Theaterstück für Kinder von 7 bis 14 Jahren und basiert auf einem Märchen, das Phan Trat Quan in jungen Jahren für seine damals neunjährige Schwester schrieb.
Die Geschichte um einen kleinen Jungen, der in einem Fantasiewald nach einem Freund sucht, bietet 9 Hauptrollen und viele Szenen für ein großes Ensemble.
BEGEGNUNG
Es war einmal ein kleiner Junge. Sein Name war Tom.
Er hieß Tom, weil sein Papa hieß Tom, sein Großvater hieß Tom und jeder in der Familie, der sich Tom nennen konnte.
Die anderen nannte man Pam.
So hieß also seine Mama Pam, seine Großmama, seine Schwester und alle, die nicht Tom hießen.
Aber unser Tom war kein Tom wie alle anderen. Vor allem mochte er keine Spinatsuppe.
Spinatsuppe war zwar das Leckerste für die ganze Familie, aber er mochte Spinat überhaupt nicht,
was ihm einige übrigens ganz übel nahmen, vor allem die Pams, die für das Kochen zuständig waren.
Aber, dass er Spinat nicht mochte, war nicht ohne Grund.
Es war, weil er eines Tages in der Nähe des großen Waldes spazierte, nicht weit vom Dorf der Toms und der Pams.
Den Kopf nach oben schaute er in den Himmel.
Er sah die Vögel und die schönen Muster, die die Wolken am Himmel bildeten.
Sie sahen aus wie kleine Stücke gekräuselte Wolle, die hinter einander her rennen.
Tom dachte wirklich, dass diese kleinen Stücke gekräuselte Wolle Versteck spielen würden.
Er schaute, wie sie rannten, sich küssten und wie sie alle übereinander sprangen wie beim Bockspringen
und wie sie lachten und schrieen.
Er wollte gern mit ihnen lachen und schreien und er streckte schon seine Arme, um sie zu rufen,
als er plötzlich laute Schreie direkt an seinen Füßen hörte.
„Ouille, ouille, ouille! Tausend Nacktschnecken und Blumenkohl!
Kannst du nicht gucken, wohin du läufst, hey du Plattfuß von Tom?“
Tom sprang auf, er hatte noch nie eine solche Stimme gehört.
Er dachte, dass es es einer Gemüse-Stimme ziemlich ähnelte.
Er hatte zwar noch nie gehört, dass ein Gemüse sprechen konnte.
Aber irgendwie fand er, dass nur ein Gemüse so eine Stimme haben könne.
Was ihn aber am meisten erstaunte war, dass er von der Stimme Tom gerufen wurde und sogar Plattfuß von Tom.
„Ich!?! Plattfuß von Tom" Plattfuß? Naja, meinetwegen, aber woher kennt dieses Ding meinen Namen?“
Tom wunderte sich sehr.
Es stimmt zwar, dass die Hälfte der Leute hier sich Tom nannten aber Tom dachte nicht daran,
weil für ihn war er Tom, obwohl alle anderen auch Tom hießen.
Sehr überrascht und fast verwundert begann Tom zu gucken, woher die Schreie kamen
und sah einen ganz grünen Spinat, der sich schmerzverzerrt die halb kaputten Blätter rieb.
Tom erkannte plötzlich, dass er aus Versehen auf den armen Spinat getreten hatte.
An diesem Tag erfuhr Tom sehr sehr vieles.
Zuerst erfuhr Tom, dass der Spinat ein reisender Spinat war und dass sogar Amadou, Toms Freund,
ein sehr weiser alter Mann, den Spinat schon lange kannte.
Sehr überrascht war er, als Amadou und der Spinat ihm erzählten,
dass der Spinat sich absichtlich zwischen seine Füße gestellt hatte.
Es war, um Tom zu erschrecken und ihm beizubringen, nicht immer mit den Augen in den Himmel zu träumen.
Er sollte auch mal nach unten und neben sich schauen.
Dann begannen sie, ihm zu erzählen, wie man mit den Vögeln sprechen und wie man ihr Freund werden kann.
Vor allem rieten sie Tom, sehr geduldig zu sein und zu versuchen, den Vögeln zu gefallen.
Er sollte für sie auf seiner Gitarre spielen.
Er sollte nur einen Vogel aussuchen und dessen Freund werden und sich zunächst
nicht um die anderen kümmern und dann … und dann …
Seit diesem Tag wollte Tom keinen Spinat mehr essen.
Er befürchtete immer, einen reisenden Spinat, den ein ignoranter Gärtner einfach abgeschnitten hatte,
in seinem Teller zu haben!
Also traute er sich nicht mehr, nur ein einziges Blatt Spinat zu essen.
Das brachte den Spinat zwar sehr zum Lachen, aber zu Hause war es dann nicht immer lustig an den Spinat-Tagen!
AM UFER DES WEIßEN SEES
Nach der Begegnung mit dem Spinat ging Tom oft zum Ufer des weißen Sees,
wo er eines Tages einen kleinen roten Vogel mit grünen Augen sah.
So einen Vogel hatte er nie zuvor gesehen.
Tom hatte zwar versucht Amadou den Vogel zu beschreiben, aber jedes Mal lächelte Amadou und sagte,
er würde diese Art Vogel gar nicht kennen.
Überhaupt hatte Tom diesen Vogel nur einmal gesehen, und sofort hatte er ihn gemocht.
Er blieb, um ihn anzuschauen bis der Vogel geräuschlos wegflog.
Fast jeden Tag ging Tom nun mit seiner Gitarre zum weißen See, genau dort hin,
wo er einmal den kleinen roten Vogel mit den grünen Augen gesehen hatte.
Er wartete, spielte Gitarre und hoffte mit seinem ganzen Herzen, den kleinen Vogel wiederzusehen.
Er sang mit seiner Gitarre und er sah viele Vögel aber nie den kleinen roten Vogel.
Dies dauerte Tage und Wochen, Tom sang und hoffte, jeden Tag ging er wieder nach Hause,
jeden Tag etwas trauriger.
Eines Abends nach vielen Tagen, nach vielen Wochen, ohne je den kleinen Vogel gesehen zu haben,
war er am Seeufer geblieben.
Es war spät, ihm war kalt und seine kleinen Finger waren ganz gefroren und ganz müde,
weil er so lang Gitarre gespielt hatte.
Tom begann zu weinen, wie er noch nie in seinem Leben geweint hatte.
Er fühlte sich ganz traurig und verlassen, und er glaubte, er würde den kleinen Vogel nie wieder sehen.
Er wusste nicht mehr, was er tun konnte.
Der Mond, ganz rund, leuchtete weiß auf dem armen verzweifelten Tom.
Alles war ruhig, nur das leise Schluchzen von Tom war zu hören.
Er hob seinen Kopf, rieb sich die Augen und sah im Licht des Mondscheins einen kleinen Vogel, der weg flog.
Der Mondschein blendete Tom, er konnte nur die Form des Vogels erahnen.
Für einen Moment schien der Vogel aufzuhören zu fliegen.
Er drehte sich in der Luft um und Tom sah zwei kleine grüne Augen, die schnell verschwanden,
während der kleine Vogel nur noch ein schwarzer Punkt im Himmel weit weg war.
Da schlug das Herz von Tom ganz stark vor Freude, weil er seinen Freund erkannt hatte.
Auf einmal verschwand seine ganze Traurigkeit.
Er fühlte sich glücklich und begann zu springen und zu tanzen.
Aber alles war so ruhig, so leuchtend und beruhigend, dass er sich wieder hinsetzte,
den See anschaute, dann den Mond, dann den See, dann den Mond, dann schlief er ein.
Es war ihm nicht mehr kalt.