SI TU DANSES ist ein Ruf nach dem Leben, nach Toleranz,
nach Liebe, nach Freiheit für Körper und Geist.

Si tu danses © 1999

Musical für Jugendliche
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte: Tom Heilandt
Zitate von Raoul Vaneigem und Julian Beck

Aufführungsdauer: 120 Minuten
Ausführende: Jugendliche und Erwachsenen
Anzahl der Musiknummern: 18 (1- bis 4-stimmig)
Prolog, 6 Akte (16 Szenen), Epilog, 7 Bühnenbilder
Über 20 Rollen / eine revolutionäre Theatertruppe / Manager / Mona (Assistentin des Managers) / Bürgermeister / Fanfan ein Junge der ausgerissen ist / Poeten / Publikum / Polizisten u.a.

Uraufgeführt am 22. Januar 2000 in der Musikschule der Stadt Krefeld

ZUM STÜCK

SI TU DANSES ist die Geschichte einer engagierten, unkonventionellen und revolutionären Theatertruppe, die in Konflikt mit den Drahtziehern eines Kulturfestivals gerät.
SI TU DANSES zeigt den kompromisslosen, ehrlichen, aufregenden und gefährlichen Weg,
den ein außergewöhnlicher Künstler mit seiner Truppe geht.
SI TU DANSES ist der Tanz der Partisanen des maßlosen Lebens, der Guerilleros des Genusses,
der Poeten der Autonomie.

MUSIK & LIEDTEXTE

Text, Player, Download, Video

1. Si tu danses 1

Instrumental

 Si tu danses 1
2. Was ich bin

WAS ICH BIN

Don
Wer darf mir sagen, was ich darf, was nicht?
Wer hat die Regeln gemacht?
Die Sonne schickt doch ganz umsonst ihr Licht.
Muss ich bezahl’n um zu lieben?
Hat jedes Glück seinen Preis?

Mary
Sag mir, was kostet nur ein Kuss von dir?
Ist der für mich nicht umsonst?
Ich geb dir alles und noch mehr von mir
und treff’ dich jenseits von Regeln.
Brauch’ keine Ordnung,
nur meine Freiheit!

Allan
Ich bin das Kind in mir,
das keine Grenzen kennt,
das völlig unbeschwert
durch alle Wände rennt.

Kim
Ich bin euch unbequem,
so wie ihr mich nicht wollt.
Ich tanze nackt am Strand,
auch wenn der Donner grollt.

Allan
Nenn mich destruktiv.

Kim
Oder subversiv.

Allan + Kim
Doch mit dir bin ich kreativ.

Alle
Deine Haut an meiner Haut!
Lieb mich, bis der Morgen graut!
Lass mich Sterne seh’n,
in dir untergeh’n!
Nur das Leben selbst
ist mein Liebesspiel.
Ich bin frei von dir.
Du bist frei von mir.

Keine Grenzen mehr.
Keine Normen mehr.
Fang mich ein, doch das ist sehr schwer.

Pablo
Ich bin die Nachtigall,
die nie die Lerche hört.
Ich bin ein Liebender,
der keine Liebe schwört.

Alle
Deine Haut an meiner Haut!
Lieb mich, bis der Morgen graut!
Lass mich Sterne seh’n,
in dir untergeh’n!
Nur das Leben selbst
ist mein Liebesspiel.
Ich bin frei von dir.
Du bist frei von mir.

Ich bin der Ozean,
ich mache Stein zu Sand.
Ich bin ein Suchender,
der nur die Suche fand.

Bin der Ozean
und die Nachtigall
und ein Suchender
und ein Liebender,
ich bin ich.

 Was ich bin
3. Was ist Kunst?

WAS IST KUNST?

Manager
Was ist Kunst?
Was Kultur?
Ganz egal, für mich zählt
nur, was sich verkauft,
gut verkauft!

Bürgermeister
Was ist Kunst? Egal!
Was Kultur? Egal!
Das, was zählt, das ist Ordnung!

Menschen
Hebt den Vorhang!
Lasst uns träumen
und vergessen!

Manager
Schlechte Presse, voller Saal!
Ich pfeif auf den Inhalt,
die Moral! Am besten doch verkauft sich ein Skandal.

Manager
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein,
was immer es auch ist!
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein!
Beklatscht den letzten Mist!

Bürgermeister
Primitiv
sei Kultur!
Zuviel denken
schadet nur!
Positiv
muss es sein.
Illusionen,
schöner Schein!

Menschen
Wir
woll’n der
grauen
Welt
entflieh’n!
Einmal
nur keine
Disziplin!

Manager
Moralist,
schrei Skandal!
Doch im stillen
Kämmerlein
ziehst du dir auch
Pornos rein.

Si tu danses
Du kannst alles,
alles,
kannst alles.
Ja, du kannst alles,
weil du
nichts musst.

Si tu danses
Glaub nicht an Arbeit!
Glaub nicht an Reichtum!
Glaub nicht an ihre
Ordnung!

Bürgermeister
Was ist Kunst? Egal!
Was Kultur? Egal!
Das was zählt,
das ist Ordnung!

Menschen
Hebt den Vorhang!
Lasst uns
träumen
und vergessen!

Manager
Blut und Tränen,
nackte Haut,
Gewalt, Perversionen,
das muss sein!
Denn auch ein Moralist
ist nur ein Schwein!

Si tu danses
Komm raus zum Spielen!
Komm raus zum Träumen!
Komm raus zum Denken!
Komm raus zum Leben!
Komm raus zum Lieben!
Du bist nicht zu alt.

Manager
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein,
was immer das Programm!
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein!
Wälzt euch in
Schleim und Schlamm!

Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein,
was immer es auch ist!
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein!
Beklatscht
den letzten Mist.

Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein,
was immer das Programm!
Kommt alle!
Kommt alle!
Kommt herein!
Wälzt euch in
Schleim und Schlamm!

Bürgermeister
Zeig dem Volk,
was gefällt!
Brot und Spiele
nur für Geld!
Alles, nur
kein Skandal!
Wir sind
Hüter
der Moral!

Primitiv
sei Kultur!
Zuviel denken
schadet nur!
Positiv
muss es sein!
Illusionen,
schöner
Schein!

Zeig dem Volk,
was gefällt!
Brot und Spiele
nur für Geld!
Alles, nur
kein Skandal!
Wir sind Hüter
der Moral!

Menschen
Arbeit
und
Ordnung
Tag
und Nacht!
Zeigt uns
die Freiheit!
Wie
man lacht!

Wir
woll’n
der grauen
Welt
entflieh’n!
Einmal
nur
keine
Disziplin!

Arbeit
und Ordnung
Tag
und Nacht!
Zeigt uns
die Freiheit!
Wie
man lacht!

 Was ist Kunst?
5. Hiverdure

Instrumental

 Hiverdure
6. So viel mehr

SO VIEL MEHR

Mona
Die Welt ist mehr, ist so viel mehr
als leben in den Tag.
Ich weiß genau, was ich nicht will,
doch tu’, was ich nicht mag.
Hab’ ich vergessen, wer ich bin?

In mir ist mehr, ist so viel mehr,
warum halt ich die Kraft in mir zurück?
Hab’ ich denn soviel Angst vor meinem Glück?
Warum lauf’ ich nicht davon?

Der Tag ist lang, soviel zu tun,
zum Denken keine Zeit.
Und immer dann, wenn ich es brauch’,
fehlt mir die Kraft zum Streit,
die Kraft zu sagen, was ich denk’.

Doch da ist mehr, ist so viel mehr,
ich habe eine neue Welt geseh’n.
Ich will noch so viel spür’n und mehr versteh’n.
Ich weiß, etwas wird gescheh’n.
Es ist Zeit zu geh’n.

Der dunkle Vorhang wird sich heben
und zeigt mir neuen Raum zum Leben.
Ein Sturm in mir erwacht, ein Feuer ist entfacht.
ich fühle, wer ich bin, und glaub’, ich weiß wohin:

in die andere Welt, die Freiheit verschenkt,
wo ich einfach sag’: „Ich lebe!“,
wo ich anders sein darf, als alle mich woll’n,
wo ich einfach sag’: „Ich bin!“

Da will ich hin! Kein Kompromiss
und keinen Blick zurück!
Wenn ich verbrenn’, dann soll es sein,
solang’ ich brenn’ vor Glück,
solang’ mein Licht die Welt erhellt.

Was hält mich noch? Doch nur ich selbst!
Denn alles, was ich war, gibt es nicht mehr.
Warum fällt mir Veränderung so schwer?
Ich weiß, etwas muss gescheh’n,
also lass mich geh’n!

Der dunkle Vorhang wird sich heben
und zeigt mir neuen Raum zum Leben.
Ein Sturm in mir erwacht, ein Feuer ist entfacht.
Ich fühle, wer ich bin, und glaub’, ich weiß wohin:

in die andere Welt, die Freiheit verschenkt,
wo ich einfach sag’: „Ich lebe!“,
wo ich anders sein darf, als alle mich woll’n,
wo ich einfach sag’: „Ich bin!“,

in die andere Welt, die Freiheit verschenkt,
wo ich einfach sag’: „Ich lebe!“,
wo ich anders sein darf, als alle mich woll’n,
wo ich einfach sag’: „Ich bin!“
Da will ich hin!

 So viel mehr
7. Recherche

Instrumental

 Recherche
8. Celebration

CELEBRATION

Alle
Nur was ich will, nicht was ich muss!
Revolution in meiner Lust!
Lust ist, was ich täglich brauch’!
Lust hier im Kopf und da im Bauch!

Keiner kennt die Lust, die in mir spielt.
Leben auf dem Weg und nie am Ziel.
Lust verführt mich ich zu sein.
Lust mit euch, mit mir allein!
Anders sein, anders sein, anders sein.
Jeden Tag kann ich die Welt neu berühr’n
mit meiner Hand, mit meinem Herz
und Neues spür’n.

Anders sein!
Die Welt muss anders sein!
Die Welt darf anders sein!
Die Welt wird anders sein,
wenn ich sie anders träum’,
wenn ich sie anders will,
wenn ich sie anders denk’
und anders mach’!

Das, was ich bin, das darf ich sein!
Das, was ich darf, sag ich allein!
Alles kann und gar nichts muss!
Sei kreativ in deiner Lust!

Lust ist nicht nur das, an was ihr denkt.
Lust ist, was uns treibt, nicht was uns lenkt.
Treib mit uns in deiner Lust!
Sei bewusst ganz unbewusst!
Lass dich geh’n!
Lass mich geh’n!
Lass uns geh’n!
Denn das Leben spielt mit uns, ohne uns, so wie es will.
Nur ohne Macht sind wir die Macht!

Anders sein!
Die Welt muss anders sein!
Die Welt darf anders sein!
Die Welt wird anders sein,
wenn ich sie anders träum’,
wenn ich sie anders will,
wenn ich sie anders denk’
und anders mach’!

Moon
Du und ich, sie und wir.
Wer hat Liebe geseh’n?
Wer kann sie versteh’n?

Moon + Don
Du und ich, sie und wir.
Zeit fließt in meine Hand.
Raum schwindet zu Sand.

1. Stimme
Und nichts,
was uns trennt,
kein Ziel, das uns sucht,
nicht Zeit, die uns kennt,
kein Spiel unversucht.

1. Stimme
Kein Anfang vergeht,
kein Ende beginnt,
wenn Zeit einfach steht
und Sand nicht verrinnt.

2.Stimme
Nie
so gefühlt,
so gesehnt,
so gelebt!

1. Stimme
Nur treiben im Fluss,
nur schweben im Raum,
ein Akt ohne Schluss,
ein endloser Traum!

2. Stimme
Explodiert,
ohne Ziel,
im Moment, so wie nie!
Mit dir sein!

3. Stimme
Du und ich, sie und wir, ihr und wir.
Nichts vergeht, nichts beginnt,nichts verrinnt.
Nicht getrennt, nicht gesucht, nicht gekannt.
Zeit steht still, wie im Traum, Raum ist Sand.

1. Stimme
Was war,
das verbrennt.
Und wir
sind vereint
in diesem
Moment.
Mit dir
anders sein!

Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir
anders sein!
Mit dir
anders sein!

Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!

2. Stimme
Nie
gelacht!
Nie
geweint!
Nie
gewagt!
Nie
geliebt!

Endlos groß!
Endlos klein!
Endlos
neu!
Anders
sein!

Anders sein!
Anders sein!
Anders sein!
Anders sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!

3. Stimme
Nie gefühlt, nie gesehnt,
nie gelebt!
Explodiert, ohne Ziel,
so wie nie!
Nie gelacht, nie geweint,
nie gewagt!
Endlos groß, endlos klein,
endlos neu!

Nichts muss sein,
alles darf, alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!
Wir sind wir! Was gefällt, ist erlaubt!
Anders sein, anders sein, Anders sein!

Anders sein, anders sein,
anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!
Anders sein, anders sein, anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

4. Stimme
Nichts muss mehr sein,
alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!
Nichts muss mehr sein,
alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!

Alles erlaubt, was gefällt!
Wir sind wir, wir sind wir,
wir sind wir!
Alles erlaubt, was gefällt!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

Ganz anders sein!
Anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!
Ganz anders sein!
Anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

 Celebration
9. Les marchands de chagrin

LES MARCHANDS DE CHAGRIN

Manager
Er ist nichts, der Kerl, ohne mich!
Si tu danses, sind nichts ohne mich!
Vorhang zu! Lichter aus!
La fin!
Kinder geht nach Haus! Die Show ist aus!
La fin!
Doch wenn sie zu ihm will, die Kuh, soll sie geh’n!
Sie ist nichts,
nur ihr Gesicht ist schön und ihr Arsch
und ich mach sie fertig.
La fin!
Ihr,
ihr tanzt nicht mehr!

Chor
Schund!
Schimpft sich Kunstwerk ohne Grund.
Dreck! Völlig schamlos! Ungesund!
Solchen Schmarotzern schiebt man
noch uns’re Steuern in den Arsch.
Mist! Völlig gottlos! Primitiv!
Blasphemie! Onanie! Sodomie!
Wer sagt, so was ist Kunst?

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund, der gehört verbrannt!
Das rettet die Kultur!

.
Schund!
Schimpft sich Kunstwerk ohne Grund.
Dreck! Völlig schamlos! Ungesund!
Solchen Schmarotzern schiebt man
noch uns’re Steuern in den Arsch.
Mist! Völlig gottlos! Primitiv!
Blasphemie! Onanie! Sodomie!
Wer sagt, so was ist Kunst?

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund, der gehört verbrannt!
Das rettet die Kultur!

.
Schund!
Schimpft sich Kunstwerk ohne Grund.
Dreck! Völlig schamlos! Ungesund!
Solchen Schmarotzern schiebt man
noch uns’re Steuern in den Arsch.
Mist! Völlig gottlos! Primitiv!
Blasphemie! Onanie! Sodomie!
Wer sagt, so was ist Kunst?

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund, der gehört verbrannt!
Das rettet die Kultur!

Politiker
Ich bin empört!
Das ist unerhört!
Für die Kultur
brauchen wir Zensur!
Frei sein
heißt
Freiheit
mit Maß!

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund, der gehört
verbrannt!

Banker
Geld macht man, wie jeder weiß,
in Kultur mit irgend’nem Scheiß!
Wer Geld investiert
in Kunst, dem ist das egal.
Wenn der Wert steigt, na gut,
zum Teufel mit Moral! Kapital!
Markt ist gerecht!
Markt reguliert!

Was sich verkauft ist Kunst!
Der Rest ist Schund! Das ist doch ganz banal!
Wer braucht denn da Moral?

Moralist
Habt ihr’s gehört? Pervers!
Die sind alle schwul oder lesbisch!
Die Jungs tragen Röcke!
Hört euch ihr Theater an!
Nur Geschrei! Worte voller Schande!
Ich schreib einen Brief, anonym,
an die Welt, der erhellt, was die sind!
Ich sag: „Die sind Dreck!“

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund,
der gehört verbrannt!

Alle
Schund!
Schimpft sich Kunstwerk ohne Grund!
Dreck! Völlig schamlos! Ungesund!
Solchen Schmarotzern schiebt man
noch uns’re Steuern in den Arsch.
Mist! Völlig gottlos! Primitiv!
Blasphemie! Onanie! Sodomie!
Wer sagt so was ist Kunst?

Schützt die Kinder vor Perversion!
Der Schund, der gehört verbrannt,
das rettet die Kultur!

 Les marchands de chagrin
10. Avignon

AVIGNON

Poet 1
Avignon, du schönes Avignon,
du warst ja immer schon so liberal.
Jedesmal, wenn jemand Freiheit schreit,
mein liebes Avignon, hast du die Wahl.

Wer wird gesegnet und wer wird verbrannt?
Wer nicht konform ist, wird Sünder genannt!

Avignon, wo ist Veränderung?
Kannst du nicht mutig sein und tolerant?

Avignon, Hexenjagd, Zensur!
Avignon, Festival, Kultur!

Abnormal, unnormal, sakral!
Irreal, surreal, Skandal
beim Festival!
Skandal, Skandal, Skandal!

Avignon, du großes Avignon,
wär’ nur dein Herz so groß wie dein Palast!
Avignon, du stolzes Avignon,
wer wird geliebt von dir und wer gehasst?

Kalt der Mistral weht und Papst folgt auf Papst.
Lass mir die Freiheit, die einst du mir gabst.

Lass mich nur auf deine Brücke geh’n.
Ich tanze so für dich wie im Chanson.
Wenn du mir auch meine Hand verbrennst,
ich komm zurück zu dir, mein Avignon!

 Avignon
11. Eine Feder

EINE FEDER

Poet 2
Federleicht, frei im Raum!
Eine Feder fliegt.
Woher sie kommt?
Hab nicht gefragt.
Sie ist so schnell wie der Wind
und sie führt mir meine Hand so zärtlich.
Ich hör’ nicht mehr auf.

Weich und zart, tief im Herz!
Eine Feder fliegt.
Sie weiß genau,
woran ich denk’.
Sie tanzt für dich und für mich,
sie legt dir meine Hand in deine.
Ich hör nicht mehr auf.

So zart und zerbrechlich ihre Haare,
und sie glänzen wie der Himmel,
der noch schläft und sich hebt
nur für dich und für mich.
Federleicht,
sie schwebt im Raum,
sie hält nicht an,
und meine Hand folgt ihr blind.
Sie schreibt von deinem Haar,
uns’rer Liebe.
Ich hör nicht mehr auf.

 Eine Feder
12. Festival

FESTIVAL

1. Zuschauer
Wie lang soll’n wir noch steh’n?
Wir woll’n jetzt Karten seh’n!
„Si tu danses“ steht im Programm gedruckt!
So war’s gebucht!

2. Zuschauer
Für Kultur sind wir hier.
What to do, oh my dear?!
Das zerstört unser Programm komplett!
Was für ein Fluch!

3. Zuschauer
Die soll’n affengeil sein.
Da will ich dabei sein.
Ich glaub’, die sind alle schwul.

4. Zuschauer
Die sind antichristlich,
völlig unerbittlich!
Ganz egal, ich find’ sie cool,
wirklich cool,
supercool!

Alle
Si tu danses wollen wir,
darum sind wir doch hier.
Si tu danses! Keinen Ersatz woll’n wir!
Keinen Ersatz!

Si tu danses oder nichts!
Das ist jetzt eure Pflicht!
Si tu danses! Keinen Ersatz woll’n wir!
Keinen Ersatz!

Das sind Radikale,
Wilde und Schakale,
wo die spiel’n, da gibt’s Krawall!

Die sind wie das Leben,
werden alles geben,
finden Liebe überall,
überall, überall.

Fanfan
Si tu danses spiel’n hier nicht! Da könnt ihr lange warten!
Hört auf mich, kauft hier nichts, vor allem keine Karten!
Nur Ersatz kriegt ihr hier vom hohen Herrn und Meister.
Sein Programm liegt im Schutt, nur noch Papier und Kleister!

Leute
Quelle horreur! We’re not amused! Schockiert!
Wer ist schuld? Der wird von uns skalpiert!

Fanfan
Si tu danses sind nicht schuld. Die würden gerne spielen!
Doch das passt manchen nicht. Die haben and’re Ziele!
Wer von euch Karten hat, lässt sich das Geld jetzt geben!
Si tu danses könnt ihr noch vielleicht umsonst erleben!

Leute
Geld zurück! Mein Geld zurück! Sofort!
Geld zurück! Wenn ihr nicht spurt, droht Mord!

Manager
Was ist hier los?
Was soll der Lärm?
Warum seid ihr so echauffiert?

Ein Mann
Geh aus dem Weg!
Wer bist denn du?
Ich will mein Geld zurück,
hast du’s kapiert?

Leute
Sein Geld zurück, hast du’s kapiert?

Manager
Das geht nicht mehr, das steht hier schwarz auf weiß gedruckt.

Mann
Ich glaub’, ich spinn’!
So ein Betrug!
Dafür komm ich nach Avignon!

Kunst und Kultur
stand im Programm.
Ich fahre lieber wieder nach Heilbronn!

Leute
Fahr lieber wieder nach Heilbronn!
Denn da ist alles gut und schön und still, so still.

Fanfan
Hört mal zu, ihr Leute! Regt euch nicht so auf!
Hört nicht auf den Alten, der ist nicht gut drauf!
Si tu danses, die spielen. Kommt und seid dabei!
Draußen auf der Straße!
Spielen völlig frei, ganz frei!

Manager
Sag, mein kleiner Kerl, wer bist denn du?
Brauchst wohl etwas Prügel ab und zu?
Red ein bisschen weiter,
irgendwann komme ich zu dir und dann…

Manager
Hört nicht, was er redet, dieser Wicht!
Si tu danses, die lassen euch im Stich!
Ich verspreche euch, es gibt Ersatz!
Lasst mich durch da, macht mir Platz!
Macht Platz! Macht Platz! Macht Platz!

Fanfan
Lass mich in Ruhe,
alter Verräter!
Dir glaubt doch keiner.
Wer ist so dumm?

 Festival
13. Si tu danses 2

SI TU DANSES 2

Julian
Menschen geh’n vorbei. Ich seh in ihren Augen,
dass sie mich nicht seh’n. Die Blicke sind verloren.
Lebt ihr noch? Seid ihr schon tot in eurem Leben?
Merkt ihr nicht, warum ich schrei und anders bin und provozier’?
Ist da kein Funke mehr in euch, der lebt?

Hat es einen Sinn die andern zu gefährden
ohne Kompromiss? Kann ich die Menschen ändern?
Ich allein, ich bin doch nichts, kann nichts erreichen.
All die Zeit, sie ist verlor’n!
Warum will ich, was doch nicht geht?
Ich sollte leben irgendwo, allein.

Ich tanze, tanze alleine,
und wer mir zusieht, sieht das Leben,
sieht die Funken sprüh’n.
Vielleicht zünd’ ich einen an,
der brennt und lebt dann lichterloh,
erhellt die Nacht.
Komm mit mir!
Zwei Sterne brechen aus und tanzen!

Tanzen, das Leben neu erfinden!
Und was dein schönster Traum ist,
wird wahr,
wenn du ihn wagst und tanzt.
Wer Angst hat, der kann nicht mehr tanzen.
Ich kann und muss alles geben!
Ich gebe nicht auf!

Julian
Ich tanze,
tanze für alle.
Und ich kann alles
mit euch teilen.
Seht die Funken sprüh’n.
Vielleicht zünden wir die Welt,
die brennt und lebt dann lichterloh.
Vertreibt die Nacht!
Kommt mit mir!
Die Sterne brechen aus
und tanzen!
.
Tanzen, das Leben neu erfinden!
Und was dein schönster Traum ist ,
wird wahr,
wenn du ihn wagst und tanzt.
Wer Angst hat,
der kann nicht mehr tanzen.
Ich kann und muss alles geben!
Ich gebe nicht auf!
Denn nur wenn du tanzt,
gibt es Raum für Magie!
Denn nur wenn du tanzt,
hat dein Leben ein Ziel!

Fanfan + Leute
Wenn der Tanz beginnt,
wenn der Tanz beginnt…
und die Welt beginnt, und die Welt beginnt …
und der Klang beginnt, und der Klang beginnt…
Du bist nicht allein, du bist nicht allein!
Wir sind nicht allein, wir sind nicht allein!
Ihr seid nicht allein, ihr seid nicht allein!
Keiner ist allein, keiner ist allein!
Und die Hoffnung bleibt,
und die Hoffnung bleibt,
und die Erde bebt, und die Erde bebt,
und die Liebe lebt, und die Liebe lebt,
und das Leben liebt, und das Leben liebt,
und die Frage bleibt, und die Frage bleibt,
und die Antwort bleibt, und die Antwort bleibt!
Wenn der Tanz beginnt,
wenn der Tanz beginnt…
Du bist nicht allein, du bist nicht allein!
Wir sind nicht allein, wir sind nicht allein!
Ihr seid nicht allein, ihr seid nicht allein!
Wer tanzt, lebt sein Leben neu.
Wer tanzt, lebt sein Leben neu.
Wer tanzt, der lebt mit Magie.
Wer tanzt, der lebt mit Magie.

 Si tu danses 2
15. Verhaftung

VERHAFTUNG

Polizei
Das Spiel ist aus! Polizei!
Die Show vorbei! Polizei!
Ihr spielt umsonst! Illegal!
Ihr kommt jetzt mit! Keine Wahl!

Polizei
Das Spiel ist aus! Polizei!
Die Show vorbei! Polizei!
Ihr spielt umsonst! Illegal!
Ihr kommt jetzt mit! Keine Wahl!

Julian
Bleibt jetzt alle ruhig!
Keine Aggression!
Geht an euren Platz
und erinnert euch:

Julian
Immer hast du das Recht auf deinen Anwalt. Besteh darauf!
Sage, bevor man dich legal verhaftet, nur Folgendes.
Sag, wie du heißt, Adresse, wohin du willst.
Niemand darf dich durchsuchen, dein Haus, dein Zelt.
Nur wenn du es erlaubst, nur mit Befehl.
Wenn du verhaftet wirst, dann wehr dich passiv!

Judith
Sag nichts zur Sache, sag nur deine Daten, das ist genug!
Sag nichts, das kann man gegen dich verwenden und wird es tun!
Egal, was sie versprechen, glaub nicht daran!
Du hast das Recht zu schweigen, red nicht zuviel!
Verlang ein Telephon, das ist dein Recht!
Und ruf so schnell du kannst die Nummer hier an:

(gesprochen) 29 17 17

Fanfan
Was wollt ihr?
Hier sind alle friedlich.
Keinen stört’s.
Geht doch weg!

Wer nicht will,
braucht sich das nicht anseh’n.
Und wer mag,
der macht mit.

Fanfan
Ohne Grund
stört ihr hier den Frieden.
Habt ihr
sonst nichts zu tun?

Wärt ihr doch
bloß zu Haus geblieben!
Merkt ihr nicht,
dass ihr stört?

Ohne Grund
stört ihr hier den Frieden.
Habt ihr sonst
nichts zu tun?

Wärt ihr doch
bloß zu Haus geblieben!
Merkt ihr nicht,
dass ihr stört?

Zuschauer
Der Junge hat Recht.
Was wollt ihr denn hier?
Und wenn einer stört,
dann seid das nur ihr.

Macht euch auf den Weg,
sonst geht es euch schlecht.
Hier gab es schon lang
kein Straßengefecht.

Der Junge hat Recht.
Was wollt ihr denn hier?
Und wenn einer stört,
dann seid das nur ihr.

Macht euch auf den Weg,
sonst geht es euch schlecht.
Hier gab es schon lang
kein Straßengefecht.

(Es folgt eine Proklamation, die Julian spricht während die anderen singen)

1. Stimme
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

1. Stimme
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

2. Stimme
I
believe
that there’s
no death.

1. Stimme
I believe
that there’s no death
that there’s no death
but only life.

2. Stimme
I
believe
that there’s
no death.

3. Stimme
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.

1. Stimme
I believe
that there’s no death
that there’s no death
but only life.

I believe
that there’s no death
that there’s no death
but only life.

2. Stimme
I
believe
that there’s
no death.

I
believe
that there’s
no death.

3. Stimme
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.

I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.

4. Stimme
I believe
that there is no death
and I believe
that there is but life.

I believe
that there is no death
and I believe
that there is but life.

Manager
Wer glaubt ihr denn, will eure Sprüche hör’n?
Wer glaubt ihr denn, will eure Stücke seh’n?
Leute kommen nur, weil ihr Skandal macht!
Merkt ihr nicht, dass jeder euch nur auslacht?
Ich lach’ auch.
Jetzt seid ihr noch Kriminelle, eingesperrt auf alle Fälle.
Si tu danses, das war’s wohl!

1 Zuschauer
Es gibt genug, was schon verboten ist.
Warum verbieten, wenn es keinen stört?

2. Zuschauer
Du willst uns doch nur manipulieren!
Glaubst du, dass wir das nicht schnell kapieren?
Geh doch weg!

Beide
Du brauchst dich nicht zu empören,
keiner hier, will dich jetzt hören.
Si tu danses, die woll’n wir!

Dialog

Polizist
Er ist nur gefall’n.
Sie konnten nichts dafür, Monsieur.

Don
Das wollt ich nicht!
Warum hasst er uns so sehr?
Sind wir daran schuld?
Warum war ich aggressiv?
Das will ich nicht.

Moon
Er ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld,
er ist selber

schuld, ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, ist
selber schuld!

Julian
.
.
.

Er ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld,
ist selber schuld!

Si tu danses
.
.
.

.
.
.

Er ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, ist
selber schuld!

Zuschauer
.
.
.

.
.
.

.
.
.

Er ist
schuld, er
ist selber

schuld, ist
schuld, ist
selber schuld!

Bürgermeister (gesprochen) Was ist hier passiert? (sieht den Manager am Boden) Was ist mit dem los?

(singt)
Wie ich immer gesagt hab!
Man kann seh’n, dass ich Recht hab’.
Nichts als Ärger und Aufruhr!
Das ist wirklich Kultur pur!
Gut, dass jetzt das Spiel ein Ende hat!
Nicht mit mir in dieser Stadt! Hier herrscht bald wieder Ordnung!

Schreitet jetzt zur Verhaftung
wegen Ordnungsmissachtung ,
wegen Körperverletzung
und obszöner Entkleidung!
Gut, dass jetzt das Spiel ein Ende hat!
Nicht mit mir in dieser Stadt! Hier herrscht bald wieder Ordnung!
Wieder Ordnung!
Führt sie ab!

 Verhaftung
16. Öffentlich bekleidet

ÖFFENTLICH BEKLEIDET

Kläger
Es war im Stadtwald –
am letzten Dienstag –
als dieser Mann da –
sich etwas anzog.
Zwei grüne Socken an die –
Er hat sich öffentlich be-
Und das, obwohl –
zwei schwarze trug,

Polizisten
Drei Uhr!
Oh yeah!
Der da!
Anzog!
– Füsse!
– kleidet,
– er schon –
schwarze!

Richter
Grün auf schwarz, das geht nicht,
ist gegen die Natur!
Schnell noch einen Whisky!
Und den nehm ich jetzt puuuuuuuur.

Kläger
Es kommt noch schlimmer!
Noch sehr viel schlimmer!
Da waren Kinder!
Da auf dem Spielplatz!
Und der bekleidete Be-
der rief ein Kind und zog ihm –
Pullover an –
Pullover an.

Polizisten
Schlimmer!
Schlimmer!
Kinder!
Spielplatz!
– klagte,
– einen –
– einen –
Oh yeah!

Richter
Das ist wirklich ernsthaft,
schon beinah Perversion,
Kinder zu verführen
zur Inhibitioooooooooon!

(spricht) Angeklagter, Sie haben sich und andere öffentlich bekleidet! Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Angeklagter
Ich saß da ganz ruh’g in der Sonne.
Plötzlich kam ein Wind auf und mir wurde kalt.
Zitternd zog ich mir die Socken aaaaaaaaan.
Dann rief ich meinen Sohn zu mir
und zog ihm den Pullover über den Kooooopf.

Richter (spricht) Was hat der Psychologe dazu zu sagen?

Psychologe
Der Mann ist krankhaft!
Krankhaft veranlagt!
Ich bin ganz ehrlich!
Er ist gefährlich!
Er hat den Zwang sich zu be –
und sich so öffentlich zu –
Nur therapiert –
wird er kuriert.

Polizisten
Krankhaft!
Anlagt!
Ehrlich!
Fährlich!
– kleiden!
– zeigen!
Rapiert!
Kuriert!

Richter
Dieser Mann ist schuldig,
das hab ich gleich erkannt!
Her mit meinem Whisky!
Der Mann, der wird verbaaaaaannt!

Alle
Ab in die Wüste!
Mit zwei Pullovern
und warmen Socken!
Doch ohne Wasser!
Noch einen Schluck!
Nur einen Schluck!
‘nen letzten Schluck!

Polizisten
Wüste!
Overn!
Socken!
Wasser!
Einen!
Einen!

 Öffentlich bekleidet
17. Noire

NOIRE

Moon (spricht)
Schwarz, die Nacht ist so schwarz!
Was ist zu tun jetzt? Wohin zu gehen?
Welche Bosheit, welche Absurdität!
Wer kann so etwas tun?
Wer kann so etwas erfinden?
Und dennoch, es ist da, aber es ist doch nicht möglich!
Es ist unmöglich, es hat keinen Sinn.
Für wen, für was eigentlich?
Weil sie sich selbst töten, müssen sie die anderen töten?
Weil sie nicht zu leben wissen, hindern sie daran zu leben.
Weil sie nicht zu atmen wissen, also ersticken sie die, die atmen.
Weil sie nicht zu tanzen wissen, weil sie nicht tanzen können,
also tanzen sie den einzigen Tanz, den sie kennen:
den Totentanz.
Der tägliche Tod.
Aber ich will leben, ich werde leben.
Weil ich atmen kann, jetzt.
Ich kann sehen, ich kann berühren, fühlen.
Ich kann sie auch sehen, die, die versuchen mich zu töten, die, die schon tot sind,
die, die nichts mehr sehen als ihre magere Macht,
ihre Macht, tief in ihrer Verzweiflung verzweifelt zu sein.
Und dennoch, sie brauchen nur etwas Freude,
etwas Freude und Vergnügen ohne Scham,
um aufzuhören zu verzweifeln, um in ihrer Nacht zu sehen,
dass die Nacht schön ist, dass die so schwarze Nacht,
so schön ist.

Julian (spricht)
Wie kann man lernen? Wenn die Bomben nicht lehren können, was kann das Theater?
Wenn die lange Reihe von zerfetzten Körpern, die das ganze zwanzigste Jahrhundert produziert hat, nicht lehren kann, was kann das Drama?
Wenn heute die beunruhigenden Schreie der eingeäscherten Stimmen so vieler Völker, wenn die ganze gesammelte Angst des zwanzigsten Jahrhunderts in ihrem unerreichten Drama uns nicht lehren kann, was kann ein Theaterstück?
Wir leben das Theater der Grausamkeit, es ist aber kein Theaterstück und es ergreift uns nicht, wir bleiben kalt gegenüber dem Spektakel unseres eigenen Todes, passive Beobachter unserer eigenen Verstümmelung, kalt vor dem Sinn.
Wir sind todkrank und tanzen auf Krücken, töten voller Hass und bekämpfen einander, hofieren den Krieg und die Zerstörung und flehen die Vernichtung an.
Wir schauen durchs Fenster, wir sehen den großen makaberen Tanz und wir gehen hinunter in die Straßen, um uns in den Tanz einzureihen, als ob wir auf einer Party wären.
Wir sind unfähig zu begreifen.

 Noire
18. Final

FINAL

1 Stimme
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

.
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

2. Stimme
I
believe
that there’s
no death.

.
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

.
I
believe
that there’s
no death.

3. Stimme
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.

.
I believe
that there’s no death,
that there’s no death
but only life.

.
I
believe
that there’s
no death.

.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.
I believe, I believe, I believe.

4. Stimme
I believe
that there is no death
and I believe
that there is but life.

Fanfan
Ich bin euch unbequem,
so wie ihr mich nicht wollt.
Ich tanze nackt am Strand,
auch wenn der Donner grollt.

Deine Haut an meiner Haut!
Lieb mich, bis der Morgen graut!
Lass mich Sterne seh’n,
in dir untergeh’n!

Keine Grenzen mehr.
Keine Normen mehr.
Fang mich ein, doch das ist sehr schwer.

Das Mädchen mit der Feder
Die Welt ist mehr,
ist so viel mehr
als leben in den Tag.

Ich weiß genau,
was ich nicht will,
doch tu, was ich nicht mag.
Hab ich vergessen, wer ich bin?

In mir ist mehr, ist so viel mehr,
warum halt ich die Kraft in mir zurück?
Hab ich denn soviel Angst vor meinem Glück?

Ich weiß, etwas wird gescheh’n.
Es ist Zeit zu geh’n.

Der dunkle Vorhang wird sich heben
und zeigt mir neuen Raum zum Leben.
Ein Sturm in mir erwacht,
ein Feuer ist entfacht.
Ich fühle, wer ich bin,
und glaub, ich weiß wohin.

Alle
Du und ich, sie und wir.
Zeit fließt in meine Hand.
Raum schwindet zu Sand.

1. Stimme
Und nichts,
was uns trennt,
kein Ziel, das uns sucht,
nicht Zeit, die uns kennt,
kein Spiel unversucht.

1. Stimme
Kein Anfang vergeht,
kein Ende beginnt,
wenn Zeit einfach steht
und Sand nicht verrinnt.

2.Stimme
Nie
so gefühlt,
so gesehnt,
so gelebt!

1. Stimme
Nur treiben im Fluss,
nur schweben im Raum,
ein Akt ohne Schluss,
ein endloser Traum!

2. Stimme
Explodiert,
ohne Ziel,
im Moment, so wie nie!
Mit dir sein!

3. Stimme
Du und ich, sie und wir, ihr und wir.
Nichts vergeht, nichts beginnt,nichts verrinnt.
Nicht getrennt, nicht gesucht, nicht gekannt.
Zeit steht still, wie im Traum, Raum ist Sand.

1. Stimme
Was war,
das verbrennt.
Und wir
sind vereint
in diesem
Moment.
Mit dir
anders sein!

Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir
anders sein!
Mit dir
anders sein!

Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir anders sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!

2. Stimme
Nie
gelacht!
Nie
geweint!
Nie
gewagt!
Nie
geliebt!

Endlos groß!
Endlos klein!
Endlos
neu!
Anders
sein!

Anders sein!
Anders sein!
Anders sein!
Anders sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!
Mit dir sein!

3. Stimme
Nie gefühlt, nie gesehnt,
nie gelebt!
Explodiert, ohne Ziel,
so wie nie!
Nie gelacht, nie geweint,
nie gewagt!
Endlos groß, endlos klein,
endlos neu!

Nichts muss sein,
alles darf, alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!
Wir sind wir! Was gefällt, ist erlaubt!
Anders sein, anders sein, Anders sein!

Anders sein, anders sein,
anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!
Anders sein, anders sein, anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

4. Stimme
Nichts muss mehr sein,
alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!
Nichts muss mehr sein,
alles kann!
Wir sind frei, wir sind frei,
wir sind frei!

Alles erlaubt, was gefällt!
Wir sind wir, wir sind wir,
wir sind wir!
Alles erlaubt, was gefällt!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

Ganz anders sein!
Anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!
Ganz anders sein!
Anders sein!
Anders sein, anders sein,
anders sein!

 Final

EINIGE IDEEN UND INHALTE DES STÜCKES

basieren auf der Begegnung mit der wütenden, vehementen und umstürzenden Kritik der Ökonomie in den radikalen Schriften von Raoul Vaneigem, dem Exemplarischen, dem Kompromisslosen, dem Provozierenden des „Living Theatre“ von Julian Beck und Judith Malina.

So sind einige Texte Originalzitate aus den Schriften von Raoul Vaneigem und von Julian Beck.

Die Rahmenhandlung von „Si tu danses“ beruht auf einer wahren Begebenheit:

Auf dem Festival d’Avignon bringt das Living Theatre 1968 Judith Malinas Komposition „Paradise Now“ heraus. Ein anarchistisches Bacchanal und Liebesfest, das die Akteure und Zuschauer zu einer großen Gemeinschaft des Friedens vereinen soll. Die Kommune, die von Land zu Land jagt, ist entschlossen, mit ihren eigentlichen Zielen ernst zu machen und zum Bürgerschreck zu werden. Sie will „auf die Straße“. In Avignon, wo die Becks auf Gratisaufführungen im Freien bestehen, gerät das Living in die Mühlen kommunaler Politik. In wenigen Minuten wird die inzwischen zu einer internationalen Gemeinschaft herangewachsene Gruppe von einer Hundertschaft Polizisten aus ihrem Quartier vertrieben. Der Bürgermeister mag Parolen, die auf Freiheit von Vorurteilen und Freiheit von Hass zielten, noch toleriert haben, aber die in dürftiger Bekleidung auf Straßen vorgenommene Umarmung der Bürger ist ihm wohl zuviel. Der Forderung „Paradise now“ stand er hilflos und sicherlich auch angewidert gegenüber.
(Aus: „The Living book of the Living Theatre“ von Carlo Silvestro)

RAOUL VANEIGEM
Sie verbringen die Woche in der Erwartung, dass die Arbeit Sonntagskleider anlegt.

Die Allgegenwart der Arbeit
Sie ziehen von Montag bis Freitag ihre Dienstuniform an – so gehen sie zur Freizeit, wie sie zur Fronarbeit gehen. Fast spucken sie in die Hände, bevor sie einen Pernand-Vergesseles kippen, in den Louvregängen herumschlendern, Baudelaire rezitieren oder wild Unzucht treiben.

Zur festgesetzten Zeit und Stunde verlassen sie die Büros, die Werkstätten und die Ladentische, um sich im gleichen Takt der Bewegungen in eine abgemessene, verbuchte Zeit zu stürzen. Stück für Stück wird diese Zeit mit Namen beschriftet, die wie Fläschchen klingen, die man fröhlich öffnet: Wochenende, Urlaub, Feier, Ruhe, Freizeit, Ferien. So sehen die Freiheiten aus, die ihnen die Arbeit bezahlt und die sie mit ihrer Arbeit bezahlen.

Mit großer Sorgfalt üben sie die Kunst, der Langeweile Farbe aufzutragen, indem sie die Leidenschaft am Preis der Exotik, eines Liters Alkohol, eines Gramms Kokain, der Ausschweifung, der politischen Auseinandersetzung messen. Mit versiert-stumpfem Auge beobachten sie die kurzlebigen Notierung der Mode, die von Rabatt zu Rabatt den Absatz der Sonderangebote kanalisiert: Kleider, Fertiggerichte, Ideologien, Ereignisse und die Stars auf dem Gebiet des Sports, der Kultur, der Wahlen, des Verbrechens, des Journalismus und der Geschäfte, die das Interesse an alldem wach halten.

Sie glauben ein Leben zu führen, aber das Leben führt sie durch die nicht enden wollenden Hallen einer alles umfassenden Fabrik. Ob sie lesen, basteln, schlafen, reisen, meditieren oder vögeln, sie gehorchen fast immer dem alten Reflex, der jeden Arbeitstag hindurch die Führung hat.

Macht und Profit halten die Fäden in der Hand. Sind die Nerven rechts überspannt? Sie entspannen sich links, und die Maschine springt wieder an. Eine Belanglosigkeit ist in der Lage, sie über das Untröstliche hinwegzutrösten. Nicht ohne Grund haben sie jahrhunderterlang unter der Namen Gott einen Sklavenhändler verehrt, der nur einen von sieben Tagen zum Ausruhen zugestand und darüber hinaus verlangte, dass dieser seinem Lobgesang gewidmet sei.

Und dennoch fühlen sie, wissen sie am Sonntagnachmittag, so gegen vier Uhr, dass sie verloren sind, dass sie, wie in der Woche, das Beste von sich in der Morgendämmerung zurückgelassen haben, dass sie nicht aufgehört haben zu arbeiten.

Raoul Vaneigem (aus „An die Lebenden! Eine Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie“ 1998)

JULIAN BECK
Veränderungen (2)
Das Festival. Berühmt und von noblem Ursprung.
Dann wird das Festival zum Supermarkt der Kultur.
Während des Stückes lassen wir den Zuschauer bewusst werden, weil wir, die Akteure, das Stück enthüllen, um es nackt in die Sonne zu legen.
Dann wird der Zuschauer bewusst.
Und dann ist es zu Ende.
Schlafende Jahre.
Der Zuschauer geht zum Festival auf der Suche nach einem Bewusstsein, treu suchend eine Interpretation der heiligen Worte, die die Sprache verständlich machen.
Das Festival sucht nach dem städtischen Prestige und dem Geld des Touristen.
Was uns wütend macht, ist das Geld.
Wir müssen mit Gewandtheit zwischen seinen Klingen tanzen. Die Festivals geben uns Theater, aber was kann das Eindringen in das innere Licht gegen die Marktschreie eines Kulturmarktes ausrichten?
Wir sind auf der Suche nach Veränderungen bei den Menschen: die schrecklichen Ungerechtigkeiten hören nicht auf, sich zu vermehren, der Müllsack der Welt ist prall gefüllt mit Kriegen, Hungersnöten und ökonomischen Verbrechen, ein riesiger Sack, groß wie der Planet.
Aber es geschieht etwas.
Wir die Menschen, wir rücken nah zusammen, im Dunkel am Hang des Hügels, und wir lesen und wir studieren und wir gehen zum Theater.
Und dann, eines Tages, tun wir etwas, und nichts ist mehr so wie vorher.

Julian Beck (aus „Theandric. Julian Becks last notebooks“ 1992)

INHALT

Kurzfassung der Geschichte

PROLOG
Nachts in Avignon. Ein Mädchen sprayt Parolen an die Wand. Ein Tänzer tanzt durch die Nacht.
Er liebt die Luft, das Leben, er tanzt.
Nachtschwärmer tauchen auf.
Sie sind zusammen.
Sie tanzen.

1. AKT
Nach einer skandalösen Premiere sitzt die Theatertruppe „Si tu danses“ in einem Café und freut sich über die guten Rezensionen in den Zeitungen. Da es keine Karten mehr gibt, beschließt die Truppe kostenlose Aufführungen auf der Straße zu geben. Um weitere Skandale zu vermeiden, möchte der Bürgermeister die Truppe aus dem Programm entfernen. Der Manager des Festivals soll das erledigen.

2. AKT
Der Manager und seine Assistentin Mona tauchen bei einer Probe von „Si tu danses“ auf, um Julian, dem Kopf der Truppe, die schlechte Nachricht zu überbringen. Doch „Si tu danses“ wird kostenlos auf der Straße spielen. Mit einer spontanen Improvisation als Antwort verunsichert die Truppe den völlig verdutzten Manager. Als Julian noch Passanten von der Straße einlädt, an der Probe teilzunehmen, verlässt der Manager laut brüllend den Saal. Damit haben sich Julian und seine Truppe einen Feind gemacht. Mona bleibt, fasziniert von dieser seltsamen Truppe, und nimmt die Einladung von Don an der Probe teilzunehmen an. Der Manager kommt mit der Polizei zurück und lässt den Saal räumen. Er beauftragt Mona herauszufinden, wo „Si tu danses“ ihre freien Aufführungen machen will. Mona bleibt allein, schockiert.

3. AKT
Mona will mit Julian reden. Als sie ihn abends sucht, trifft sie erneut auf Don. Beide mögen sich. Sie kommen sich näher. Don tauft Mona liebevoll in Moon um. Die Begegnung mit Don und der Truppe hilft Moon zu erkennen, wohin sie eigentlich gehört. Sie will nicht mehr Handlanger einer Kulturmacht sein. Mit dem Rest der Truppe zelebrieren Don und Moon die Liebe und das Anderssein. Währendessen besinnt sich der in seiner Eitelkeit verletzte Manager auf Rache und zelebriert mit den „Marchands de chagrin“ die Verachtung, die Profitgier und die verlogene Moral.

4. AKT
Menschen in einer Schlange warten seit Stunden, um Karten für die Aufführung von „Si tu danses“ zu bekommen. Künstler lenken sie kurzeitig mit ihren Liedern ab, doch die Leute sind ungeduldig und geben ihrem Ärger lautstark Ausdruck. Fanfan, der auch an der Probe teilgenommen hat, erzählt ihnen, dass sie „Si tu danses“ kostenlos sehen können und löst so einen Tumult aus. Fanfan macht sich mit den Leuten auf, um „Si tu danses“ zu suchen. Inzwischen wandert Julian in der Stadt umher, hin und her gerissen zwischen der Besorgnis um seine Truppe und dem Wunsch, das zu tun, was er für richtig hält.

5. AKT
Auf dem Platz beim Palais des Papes findet die verbotene Aufführung statt. Im Laufe der explosiven Aufführung erscheint die Polizei gefolgt von dem Bürgermeister, dem Manager und einigen merkwürdigen Gestalten, die die Truppe zu provozieren versuchen. „Si tu danses“ übt passiven Widerstand, trotzdem fällt der Manager hin und verletzt sich. Der Bürgermeister lässt daraufhin die gesamte Truppe verhaften.

6. AKT
In den Zeitungen wird über den Vorfall berichtet: alle Anklagepunkte wurden fallen gelassen. Die befreite Truppe erscheint unter Jubel. Moon taucht auch auf und verkündet, dass sie ihren Job beim Festival geschmissen hat. Sie will sich der Truppe anschließen. Die Truppe improvisiert eine Parodie auf die Justiz.

7. AKT
Während Moon im Büro ihre Sachen packt, kommt die Polizei, begleitet von einem Staatsanwalt, um sie zu verhaften. Nach einer ernsthaften „Unterredung“ mit der Bürgermeisterin hat der Untersuchungsrichter sein Urteil revidiert und ganz neu entschieden. Julian, Judith und Don wurden ebenfalls verhaftet.

EPILOG
Die Nacht ist so schwarz! … Aber ich will leben, ich werde leben …
I believe, that there is no death but life …
Anders sein, anders sein, anders sein!
Mit dir sein!

PRESSEBERICHTE

Aus den Krefelder Tageszeitungen

Plakate der Musicalproduktionen
der Musikschule der Stadt Krefeld

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 24. Januar 2000

Herzensbekenntnis zum Leben, zur Unbekümmertheit,
zur Spontaneität - und auch zur Liebe

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Rheinische Post Krefeld, 29. September 2009

Ich bin das Kind in mir, das keine Grenzen kennt
Inhaltlich sehr anspruchsvollen Stück

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WEITERE INFORMATIONEN

Das Ansichtsmaterial finden Sie hier: ANSICHTSMATERIAL

Die Kosten für die Aufführungsrechte und für das Aufführungsmaterial erfahren Sie hier: AUFFÜHRUNGSRECHTE & AUFFÜHRUNGSMATERIAL

Die Vorgehensweise für Bestellungen wird hier erläutert: BESTELLUNGEN