So gemein / Sei gut
Hass
Freunde
Pauken
Ein neues Leben
Charles:
Ich weiß noch nicht, wo ich beginnen soll.
Es ist wie in ‘nem bösen Traum.
Glaub mir, ich hab die Nase wirklich voll
mit der MacMiche in einem Raum.
Sie ist gemein, brutal und bös zu mir,
mir wird ganz schlecht von ihrer Stimme.
Wenn ich sie hör´, werd´ ich so wütend
und weiß nicht mehr, was ich dann tu.
Ich kam nach Haus, sie hat mich eingesperrt,
ich war nicht da, als sie mich rief.
Was sollt ich tun, ich hab’ mich schon gewehrt.
Mein Streich war gut, der Schreck sitzt tief.
Ich weiß genau, so kann’s nicht weitergeh’n.
Sie sagt, ich ende als Verbrecher.
Es kann schon sein, dass sie da recht hat.
Vielleicht bring ich sie noch mal um.
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Charles: Ach, Juliette, |
Juliette: Ich weiß, sie ist nicht gut. |
(sprechen)
Charles: Willst du, dass ich ihre Vorwürfe und ihre Ungerechtigkeit mit der Geduld eines Lamms ertrage, das man erwürgt?
Juliette (lächelt) : Ich verlange von dir nicht so viel, es ist noch zu weit von dir bis zum Lamm. Aber Charles, hör mir gut zu. Deine Cousine ist nicht gut, ich weiß es, und ich gestehe es, aber es ist eben ein Grund mehr, sie zu schonen und zu versuchen, sie nicht zu reizen. Warum bist du so unpünktlich, wenn du weißt, dass bereits fünf Minuten Verspätung sie ärgern?
Charles (empört) : Aber es geht darum, ein paar Minuten mehr bei dir zu bleiben, arme Juliette. Du wärst sonst allein geblieben, als ich dich nach Haus gebracht habe!
Juliette (gerührt) : Ich danke dir, mein guter Charles; ich weiß, dass du mich liebst, dass du gut und besorgt zu mir bist. Aber warum bist du es nicht auch ein bisschen zu deiner Cousine?
Charles (aufgeregt) : Warum? Weil ich dich liebe – und ich sie hasse. Weil – jedes Mal, wenn sie sich ärgert und mich ungerecht bestraft, will ich mich rächen und sie rasend machen.
Juliette (vorwurfsvoll): Charles, Charles!
Charles (immer aufgeregter): Ja, ja, so ist das; sie hat Schläge in die Brust bekommen, ins Gesicht. Ich hab Betty, die sie auch hasst, dazu gebracht, ihre blöden Zähne in der Suppe zu verstecken. Ich hab’ ihr ihre Perücke abgerissen, und wenn sie wach wird, wird sie ihre Tabakdose voll Kaffee wiederfinden, und ihr Lesebuch und ihr Nähzeug sind verschwunden. Sie wird rasend sein und ich entzückt, und ich werde gerächt!
Juliette (singt):
Oh Charles, mein Charles, hör dich mal selber an,
wie wild du tobst, wie laut du schreist.
Ob die MacMiche das noch viel lauter kann,
du gehst mir richtig auf den Geist.
Ich glaube fast, du wirst genau wie sie.
Ich hör schon beinah ihre Stimme.
Wenn du so bist, werd ich so traurig,
weiß nicht mehr, was ich machen soll.
Du läufst herum, ganz wie ein wildes Tier,
schlägst um dich rum, tust selbst dir weh.
Du fluchst und drohst, Charles, ich hab Angst vor dir,
weiß nicht, ob ich dich noch versteh.
Oh, Charles, es kann so nicht mehr weiter geh’n,
sonst endest du noch als Verbrecher.
Oh, Charles, hör zu, wenn ich dich bitte.
Sei gut für mich! Wenn sie auch bös ist.
Versuchs für mich. Versprich es mir.
Charles:
Oh, Juliette! Wenn ich’s nur könnte.
So furchtbar gern verspräch’ ich’s dir.
Juliette:
Ich helf’ dir dabei, so gut ich es kann.
Charles:
Du machst mir Mut, das tut gut.
Vielleicht kann es geh’n,
wenn wir uns versteh’n.
Beide:
Mit dir hab ich keine Angst mehr
vor dem Morgen, keine Angst mehr
vor der Nacht.
Du zeigst mir den Weg,
bist mein Freund, der mich leitet.
Du zeigst mir das Ziel, ich bin blind allein.
Dunkel ist die Welt.
Bin verlor’n in der Nacht.
Ich weiß ganz allein, ohne dich schaff ich’s nicht
Zwei Blinde gemeinsam, wir finden das Licht.
Du zeigst mir den Weg,
bist mein Freund, der mich leitet.
Du zeigst mir das Licht.
Eine Welt für uns zwei,
dich und mich.
Text von Tom Heilandt
Charles:
Ich hasse die Alte, ich könnte schrei’n.
Ich wünschte, ich könnte jetzt ganz schnell groß sein.
Dann packt sie mich nicht mehr,
viel zu schwer,
und meine Rache, die wär’
fürchter- fürchter- fürchter- fürchterlich.
Dann hätt’ ich die Alte in der Gewalt,
und würd’ sie dann betteln, dann wär’ ich eiskalt.
Das täte meiner Wut ganz schön gut.
Ja, meine Rache, die wär’
fürchter- fürchter- fürchter- fürchterlich.
Dann wirst du schrei’n, Madame MacMiche,
der Rächer kommt, und er packt dich,
er macht kurzen Prozess
und wirft dich ins Loch Ness,
denn da gehörst du hin,
was warst du auch so schlimm.
Hast mich immer gequält,
selbst dein Schicksal gewählt.
Sie ist weg, deine Macht,
es ist Charles, der jetzt lacht:
Charles MacLance!
Oh, fürchte dich, Madame MacMiche,
der Rächer kommt, und er packt dich,
und wenn du dich auch wehrst,
er wirft dich in den Herd,
denn da gehörst du hin,
was warst du auch so schlimm.
Und wenn du denkst, das ist hart,
denk dran, wie du warst,
wie bös und gemein,
und Strafe muss sein.
Dann wirst du schon seh’n
und ganz schnell versteh’n:
Charles ist der King!
Warum sind die Menschen nur so gemein?
Warum kann nicht jeder ganz einfach gut sein?
Es gibt soviel Gewalt, ganz eiskalt,
hab ich das Sagen, ja dann
wird es keiner wagen, bös’ zu sein.
Ich bau mir eine neue Welt
und tu’ nur noch, was mir gefällt.
Die eklige MacMiche
kommt mir nicht an den Tisch,
und jeder, der was wagt,
auch nur was Böses sagt,
der wird von mir eingesperrt,
und wenn er sich wehrt,
mach kurzen Prozess
hinein ins Loch Ness.
Ihr würdet’s schon seh’n
und ganz schnell versteh’n:
Charles ist der King.
Und doch – ist das so richtig?
Ist Rache denn so wichtig?
Wie hat Juliette gesagt:
Wer sich rächt,
der ist genauso schlimm und bös.
Was soll ich tun?
Text von Tom Heilandt
Jack:
Seht, wer kommt daher, müd’ die Schritte schwer.
Ist das nicht der Charles? Sie hat ihn geschlagen!
Sonst ist er so froh. Niemals war er so.
Sie ist so gemein, wie kann er’s ertragen?
Kinder:
Charles, sag uns, was war. Traurig stehst du da.
Was hat sie getan? Sonst gewinnst du immer!
Hast dich nicht gewehrt? Hast dich nicht beschwert?
Was ist los mit dir? Sie wird immer schlimmer.
Charles:
Mich gewehrt? Nein, ich habe mich nicht gewehrt!
Mich beschwert? Keinen Ton habe ich gesagt!
War ganz ruhig, doch gespürt hab´ ich jeden Schlag.
Nur für sie habe ich ‘s getan.
Für Juliette zeig’ ich, was ich kann.
Denn für sie will ich gut sein,
und das ist nicht so einfach.
Ich weiß nicht, ob ich mehr ertrag.
Die MacMiche hat ‘nen harten Schlag.
Ist nur gut, wer auch leidet?
Ich weiß nicht, ob mir das liegt!
Jacky:
Charles, du musst was tun. Lass sie nicht in Ruh.
Sie glaubt, du bist schwach, und wird dich nur quälen.
Charles, wir sagen dir, du hast Freunde hier,
du bist nicht allein, du kannst auf uns zählen.
Charles:
Es ist schön, wenn man Freunde hat.
Ohne euch wüsst ich keinen Rat.
Ich wär’ arm und verlassen
ohne Freunde…
Kinder:
Wir sind da, du bist unser Freund,
und für dich sind wir stets bereit.
Sag uns nur, was wir tun soll’n
es ist leichter gemeinsam.
Alle:
Wir sind stark, weil wir Freunde sind.
Ohne Angst, weil wir Freunde sind.
Jeder braucht einen Freund,
denn ein Freund hilft dem Freund
jeden Tag, Jahr für Jahr,
Freunde sind für dich da.
Jeder braucht einen Freund.
Text von Tom Heilandt
Kinder:
Pauken, pauken – jeden Tag gequält!
Schreiben, schreiben – bis die Hand abfällt!
Lesen, lesen – was man niemals braucht!
Rechnen, rechnen – bis der Kopf uns raucht!
Lernen, lernen – Mann, sind wir geschlaucht!
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Kinder 1: Viel |
Kinder 2: Krikel krakel kritzel kratzel |
Kinder:
Pauken, pauken – ach wir woll’n nicht mehr.
Pauken, Pauken – ist uns viel zu schwer.
Weg hier, raus hier – das ist, was wir woll’n
spielen, lachen – und im Dreck rumtoll’n
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Kinder 1: |
Kinder 2: |
Oliver:
Mir tut der Kopf weh, mir ist so heiß.
Wenn ich ins Buch seh’, dreht alles im Kreis.
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Oliver: Mir ist so Wenn ich ins dreht |
Andere: |
Boxear:
Oliver, träumst du wieder? Oliver, hör gut zu!
Deine dummen Lieder sind hier fehl am Platz, hier ist Ruh!
(spricht)
In die Ecke mit dir!
Kinder:
Pauken, pauken – jeden Tag gequält!
Schreiben, schreiben – bis die Hand abfällt!
Lesen, lesen – was man niemals braucht!
Rechnen, rechnen – bis der Kopf uns raucht!
(Charles tritt ein)
Ein Neuer kommt, seht alle her,
ein Neuer kommt, er lacht ja noch,
der arme Kerl, der arme Kerl!
Dem wird das Lachen schnell vergeh’n,
er wird schon seh’n!
(sprechen)
Boxear: An Ihren Schreibtisch, Monsieur.
Charles: An welchen, Monsieur?
Boxear: An den nächstbesten, der frei ist.
(Charles sieht die Schulbank neben dem Aufseher, legt die Schüssel auf den Boden und setzt sich.)
Boxear (jämmerlich) :Haben Sie den Kopf verloren, Sie drolliger Kerl? Ist das der Platz eines Schüler, neben mir auf dem Podest?
Charles: Wahrlich! Woher soll ich es wissen, Monsieur? Sie sagen: Den nächstbesten, ich sehe diesen dort, dann nehme ich ihn.
Boxear: Ah! … Monsieur ist ein Schönredner! Monsieur ist ein Kritikaster! Monsieur ist ungehorsam, revolutionär und so weiter. So werden wir mit Schönrednern fertig ( er zieht an seinen Haaren) mit Kritikastern, (er ohrfeigt ihn) mit Ungehorsamen (er schlägt ihn mit einem Lineal) und mit Revolutionären (er peitscht ihn,) So, Monsieur! Suchen Sie sich eine freie Schulbank aus.
(Charles war sehr tapfer geblieben und hatte keinen einzigen Laut von sich gegeben; nachdem er einen Blick in den Arbeitssaal geworfen hat, setzt er sich neben einen Jungen, der fast Tränen in den Augen hat.)
Kinder:
Wir seh’n kein Licht mehr, nur finstre Nacht.
Wir könn’ uns nicht wehr’n. Hier wird nicht gelacht.
Weiter, weiter – als wär’ nichts gescheh’n
Still sein, still sein – in die Ecke seh’n
Pauken, pauken – es hilft alles nicht.
Bloß nicht auffall’n – sonst schlägt er auch dich.
Auch dich!
Text von Tom Heilandt
Charles:
Ich bin am Ziel,
hab’ erreicht, was ich will:
Ein neues Leben – solang wart’ ich darauf,
hab’ mich gesehnt
nach einem Ort – ruhig und still.
Ein neues Leben – von hier da geht es nur bergauf.
Fairys Hall Kinder:
Charles, der hat’s geschafft,
ist frei und kann geh’n.
Er hat jetzt ein tolles Leben,
doch wir bleiben hier kleben.
Charles, du wirst uns fehl’n – mit deinen Ideen.
Wir woll’n gerne von dir lernen,
mit Lehrern besser umzugeh’n.
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Old Nick + Boxear: Charles ist endlich Fairys Hall Kinder: Wie Charles woll’n wir sein, |
Charles + Betty: Straßenkinder: Charles ist Wie Charles woll’n wir sein, |
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Kinder: Charles, der hat’s ge- |
Charles + Betty: |
Old Nick + Boxear: Charles ist jetzt weg. |
Text von Tom Heilandt
PLAYLIST