Die Odyssee – eine niemals enden wollende Geschichte?

DIE ODYSSEE © 1992
Musical für Jugendliche nach Homers Erzählung
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte und Dialoge: Karlheinz Wagner
Aufführungsdauer: 110 Minuten
Ausführende: Jugendliche und Erwachsenen
Anzahl der Musiknummern: 24 (1- bis 4-stimmig)
2 Akte, 18 Szenen, 12 Bühnenbilder
17 Hauptrollen, Gefährte, Freier, Mägde, Götter usw.

Orchesterbesetzung: Flöte 1 und 2, Oboe, English Horn 1 und 2,
Klarinette 1 und 2 (Bb und Bass Klarinette), Fagott, Kontrafagott, Horn 1 und 2,
Trompeten 1 bis 3 (Bb Trompete, Piccolo Trompete in Bb, Kleine Trompete in F),
Posaune 1 bis 3, Harfe, Banjo, Laute, Keyboard 1 bis 4, Percussion 1 bis 5,
Violine 1 und 2, Viola 1 und 2, Violoncello 1 und 2, Kontrabass 1 und 2, E.Bass (E.Bass, Fretless Bass)
Teil-Playback als Alternativ wenn die elektronischen Klänge nicht live gespielt werden können

Uraufgeführt am 12. Juni 1993 in Krefeld

Notizen zum Orchestermaterial
Die Partitur der Odyssee ist komplex. Die Instrumentation lässt sich in zwei Bereiche teilen.
Alle Musikstücke, die die Abenteur von Odysseus darstellen, enthalten viele elektronische Klänge.
Alle anderen Stücke sind eher klassisch instrumentiert.
Die elektronischen Klänge sind unter Verwendung von mehreren Synthesizern und Samplern erzeugt worden.
Alle Originalklänge stehen zur Verfügung. Es muss aber bemerkt werden, dass das live Spielen von elektronischen Klängen ein gewisses technisches Know-How voraussetzt.
Ich helfe gern bei der Umsetzung.
Für Orchester, die nicht über eine ausreichende Keyboard-Abteilung verfügen, besteht die Möglichkeit für die besagten Stücke ein Teil-Playback zu verwenden.
Das Playback enthält alle elektronischen Klänge und ist so konzipiert, dass das Orchester zum Playback dirigiert werden kann.

ZUM STÜCK

Das Musical „Die Odyssee“ ist eine anspruchsvolle Umsetzung eines der größten Epen aller Zeiten.
Die spannende Sage um den heldenhaften Griechen-König Odysseus und seine abenteuerliche Irrfahrt nach Hause zu Königin Penelope und Sohn Telemachos hat Künstler in allen Epochen inspiriert.
Odysseus’ Abenteuer auf der Rückfahrt nach Ithaka bietet viel Platz für Solo-Rollen und aufwendige Bühnenbilder: Odysseus’ Exil auf der Insel der Halbgöttin Kalypso, seine Begegnung mit der Zauberin Circe, verführerische Sirenen wollen Odysseus in den Tod locken, einen Abstecher in die Unterwelt der Toten und ein Kampf mit einem Zyklopen – alles lakonisch kommentiert von einer Riege gelangweilt-spöttischer Götter.
Odysseus’ Gattin muss sich derweil zuhause auf Ithaka gegen gierige Freier wehren.
Die Kontraste zwischen Liebe und Hass, Kraft und Schwäche machen Odysseus’ Abenteuern zu einer der spannendsten Erzählungen des klassischen Altertums.
Die musikalische Umsetzung der Geschichte in 2 Akten, 18 Szenen und 24 Musiknummern kombiniert symphonische Stilmittel mit modernen Klängen.
Gefühlvolle Liebes-Duette, werden durch fantastisch-surrealistische Szenen abgelöst,ausdrucksstarke Massen- Kampfszenen ufern in stille Bekenntnisse.
Komplexe mehrstimmige Lieder, Hand in Hand mit einfachen Songs, groteske Göttertänze im Kontrast zu lyrischen Ballettszenen sowie die große Achtung vor einer Geschichte, die die Zeit überdauert hat, sind die Komponenten des Musicals ``Die Odyssee``.
Mit über 17 Solo-Rollen und vielen Massenszenen eignet sich das Musical „Die Odyssee“ besonders gut für große Ensembles.

MUSIK & LIEDTEXTE

Text, Player, Download, Video

1. Ouverture

Instrumental

 Ouverture
2. Im Palast 1

IM PALAST 1

Freier
Her mit den goldenen Bechern,
her mit dem göttlichen Wein!
In diesen edlen Gemächern
woll’n wir des Helden Weib frei’n.

Trinkt auf den hehren Odysseus,
trinkt auf sein göttliches Weib!
Trinkt und tanzt und vergnügt Euch,
wer trinkt, hat mehr von der Zeit.

Her mit dem Wein,
schenkt nochmal ein,
trinkt nur und feiert,
denn so muss es sein.

Mägde
Hier sind die goldenen Becher,
hier ist der göttliche Wein,
in diesen edlen Gemächern
sollt ihr des Helden Weib frei’n.

Trinkt auf den hehren Odysseus,
trinkt auf sein göttliches Weib.
Trinkt und tanzt und vergnügt Euch,
wer trinkt, hat mehr von der Zeit.

Hier ist der Wein,
schenkt nochmal ein,
trinkt nur und feiert,
denn so soll es sein.

Telemachos
Und so geht das jetzt nun schon seit Jahren.
Ach Vater, wann kehrst Du nur heim?
Ich kann das nicht mehr ertragen,
der Freier Spott und Geschrei.

Ach, Ihr Götter, so gebt mir ein Zeichen,
was soll ich Verzweifelter tun?
Ich kann das nicht mehr ertragen,
Gespött und Frevel,
und ich bin jung und allein.

Athene
Schweige, Sohn des Königs,
Dein Klagen nutzt Dir wenig.
Den Frevlern sag den Kampf an,
denn Du bist jetzt ein Mann,
und ein Mann gibt nicht auf
eh‘ der Kampf noch beginnt.

Irgendwo dort hinterm Meer
Lebt Odysseus, glaube mir.
Nimm ein Schiff und frage die,
die mit deinem Vater einst vor Troja
Seit‘ an Seit‘ die Sieger war’n.

Phemios
Hört die Ballade,
hört den Gesang.
Ruhmreiches Troja,
Dein Untergang

Kleinod der Götter,
Du heilige Stadt.
Raub nun der Flammen
nach blutiger Schlacht.

Dein König Paris
raubte Helena.
Groß war der Zorn,
war der göttliche Zorn.

Goldene Schwerter,
Feuer und Blut,
König Odysseus
blieb in der Glut.

Penelope
Seht meine Tränen,
Nicht dieses Lied.
Fort ging Odysseus,
nichts, was mir blieb.

Wie könnt ihr singen,
was Qualen mir macht?
Wie könnt Ihr froh sein,
wenn Schmerz an mir nagt?

Nehmt mir das Leben,
lasst mir die Hoffnung,
dass, irgendwann
ich ihn wiederseh’n kann.

Seht meine Tränen,
nicht dieses Lied.
Fort ging mein König,
nichts, was mir blieb.

Antinoos
Nichts, was Ihr blieb!
Wer war der Dieb?
Sieh Dich doch um:
Die Schätze und die Freier
ohne Zahl.

Telemachos
Schweig!
Die Mutter lass in Ruh!
Ihr seid stark und Ihr seid viele,
doch Ihr handelt schlecht.
Götter rächen ohne Eile,
doch sie sind gerecht.

Ohne Recht treibt Ihr, was Ihr hier treibt.
Mir zerspringt das Herz vor Gram im Leib.
Ihr zerstört das Leben dieser Frau.
Das muss enden und ich warte
nicht mehr auf ein Zeichen
uns’rer Götter.
Das muss enden und ich werde
kämpfen gegen jeden,
der Odysseus‘ Haus
nicht bald verlässt.

Antinoos
Halt mein Freund,
nicht diese Tonart.
Uns wundert die Macht Deiner Wut.
Nicht wir sind es, die hier
ein falsches Spiel spiel’n,
denn ehrbar sind wir – ohne Schuld.

Dein Vater, mein Freund,
kommt nicht wieder.
Penelope sprach drum zu uns:
„Ich wähl‘ einen Freier, wenn dies Tuch gewebt.“
Tags webt sie, und nachts –
löst sie’s auf.

Telemachos
Vater, Ihr Heuchler,
kommt wieder zurück.
Ich nehm ein Schiff, ihn zu suchen.
Er kommt wieder,
kommt zurück.
Er kommt wieder
nach Ithaka und jeder kriegt,
was er verdient.

Halitherse
Seht dort, am Himmel
der Vogelschar Form.
Zeichen der Götter,
sie warnen uns vor.

Blut seh‘ ich hier im Palast,
Wut seh‘ ich, ich sehe Hass.
Tod seh‘ ich, ich seh‘ ein Schwert,
Rache seh‘ ich, die heimkehrt.

Ja, ich seh‘ Odysseus‘ Hände,
seh‘ sein Schwert, der Freier Ende.
Ja, ich seh‘ des Königs Heimkehr,
seh‘ des edlen Königs Heimkehr.

Alle (außer den Freiern):
Oh, er sieht Odysseus‘ Hände,
sieht sein Schwert, der Freier Ende.
Oh, er sieht des Königs Heimkehr,
sieht des edlen Königs Heimkehr.

Freier
Geh, alter Greis und hör
auf mit dem Spuk!
Lass dort die Vögel am
Himmel und uns hier in Ruh!

Her mit den goldenen Bechern,
her mit dem göttlichen Wein.
In diesen edlen Gemächern
woll’n wir des Helden Weib frei’n.

Trinkt auf den hehren Odysseus,
trinkt auf sein göttliches Weib.
Trinkt und tanzt und vergnügt Euch,
wer trinkt, hat mehr von der Zeit.

Her mit dem Wein,
schenkt nochmal ein,
trinkt nur und feiert,
denn so muss es sein.

Mägde
Hier sind die goldenen Becher,
hier ist der göttliche Wein.
In diesen edlen Gemächern
sollt ihr des Helden Weib frei’n.

Trinkt auf den hehren Odysseus,
trinkt auf sein göttliches Weib.
Trinkt und tanzt und vergnügt Euch,
wer trinkt, hat mehr von der Zeit.

Hier ist der Wein,
schenkt nochmal ein.
Trinkt nur und feiert,
denn so soll es sein.

Alle
Her mit dem Wein,
schenkt nochmal ein.
Trinkt nur und feiert,
denn so muss es sein.

 Im Palast 1
3. Penelopes Tanz

Instrumental

 Penelopes Tanz
4. Kalypso

KALYPSO

Hermes
Heil Dir, Göttin,
Unheil komm ich Dir zu künden.
Du, Kalypso,
hör‘ der Götter Ratschlag.
Frei sein soll Odysseus,
frei nach all den Jahren.
Aus dem Gold-Gefängnis,
heim zur Heimat-Insel.

Kalypso
Grausam seid Ihr!
Voll des Neides und
grausam seid Ihr!
Das darf nicht sein!
Bei meiner Liebe darf
das nicht sein!
Ich nahm ihn auf,
gab dem Schwachen das Leben zurück.
Mein Paradies
von der Willkür der Götter zerstört,
die noch nie was von Liebe gehört.
Ach, lass mich allein.

Kalypso
Nein, es muss wohl sein.
Allein, wieder allein,
die Zeit holt sich ihn wieder heim.

Odysseus
Heim? Das kann nicht sein,
denn dort darf ich nicht sein.
Drum höre doch jetzt auf
mich damit so zu quälen …

Kalypso
Heim, ja Du fährst heim,
denn ich gebe dich frei,
dem Zeus muss ich zu Willen sein.

Odysseus
Zeus, Dir gilt mein Gruß,
welch trefflicher Beschluss!
Doch Du, Schöne, sag‘ mir
– wie komm‘ ich nach Ithaka?

Kalypso
Weit, das Meer ist weit
Held, halte dich bereit.
Aus Holz bau‘ ein Schiff, um
zu trotzen den Stürmen Poseidons,
dem Herrscher über Wind und Meer.

Odysseus
Frau, Dein Wille geschehe,
und wein‘ nicht, was Du tust
– ist Liebe.

Beide
Zeus hat so entschieden.
Die Liebe,
die einte einst, was nicht sein darf:
Ein Glück
zwischen Göttin und Menschen.
Zeus hat so entschieden,
was bleibt, ist, was war.

Kalypso
Ich liebte jede Minute,
den Helden, der mich lassen muss.

Odysseus
Ich kann mein Herz nicht
mehr spalten – nein …

Kalypso
Allein, wieder allein,
Du gehst, denn Du bist frei,
daheim wartet ein Weib
auf Dich.
Denn Du
kamst zu mir,
doch Dein Herz
blieb woanders.

Odysseus
Ich und Du –
Was bleibt, ist,
was bleiben muß.
Weit, der Weg ist weit,
uns bleibt noch etwas Zeit,
der Morgen ist noch weit,
das Heute woll’n wir
leben.

Beide
Meer, sieh‘ nur das Meer,
die Liebe trieb es her,
doch morgen, da spült es
sie dann wieder fort.
Doch heute Nacht sind wir, was
wir all die Jahre lang waren:
Ein Paar.

 Kalypso
5. Poseidon

POSEIDON

Odysseus (spricht)
Das ist ein seltsamer Wind –
nicht Nord, nicht Ost, nicht Süd, noch West,
und das Meer –
es beginnt zu schäumen, zu kochen.
Warum jetzt?
Dort vorne, dort seh‘ ich die nebligen Berge.
Die Berge der Insel Scheria.
Scheria – Insel jener Phaiaken,
die Seemanns-Kunst einst erfanden.
Insel des Alkinoos – des tapferen Mannes,
der nach Ithaka mich …
Was sind das für Winde?
Mein Floß wird geschaukelt
wie ein lästiges Blatt!
Wer wühlt das Meer auf?
Eine weitere Strafe der Götter?
Zeus! Ich habe geopfert, was immer Du verlangtest!
Was hab‘ ich getan?

Zeus! Siebzehn Tage ließt Ihr Götter mich fahren –
weg aus Kalypsos goldenem Kerker.
Den Himmel ließet Ihr blau wie das Meer,
der Wind, den Ihr sandtet, er trieb mich hierher.
Und jetzt, wo ich Alkinoos‘ Insel seh‘ –
jetzt schickt Ihr all Euren Zorn in die See.

Ich kann das Ruder kaum mehr halten,
Kalypso, Du Schöne, ich danke Dir,
dass Du halfst, die Stämme zu binden,
die Stämme für dies armsel’ge Floß.
Was Du, Göttin, gebunden,
das binden die andern Götter nicht los.
Das ist kein Meer,
das ist ein Ungeheuer,
Ich sah Wogen, so groß wie diese, noch nie!
Groß wie Paläste, mit dunkler Kraft,
und die Stürme – sie greifen nach dem Mast.

Der Mast wankt, das Segel in Fetzen.
Oh Kalypso, Oh Zeus, Oh Penelope!
Frau in Ithaka – ich weiß nicht, was sein wird,
und niemand wird Dir bekunden,
wie schändlich ich hier – im Element der Fische
und niederen Wesen – kämpfe. Vergebens?
Ein Tod in ruhmreicher Schlacht zu Troja –
die Kunde hättest Du vernommen –
Du wüsstest – ich wäre gestorben, gestorben für Dich.
Nichts weißt Du nun – weißt nicht mal
mein schmähliches Ende.

Ein Blitz, ein Donner, Hagelschlag,
Regen, Stürme – der achtzehnte Tag
Den Mast will es schier zerreißen:
Er bricht, er bricht …
Ich kann das Steuer nicht halten!
Nein! Nicht hinein in die salzigen Fluten!
Das Wasser! Wie Schwefel – es stinkt und es kocht.

Noch hält das Boot, noch halten die Planken –
ich muss wieder an Bord, an Bord jener Hoffnung,
die selbst ich gebaut mit Hilfe der Göttin Kalypso.

(Ganz allmählich wird der Kopf eines Wasserhuhns auf der Bühne sichtbar. Es ist Athene. Odysseus erschrickt)
Ich bin nicht bei Sinnen –
Was ist das – ein Huhn?

Athene
Fürchte Dich nicht, Odysseus.

Odysseus
Natürlich, ein sprechendes Huhn. Huhn,
was willst Du?

Athene
Held der Ithaker, Du erkennst mich nicht.
Was Du Poseidon, dem wütenden Herrscher der Meere
angetan hast – das weiß ich nicht.
Doch seine Rache ist furchtbar.
Das Floß kannst Du nicht halten,
spring über Bord.
Zieh aus die Kleider, die Kalypso Dir gab
und zieh dies schützende Hemd an.
Tu, was ich sage, die Götter sind mit Dir.

(Der Kopf des Wasserhuhns verschwindet allmählich)

Odysseus
Die Götter sind mit mir, das sagt mir ein Huhn!
Ich muss krank sein, und blind schon und taub.
Doch ich seh‘, was ich sehe und hör‘ was ich hör‘.
Das Meer wird noch höher, noch schwarzer, wie Tod.
Jetzt brechen die Planken.
Ich kann nicht mehr atmen – bin ich schon tot?
Ich tu, was das Huhn mir sprechend befahl,
Ich spring in die Fluten – ich hab‘ keine Wahl.
Weg mit Kalypsos edlen Gewändern,
und her mit dem dürftigen Hemd.

Die edlen Stoffe, sie zogen nach unten,
dem sicheren Tode entgegen mich.
Das Hemd muss eine Gabe der Götter sein,
ich friere nicht mehr und
schwimme von selbst –
Ist das der Meeresgrund?
Ist das der Himmel?
Ist das schon Land?
Noch ewiges Meer?

Ich verlier‘ die Besinnung, Penelope!
Verlier‘ den Verstand.
Ihr grausamen Götter – tut, was Ihr wollt
– und da vorne ist – und da vorne ist – Land!

 Poseidon
6. Nausikaas Thema

Instrumental

 Nausikaas Thema
7. Bei Alkinoos

BEI ALKINOOS

Alkinoos
Steht auf, Fremder, seht auf, Fremder,
Ihr seid unser Gast.
Wer seid ihr? Woher kommt ihr
in unseren Palast?

Arete
Edler Fremder, schöner Fremder,
schmuck ist Dein Gewand.
Kann es sein, Du nahm dies Kleid
aus uns’rer Tochter Hand, sagt?

Odysseus
Fern von hier der Götter Zier,
Kalypso, ließ mich fortgeh’n.
Poseidons Wut bezwang mich.
Ich verlor mein Floß,
ich verlor die Sinne. (zeigt auf Nausikaa)
Jene fand mich so.

Nausikaa
Ja, es ist wahr, jener Fremde,
leblos und bloß schlief am Strand,
tosendem Meere entsprungen
gab ich die helfende Hand ihm.
Götter sandten Träume, sie sandten mich zu ihm.
Vorher sah ich keinen – so schön wie ihn.

 Bei Alkinoos
8. Ballade von Troja

BALLADE VON TROJA 2

Demodokos
Hört die Ballade, hört den Gesang.
Ruhmreiches Troja, Dein Untergang.

Kleinod der Götter, Du heilige Stadt.
Raub nun der Flammen, nach blutiger Schlacht.
Dein König Paris raubte Helena,
groß war der Zorn, war der göttliche Zorn.

Goldene Schwerter, Meere von Blut.
Rauch barg der Sonne wärmende Glut.

Zehn lange Jahre Blut, Tod und Leid.
Vater und Söhne, sterbend vereint.

„Der Feind will abziehn, er ließ uns ein Pferd,“
rief man in Troja, vom Siegrausch betört.
Tod und Verderben barg diese Gabe,
und diese List hat Odysseus erdacht.

Götter sind grausam, furchtbar ihr Zorn.
Ithakas König, er war verlor’n.

Alkinoos
Heiße Tränen weint der Fremde,
was ist euer Schmerz?

Odysseus
Oh, dies Lied erzählt mein Leben,
dies Lied bricht mein Herz!

 Ballsde von Troja
9. Ich bin Odysseus

ICH BIN ODYSSEUS

Odysseus
Ich bin kein Gott, kein Dieb,
Odysseus ist es, der vor euch steht.
König und Held, von dem
die Welt so manche Sage erzählt.
Ich bin arm, ich bin reich.
Bin verrückt, bin gescheit,
doch ich weiß ganz genau,
was ich will:
Nach Ithaka zurück.

Chor
Er ist kein Gott, kein Dieb,
Odysseus ist es, der vor uns steht.
König und Held, von dem
die Welt so manche Sage erzählt.
Er ist arm, er ist reich.
Ist verrückt, ist gescheit,
doch er weiß ganz genau,
was er will:
Nach Ithaka zurück.

Odysseus
Ich war es, der
ersann das Pferd zu Troja.
Ich war es, der
den Riesen doch besiegte.
Hab‘ geliebt, hab‘ gehasst,
hab‘ geweint, hab‘ gelacht
all die Jahre.
Hab‘ gekämpft mit dem Schwert
und mit List für meine Liebe,
Penelope, wann werd‘ ich Dich seh’n?

Ich war es, der mit List
dem Singen der Sirenen entrann.
Ich war es, der mit Mut
dem Zauber selbst der Circe entkam.
Ich war stark, ich war schwach,
war betäubt und war wach,
doch ich weiß ganz genau
was ich muss:
Nach Ithaka zurück.

Chor
Er war es, der mit List
dem Singen der Sirenen entrann.
Er war es, der mit Mut
dem Zauber selbst der Circe entkam.
Er war stark, er war schwach,
war betäubt und war wach,
doch er weiß ganz genau,
was er muss:
Nach Ithaka zurück.

Odysseus
Ich war es, der
Kalypsos Bann gebannt hat.
Ich war es, der
das Totenreich gekannt hat.
Ich war fremd, war bekannt,
war auf See und auf Land
ganz alleine.
Doch kein Mensch und kein Gott
hielt mich ab von meiner Liebe.
Penelope, ich kehre bald heim.

Ich bin kein Gott, kein Dieb,
Odysseus ist es, der vor euch steht.
König und Held, von dem
die Welt so manche Sage erzählt.
Ich bin arm, ich bin reich,
bin verrückt, bin gescheit,
doch ich weiß ganz genau,
was ich will:
Nach Ithaka zurück,
nach Ithaka zurück,
nach Ithaka zurück.

 Ich bin Odysseus
10. Polyphem

POLYPHEM (Niemand ist Odysseus)

(sprechen)
1. Gefährte
Beim Zeus, warum können wir nicht einfach nach Hause fahren?

2. Gefährte
Schaut Euch das an: Diese Wiesen! Und dort diese Ziegenherde!
Das wird ein Festmahl!

3. Gefährte
Ich seh‘ nichts vor lauter Nebel.

2. Gefährte
Doch da! Schau doch!

4. Gefährte
Ja, aber seht dort! Dieser Riese!
Groß wie ein Berg, Hände wie Eichenstämme! Und nur ein Auge!
Polyphem – es gibt ihn!

2. Gefährte
Still! Dort ist seine Höhle. Odysseus winkt uns hinein.

(In der Höhle)
1. Gefährte
Das darf bei Zeus nicht wahr sein! Warum verschwinden wir nicht?

3. Gefährte
Der Riese ist weit.
Wir sehen uns die Höhle an, vielleicht finden wir etwas Interessantes.

1. Gefährte
Du redest schon wie Odysseus.
Die Götter werden Eure Neugier gewiss bestrafen am Ende.

2. Gefährte
Seid leise!
Wir holen uns etwas zu essen – dann können wir ja wieder weiter.

1. Gefährte
Und was machen wir, wenn der Zyklop gerade jetzt in die Höhle zurückkehrt?

4. Gefährte
Mir ist auch nicht ganz wohl dabei – vor allem,
wenn du dauernd solchen Lärm machst.

3. Gefährte
Lass ihn doch kommen! Der Riese ist groß, ist plump.
Wir sind pfiffig und flink.

2. Gefährte
Schaut Euch das an: Köstlicher Käse, feinste Milch!
Wir sollten uns bedienen.

3. Gefährte
Seht! Odysseus gibt das Zeichen.
Männer, bedient Euch! Die Tafel ist köstlich gedeckt …

2. Gefährte
Der König hat recht! Wieso soll der Riese unser Feind sein?
Er wird uns freundlich bewirten.

1. Gefährte
Das werden wir ja dann sehen.
Das werden wir jetzt sehen!
Versteckt Euch! Er kommt! Seid leise!

2. Gefährte
Mir schlägt das Herz bis zum Hals!

(singen)
Gefährten
Zeus, steh uns bei!
Hol uns hier heraus!
Zeus, steh uns bei!
Jetzt hat er uns entdeckt.

Und jetzt greift
er nach uns mit der Riesenhand.
Und jetzt holt
er den ersten, den er hier fand.

Odysseus
Der Riese dort frisst meinen besten Mann,
was hab‘ ich den Gefährten angetan?
Meine Neugier ist ihr Todesfluch,
meine Weisheit ist nur Lug und Trug.

Der Riese dort ist groß so wie ein Berg,
was kann ich tun? Ich bin doch nur ein Zwerg!

Es ist vorbei! Zeus, steh mir bei!
Was soll ich tun? Was kann ich tun?

Polyphem
Houw! Wer seid Ihr?
Ihr schmeckt gut! Ihr bleibt hier!
Houw! Ihr bleibt hier!
Ihr schmeckt gut! Wer seid Ihr?

Gefährten
Zeus, er wird uns alle kriegen,
niemand wird ihn je besiegen.
Zeus, er wird uns alle fressen,
niemand kann sich mit ihm messen.

Odysseus
Männer, der Ausweg ist gefunden:
Niemand kann Riesen nur bezwingen.
Männer, der Berg ist überwunden:
Niemand wird ihm die Kunde bringen.

Riese, ich will Dir erklären,
Niemand heiß ich, will Dich ehren.
Nimm den Wein von deinen Gästen,
Wein zu Mensch – das schmeckt am besten.

Polyphem
Houw! Das schmeckt fein,
gib mir mehr von dem Wein.
Houw! von dem Wein,
gib mir mehr, das schmeckt fein.

(Polyphem trinkt, wankt, legt sich zum Schlafen nieder)

Odysseus
Schlaf, schlaf nur ein,
so kann mein Plan gedeih’n.

Gefährten
Des Königs Plan war genau ausgedacht.
Der Riese schlief fest und tief, weinberauscht.
Mit einem Pfahl stachen wir in sein Aug‘!
Mit einem Pfahl stachen wir in sein Aug‘!

(sprechen)
Ein Gefährte
Der Riese schrie!

Polyphem
Niemand hat das getan!

Eine Stimme hinter der Bühne
Warum schreist Du dann?

(singen)
Odysseus
Sein Schlaf macht blind!
Lasst uns flieh’n ganz geschwind.

Gefährten
Wie soll’n wir von hier entkommen?
Er hat uns den Mut genommen.
Sag uns, König, Deinen Fluchtweg.
Sag uns, wer das Tor uns öffnet.

Odysseus
Männer, das macht für uns der Riese,
wenn er das Vieh führt auf die Wiese.
Männer, die Widder soll’n uns führen,
denn wir woll’n uns an sie fest schnüren.

vor der Höhle
Frei, der Plan ist uns gelungen.
Frei, wir haben ihn bezwungen.
Schnell! Die Ruder angeschlagen.
Ich muss ihm noch etwas sagen.

Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!

Polyphem
Houw! Ich krieg Dich!
Niemand ist Odysseus!

Odysseus + Polyphem
Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!
Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!

 Polyphem
11. The Pig Song

THE PIG SONG

Schweine
Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
das Leben ist doch prima.
Bei Regen und bei Sonnenschein
benimmt man sich immerzu wie ein Schwein.

Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
wir brauchen nicht zur Arbeit.
Wir wälzen uns im Matsch herum
und warten auf die Mahlzeit.

Nein, das ist keine Schweinerei,
die ganze Welt ist uns schweinerlei,
und einmal eins, ja das macht schweins,
so schweinfach kann das Leben sein.

Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
wir fressen beste Reste,
das Wasser ist jetzt unser Wein,
was könnte denn wohl noch viel schöner sein?

Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
wir grunzen, statt zu reden.
Wir schlafen, wenn wir müde sind,
und jeder mag hier jeden.

Nein, das ist keine Schweinerei,
die ganze Welt ist uns schweinerlei,
und einmal eins, ja das macht schweins,
so schweinfach kann das Leben sein.

Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
wir sind so herrlich rosa.
In unsern Stall darf keiner rein,
da trifft sich stets unser Schweineverein.

Es ist schon schön, ein Schwein zu sein,
wir brauchen keine Schüssel.
Wir kratzen uns, wenn uns was juckt
und küssen mit dem Rüssel.

Nein, das ist keine Schweinerei,
die ganze Welt ist uns schweinerlei,
und einmal eins, ja das macht schweins,
so einfach kann, so schweinfach kann,
so herrlich kann das Leben schwein (sein)!

 The Pig Song
12. Circé Blues

CIRCE BLUES

Circe
Als ich heut‘ morgen aufstand, war da das Gefühl,
bleib‘ liegen, nicht bewegen nimm die Dinge kühl.
Ich ahnte schon, das würde nicht mein Tag werden heute, und nun
bleibst Du still da sitzen und wirst einfach kein Schwein.

Ich weiß nicht, wie – mein Zauber wirkt nicht.
Ich weiß nicht, was Du dagegen tust.
Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht hab‘
Weiß nur, dass ich den Circe-Blues hab‘!

Circe + Chor
Du bist nicht so wie die Andern.
Du bist so – ich weiß nicht wie.
Du bist der, der kommen musste.
Sei gegrüßt Odysseus.

Circe
Die Götter gaben Dir Kraft über meine Macht.
Wer hat sich das nur alles wieder ausgedacht?
Womöglich sollten wir das allerbeste draus machen, denn nun
bist Du einmal da – bleib‘ doch noch da für ein Jahr.

Ich weiß nicht, wie – mein Zauber wirkt nicht.
Ich weiß nicht, was Du dagegen tust.
Ich weiß nicht, was ich falsch‘ gemacht hab‘,
Weiß nur, dass ich den Circe-Blues hab‘!

Circe + Chor
Du bist nicht so wie die Andern.
Du bist so – ich weiß nicht wie.
Du bist der, der kommen musste.
Sei gegrüßt Odysseus.

Circe
Sag mir, was Du willst.
Dein Wunsch ist mein Wunsch,
denn dies ist mein Wunsch:
Bleib hier bei mir.

Circe + Chor
Du bist nicht so wie die Andern.
Du bist so – ich weiß nicht wie.
Du bist der, der kommen musste.
Sei gegrüßt Odysseus.

Du bist nicht so wie die Andern.
Du bist so – ich weiß nicht wie.
Du bist der, der kommen musste.
Sei gegrüßt Odysseus.
Sei gegrüßt, Odysseus.
Sei gegrüßt, Odysseus.

 Circé Blues
13. Schatten

SCHATTEN

(Sprechen)
1. Gefährte
Finster ist es, unheimlich – was wollen wir hier?

Odysseus
Schweigt Gefährten, hört mir zu!
Ein Jahr verbrachten wir bei der göttlichen Circe und ihren zahllosen Freuden.
Ein Jahr – und zuhause warten unsere Frauen, unsere Söhne.
Hört, was Circe mir riet für den Weg nach Ithaka:
„Dort, wo die Ströme sich treffen, wird das Tor zur Unterwelt sich Euch auftun“.

2. Gefährte
Die Unterwelt? Wir sollen in den Hades? Zu den Toten, den Schatten?

Odysseus
Nicht Ihr! Ich allein werde geh’n, einen Widder zu opfern.
Der Duft seines Blutes wird die armen Seelen zu mir führen.
Den blinden Seher Teiresias muss ich dort finden, er allein weiß, was die Götter mit uns noch vorhaben.
Wissen, Gefährten, ist Macht.

1. Gefährte
Gefahren, oh König, können töten.

Odysseus
Mag sein. Lasst mich geh’n.

Schatten (singen)
Blut riecht nach Leben und Tod.
Werstört uns selbst noch im Tod?
Elender Lebender,
sei gegrüßt im Tod.
Noch pocht Dein Herz.
Wir sind ewig
tot, tot, tot, tot.

Wer lebt, weiß nicht, was morgen ist,
wer stirbt, hat diese Sorgen nicht.
Leben, Leben, Leben, Leben.
Schmerz, Hass, Pein, Leid, Angst, Neid,
daraus ist Deine Welt gemacht,
bei uns gibt es nur: Tod.
Hier in Hades‘ Unterwelt,
da ist noch Platz für Dich, oh Held.

Tot, nur die Besten sind hier.
Komm, denn die Toten sind wir.
Niemand hier fürchtet sich
so wie Ihr vor’m Tod.
Niemand leidet,
denn wir sind schontot, tot, tot, tot.

Odysseus geht durch die Reihe der Toten, er sieht darunter bekannte Gesichter. Erschrocken ruft er sie an, nennt sie beim Namen…

Odysseus (spricht)
Agamemnon, Pataklos, Antiloches, Achilles, Ajax, Sysiphus, Tantalus, Mutter!

Die Schatten führen Odysseus zu Teiresias

Teiresias (singt)
Fürchte Dich nicht, das Feuer ließ nur die Schatten.
Haut, Fleisch und Knochen, Glut nahm uns, was wir hatten.
Du wirst noch leben, das ist der Götter Wille,
doch zürnt Poseidon Dir, Du nahmst Ihm den Sohn fast.

Teiresias
Lang wird Dein Heimweg,
ich sag, was Du zu tun hast.
Meide auf deiner Fahrt
den Sang der Sirenen.
Arm und allein wirst
Du nach Ithaka kommen.
Penelope ist Dir treu,
drum kämpf‘ um Sie.

Schatten
Niemand verließ
das Reich je der Toten.
Ihr lebt nur kurz
und ewig die Toten.
Bleib‘ doch bei uns:
Es leben die Toten!
Spürst Du es auch?
Wir lieben den Tod!

Schatten
Tot, nur die Besten sind hier.
Komm, denn die Toten sind wir.
Niemand hier fürchtet sich
so wie Ihr vor’m Tod.
Niemand leidet,
denn wir sind schon
tot, tot, tot, tot,
tot, tot, tot, tot.

 Schatten
14. Sirenen

SIRENEN

Odysseus
Die Götter sind mit uns.
Das ist es, was der Seher mir erzählt hat.
Rudert los, nach Haus,
doch hört mir zu.

Auf jener Insel dort
singen Sirenen ihren tödlich-schönen
Lockgesang. Schützt Euch,
und mich seilt fest.

Gefährten
Was ist am Singen denn gefährlich?
Uns macht das nichts.
Nun gut, wir werden Dir gehorchen.
Der Wachs für uns.
Das Seil für Dich.

Odysseus
Das habt Ihr gut gemacht.
Löst mich nicht los, bis die Gefahr vorbei ist,
auch wenn ich befehl
und schrei und wein‘.

Sirenen
Tausendschön
ist die Insel der Glückseligkeit.
Jeder Traum wird zur Wirklichkeit.
Träum von Liebe, leb die Ewigkeit.
Komm nur
und Du bist frei.
Fahr nicht vorbei.

Odysseus
Bindet mich los, sofort!
Ich sage, macht die Fesseln ab von mir,
mich ruft mein Glück, mein Traum.
Ich bin am Ziel.

Gefährten
Jetzt seht, wie unser Held sich windet
und weint und schreit.
Drum prüfe, wer am Mast sich bindet,
ob er es nicht
am End‘ bereut.

Sirenen
Tausendschön
ist die Insel der Glückseligkeit.
Jeder Traum wird zur Wirklichkeit.
Träum von Liebe, leb die Ewigkeit.
Komm nur
und Du bist frei.
Fahr nicht vorbei.

Gefährten
Der große König von Ithaka
verliert den Mut.
Der große Held so vieler Schlachten
weint wie ein Kind,
so wie ein Kind.

Sein Leiden nimmt ja gar kein Ende,
was hört er nur?
Die Kräfte gehen ihm zu Ende:
Er kämpft, er sinkt,
Er weint, er singt.

Sirenen + Odysseus
Tausendschön
ist die Insel der Glückseligkeit.
Jeder Traum wird zur Wirklichkeit.
Träum von Liebe, leb die Ewigkeit.
Träumen kann leben sein,
kann Leben sein,
kann Leben sein,
kann Leben sein.

 Sirenen
15. Abschied

ABSCHIED

Nausikaa
Nur ein Traum
Liebe ist nur ein Traum,
den ich träume.
Du wirst jetzt geh’n,
ich bleibe hier
und niemand sagt:
Bleib doch bei mir.

Odysseus
Das war kein Traum.
Liebe ist nicht nur Traum,
den wir träumen.
Wenn ich geh, dann bleibt doch
mein Herz hier für Dich,
vorher sah ich keine, so schön wie …

Nausikaa
Ihr müsst nun geh’n, edler König,
sagt nicht, was Ihr so nicht meint.
Ihr gabt das Herz einer Andern,
drum brecht nun nicht auch noch meins, nein,
Götter sandten Träume,-
sie sandten Leid für mich,
vorher sah ich keinen,
so falsch wie …

Chor 1
Dich ruft Penelope heim,
Ithaka wartet auf Dich.
Bald ist die Irrfahrt vorbei,
Die Odyssee ist vorüber.

Chor 2
Dich ruft Penelope heim,
Ithaka wartet auf Dich.
Bald ist die Irrfahrt vorbei,
Vorüber.

Chor
Götter sandten Träume
und Strafen und Leid.
Nun ist Zeit zur Heimkehr,
es ist so weit.

 Abschied
16. Vater

VATER

Telemachos
(spricht)
Die Meere hab‘ ich durchkreuzt, oh Vater,
Odysseus? Ja, der ist wohl bekannt überall, oh Vater.
Ein Held, ein Mann, ein Gott beinah‘ seist Du – Vater.
Doch wo ist er? Ich hab‘ lang gesucht nach Dir – Vater.
Jetzt da wir Dich brauchen hier – oh Vater.
Jetzt lässt Du uns alleine – Vater.

(singt)
Jeder Stern findet Platz dort am Himmel.
Jedes Schiff sucht den Hafen daheim.
Jedes Kind braucht die Liebe des Vaters,
zwanzig Jahr ließ uns Vater alleine.

Odysseus (als Bettler)
Sprich nicht schlecht über ihn,
wer weiß, was ihm geschah?
Wer kann dem Schicksal flieh’n?
Wer weiß, was mit ihm …

Telemachos
Hör auf: Er hat uns einfach vergessen.
Seinen Sohn, seine Frau, seine Freunde,
und wer weiß, lebt er längst schon woanders
und ließ uns hier im Unglück …

Odysseus (als Bettler)
Vater steht vor Dir, mein Sohn …

Telemachos
(spricht)
Odysseus? Reize mich nicht mit Spott, Fremder.
Odysseus? Doch seid Ihr mir sehr ähnlich – und mehr, Fremder.
Odysseus! Ihr seid wie ich, so ist es wahr? Du bist da? Vater!

(singt)
Diese Stadt ist nicht das, was sie einst war.
Diese Stadt ist ein Haus ohne Herr.
Diese Stadt braucht die Hilfe des Königs.
Diese Stadt braucht Dich seit zwanzig Jahren.

Athene
Denk‘ nicht schlecht über ihn,
Zeus hat ihm jetzt verziehn.
Kämpfe, Qualen und Tod,
Zeit voll Leid und voll …

Telemachos
Hör auf, wir woll’n den Streit jetzt vergessen,
denn mein Vater ist wieder zu Hause.
Er und ich kämpfen stets nun gemeinsam,
und nun fühle ich mich endlich
hier zu Haus, zu Haus!

Odysseus
Wie ein einsamer Stern
am Himmel zog ich
durch endlose Welten.
Doch das ist nun vorbei,
ich bin zurück,
komm halte mich fest,
halt mich für immer.

Telemachos
Wie ein einsamer Stern
am Himmel war ich,
bevor ich Dich traf.
Doch das ist vorüber.
Du hast mich einst verlassen,
doch Du gehst niemals wieder fort.

Odysseus, Telemachos, Athene
So wie Himmel und Meer
sich am Horizont
ganz sicher und sanft
am Ende doch finden,
so eint Menschen die Liebe,
wenn sie wissen, was Liebe ist.

 Vater
17. Im Palast 2

IM PALAST 2

Freier
Schaut, in unsrer Mitte steht ein Held, ein Mann von Welt.
Bild des Jammers, grau ist er und alt, die Schmutzgestalt.

Edel ist sein Fetzen-Gewand,
das er sicher bei den Schweinen einst fand,
und nun bettelt er am Hofe um Speis‘ und Trank.

Eine Magd
Spottet nicht, ein Greis
ist der doch nicht,
der Schein, der trügt.
Lacht nicht, denn den
jungen Bettler dort,
hat er besiegt.

Mägde
Schaut,
dort steht ein Held, ein Mann von Welt,
so grau, so alt, die Schmutz-Gestalt.
Seht sein Gewand, das er gewiß
bei Schweinen fand,
zum Glück gilt:

Freier + Mägde
Arm bleibt arm, und reich bleibt auch reich.
Er muß betteln, aber uns ist das gleich,
und nun schickt ihn heim in sein Lumpen-Königreich.

Antinoos
Laßt den Bettler
Bettler sein, und
hört, was ich Euch
sagen will: Die
Zeit ist reif, die
Zeit ist da, das
Warten muß ein
Ende haben.

Mägde
Hier ist der
Wein,
schenkt nochmal
ein,
kommt, stimmt mit
ein:
„Her mit den
gold’nen Bechern.“

Antinoos
Viele Jahre Warten
sind endgültig vorbei.
Bald, sehr bald kommt die Zeit,
daß hier eine Entscheidung fällt.
Wir brauchen einen Plan.

Mägde
Niemand, der singt.
Niemand, der trinkt.
Nun wird es ernst,
was hat der Bettler
nur getan?

Freier
Viel zu lang schon warten wir,
daß irgendwas geschehen soll.
Doch viel zu lang schon spielt mit uns
Penelope ihr falsches Spiel.
Nun woll’n wir Taten seh’n.

Ein Freier
Schlechte Kunde habe ich für Euch – der Mord schlug fehl!
Telemachos lebt und er erzählt: – Odysseus lebt!

Freier
Sterben muss er durch uns’re Hand.
Was auf See misslang, gelingt uns an Land.
Telemachos ist gefährlich für uns’ren Plan.

Antinoos
Morgen wird für uns zur Tat der Plan,
den ich ersann.
Morgen trifft Penelope die Wahl
für einen Mann.

Mägde
Hört den Plan, ein Mord soll bald gescheh’n,
der Königssohn soll untergeh’n.
Und morgen trifft nach langer Qual,
Penelope die Wahl.

Freier + Mägde
Morgen ist es endlich soweit,
dann verliert der große König sein Weib,
und die Königin vergisst den Gemahl.

Freier
Er ist kein Gott, kein Held,
vergessen wird er sein
auf der Welt.
Fort ist das Weib, das Reich,
der Sohn und nichts ist da,
was ihm bleibt.

Er war arm, er war reich,
war verrückt, war gescheit,
doch nun kam alles so,
wie es kam:
Er hat alles verloren.

Er ist kein Gott, kein Held,
vergessen wird er sein
auf der Welt.
Fort ist das Weib, das Reich,
der Sohn und nichts ist da,
was ihm bleibt.
Er war arm, er war reich,
war verrückt, war gescheit,
doch nun kam alles so,
wie es kam:
Er hat alles verloren,
er hat alles verloren,
er hat alles verloren.

Mägde
Er ist
kein Gott,
ist kein Held,
niemand
denkt an ihn
auf der Welt.

Er war arm, er war reich,
war verrückt, war gescheit,
doch nun kam alles so,
wie es kam:
Er hat alles verlor’n.

Vergessen
auf der Welt,
fort das Weib
und fort
das Reich,
Fort ist
der Sohn.
Reich war er
und gescheit:
vergessen
und verloren
und verloren
und verloren.

.
.
.
.
.
.

Eine Magde
Arm und reich,
verrückt, gescheit,
doch es kam,
wie es kam:
Er hat alles verlor’n.

Unvergessen bleibt Odysseus.
König, wann kommst
Du nur wieder?
Dein Volk braucht Dich,
Dein Volk braucht Dich.
Komm und hilf uns,
komm und hilf uns.
Sieh, sie nehmen
einfach alles,
komm und hilf uns:
Komm, wir brauchen Dich,
komm, wir brauchen Dich,
komm, wir brauchen Dich.

 Im Palast 2
18. Das Treffen

DAS TREFFEN

Penelope
Ihr ließt mich warten Fremder, wer seid Ihr?
König Odysseus kennt Ihr, sagt man mir.
Doch, Fremder, sagt mir erst, woher Ihr seid,
erzählt mir alles, Fremder, ich hab‘ Zeit.

Warten muss ich schon seit Jahren.
Warten ist ein Teil vom Tod.
Ungeduld nahm mir die Hoffnung,
doch hör‘ ich gern, was Ihr mir sagt.

Odysseus
Ein Bettler ist es, der hier vor Euch steht.
Nicht immer war ich so, wie Ihr mich seht.
Ich war ein Fürst, war reich, von edlem Blut.
Doch traf mich fürchterlich der Götter Wut.

Götter zürnten auch Odysseus,
Sturm trieb ihn an unser Land.
Ich nahm ihn als Gast in mein Haus,
wir zogen Arm in Arm zur Schlacht.

Penelope
So wär es wahr, was man erzählt?
Ihr saht den König selbst?
Was sagte er, wie sah er aus?
Was wisst Ihr noch von Ihm?

Aber ist es wahr, was Ihr mir da sagt?
Ich muss Euch erst prüfen:
Welche Kleider trug Odysseus,
und wer war bei ihm?

Odysseus
Lang ist’s her, doch purpurn war sein Kleid.
Golden war die Spange zu der Zeit
und darauf ein reich verziertes Bild:
Zwischen Mörderklauen hält ein
gierig-böser Hund ein kleines Reh fest,
und ein schwarz gelockter Mann
mit Namen Eurymates war so wie ein Bruder an Odysseus‘ Seit‘.

Penelope
So ist es wahr, Ihr habt ihn selbst geseh’n.
Doch lang ist’s her, Odysseus kommt nicht mehr.
Oh nein, sagt nicht, er sei schon auf dem Weg,
das hofft‘ ich all die Jahre viel zu sehr.

Doch mich freuten Eure Worte,
in den Worten lebte er …
Seid mein Gast, fühlt Euch zu Hause.
Die Magd wird nach dem rechten seh’n.

 Das Treffen
19. Schweigt

SCHWEIGT

Odysseus
Schweigt, liebste Amme,
Ihr habt mich erkannt.
Ich bin Odysseus
schweigt still wie ein Grab.

Dass ich hier bin, ist geheim,
vorsichtig muss ich noch sein.
Rache will ich für das Leid,
das Ihr hattet all die Zeit.

Jetzt hat bald die Schmach ein Ende,
mit dem Sohn bring‘ ich die Wende,
und dann feiern wir die Heimkehr,
feiern wir des Königs Heimkehr.

 Schweigt
20. Bald

BALD

Penelope (spricht)
Irgendetwas geht hier vor –
ich hatte ein seltsamen Traum.
Ein Adler, groß und stark, schoss vom Himmel herab in unseren Hof,
er tötete all unsere Gänse.
Ich mag‘ es nicht, wenn Tiere leiden, nicht einmal im Traum.
Doch der Adler sprach, mit Menschenstimme:
Er sei mein Gemahl, die Gänse aber seien die Freier.
So wie der Adler die Gänse, so werde er die Freier heimsuchen
und ihnen heimzahlen, was sie mir getan.
Ein seltsamer Traum.
Und seltsam auch dies:
Der Bettler, der merkwürdig nahe mir steht, machte mehrfach mir Mut.
Der Traum sei ein sicheres Zeichen –
und auch er wüsste sicher, dass Odysseus bald heimkehrt.
Bald?

Schon morgen, so hatte ich beschlossen, werden die Freier zum Wettkampf antreten.
Mit dem Bogen des Königs soll’n sie versuchen, was Odysseus einst tat:
Den Pfeil sollen sie schießen, durch zwölf eherne Äxte hindurch.
Dem, der dies dem Gatten gleichtut,
so hatt‘ ich verkündet,
würde die Hand zur Heirat ich reichen.
Und nun? Dies Warten ist furchtbar,
aber lieber ist mir dies Warten,
als morgen womöglich die schändliche Gewissheit,
dass den Falschen zum Gatten ich nahm.

Penelope (singt)
Warten, ist wie ein Traum.
Wer hält mich, wenn der Traum jetzt ausgeträumt ist?
Wer sagt mir, was nach der Zeit des Wartens wird?
Und Hoffnung nicht mehr bleibt …

Penelope + Athene
Endlich, nach langer Nacht
schickt der Tag seine ersten Sonnenstrahlen,
es wird hell und dann gibt es keinen Weg zurück,
irgendwas wird gescheh’n.

Telemachos + Odysseus
Morgen ist es soweit,
morgen schlägt die Stunde der Entscheidung.
Es beginnt das Ende der Vergangenheit
und es bricht die neue Zukunft an.

Freier
Morgen ist die Warterei vorbei.
Morgen ist des Königs Gattin frei.
Einer nimmt die Königin zum Weib.
Einer von uns wird bald König sein.

Penelope
Was wird morgen sein?
Wer wird bei mir sein?
Was kommt
nach dem Traum?

Mägde
War die Zeit des Wartens
denn nicht schön?
Warum muß die Zeit
zuende geh’n?
Alles, was wir träumten,
hatten wir: Wein, Gesang,
ein Dutzend Männer hier.

Odysseus
Gestern ist vorbei.
Morgen
dämmert schon.
Götter,
steht mir bei,
die neue Zeit
fängt an.

Athene
Haltet
Euch
bereit
für die
neue Zeit.
Nichts wird,
wie es war.

Odysseus + Telemachos
Viel zu viel ist
in der Zeit gescheh’n.
Viel zu viel, das
kann nicht weiter geh’n.
Uns vereinte
lange nur ein Traum.
Stärker war der Traum
als Zeit und Raum.
Doch der Traum ist
glücklich ausgeträumt,
haltet Euch bereit,
denn dem Warten
folgt die neue Zeit.

Freier
Morgen,
komm herbei,
bring‘ uns
Weib und Reich.
Welch ein
Lohn
für all
die Zeit.
Das Warten
ist zuende,
wie ein Traum
nach all den Jahr’n,
nach all der Zeit.

Penelope + Athene
Endlich
nach langer Nacht,
schenkt der
Tag uns seine
erste
Sonnenstrahlen.
Es wird
hell und dann führt
uns kein Weg
mehr zurück.
All das Warten
und das Träumen
sind vorbei.

Mägde
Blieb‘ die Zeit
doch steh’n.
Was wird nun
gescheh’n?
Warten ist
wie träumen.
Warum nur
muß der Traum
zuende sein?
Wir hatten
alles,
was wir
wollten hier.

Alle
Warten ist wie ein Traum,
denn im Traum, ist noch jedes Ende möglich.
Warten heißt, dass da immer noch die Hoffnung bleibt
auf das Bald, das Vielleicht,
auf das Ziel, auf das Glück.

 Bald
21. Die Rache

Instrumental

 Die Rache
22. Reue

REUE

(sprechen)
Odysseus
Da klebt Blut an meinen Händen,
Blut, überall Blut.
Ist es mein Blut, das Blut all der Toten?
Tot sind sie alle, wohin ich auch schau.
Soviel Leid, soviel Blut, ich weiß nicht genau:
Muss das alles immer so sein?
Der Schafhirt da draußen,
in seiner Hütte, –
der tötete sicher noch nie einen Mann.
Und ich:
Ich rieche noch das Blut und das Feuer,
die Schreie und das Klagen hör‘ ich noch –
von Troja – der einst himmlischen Stadt.
Männer, Helden, Götter fast – sie starben,
die tapferen Gefährten,
die stets zu mir hielten – sie starben.
Alle sind tot, gestorben durch meine Schuld –
ich trieb sie in all die Gefahren.
Die hier – alle tot.
Gewiss, sie machten der Gattin
das Leben zur Hölle,
sie plünderten fast den ganzen Palast.
Aber dies Blut hier –
hätt‘ ich sie einfach vertrieben –
den Frieden hätt‘ ich dann auch.
Götter!
Zeus!
Ist dies Blut hier
das, was Ihr wolltet?

Penelope
Schweig jetzt,
Du bist wieder da.
Ich hatte geglaubt,
Du seist lang schon tot –
und dann wieder wusst‘ ich –
Du kommst doch zurück.

Odysseus
Schau nur,
all dies Blut
an meinen Händen …

Penelope
Schweig jetzt,
die Götter, sie sandten Dich
heim zu mir.
Sie wollten und wussten,
dass dies hier geschieht.
Dies war nur ein Spiel,
ein blutiger Akt
in einem lang, langen Spiel,
gespielt von uns – zur Freude der Götter.
Die Götter, sie schickten Dich fort,
sie sandten die Freier,
die lang mich hier quälten.
Dann brachten sie Dich,
um dies hier zu tun,
nach Hause zurück.
Sei ganz ruhig.
Du bist wieder da.
Das ist genug –
wir wollen dankbar sein.

 Reue
23. Schau nicht zurück - 24. Final

SCHAU NICHT ZURÜCK

Penelope
Welches Ziel hatte das Spiel,
das das Schicksal mit uns spielt.
Welch ein Spiel! Es ging um
Leben und um Tod und viel zu viel.
Doch jetzt ist’s vorbei, denn Du bist da.

Odysseus
Ich war König, war ein Held.
Von mir singt die ganze Welt,
und ich war doch nur im
Spiel der Götter eine Spielfigur.
Doch nun bin ich wieder da.

Penelope + Odysseus
Kein Mensch dreht je
die Zeit zurück,
kein Gott gibt uns das,
was wir verloren haben.
Schau nicht zurück,
schau nur nach vorn,
ein neues Leben
fängt jetzt an.

Kalypso
Du warst bei mir,
doch Dein Herz war woanders.

Circe
Du bist nicht so wie all die Andern,
Du bist – ich weiß nicht wie …

Nausikaa
Es blieb‘ nur ein Traum.

1. Gefährte
Zyklopenkampf,

2. Gefährte
Sirenensang,

3. Gefährte
das Totenreich,

4. Gefährte
Schiffuntergang.

Gefährte
Vorbei heißt nicht vergessen,
wir sind bei Dir.

Alle
Welches Ziel hatte das Spiel,
das das Schicksal mit uns spielt.
Und wir war’n doch nur im Spiel
der Götter kleine Spielfigur’n,
und noch ist das Spiel nicht aus.

Kein Mensch dreht je
die Zeit zurück,
kein Gott gibt uns das,
was wir verloren haben.
Schau nicht zurück,
schau nur nach vorn,
ein neues Leben
fängt jetzt an.

**

FINAL

Freier
Er ist kein Gott,
kein Held,
ein Mensch ist es, der
hier vor Euch steht.
Kein Held,
ein Mensch, der liebt und
lügt und betrügt.
Kein Gott,
ein Mensch, der selbst am
meisten sich liebt.
Kein Held,
ein Mensch, der meist erst

Freier
handelt dann denkt.
Kein Gott,
ein Mensch, der and’re
Menschen gern lenkt.
Kein Held,
ein Mensch, der List und
Tücke wohl kennt.
Kein Gott,
ein Mensch, der stets den
harten Weg geht.
Kein Held,
ein Mensch, der gut zu
reden versteht.
Kein Gott,
ein Mensch, der seinem
Sohn lange fehlt.
Kein Held,
ein Mensch, der seine
Frau ziemlich liebt.
Kein Gott,
ein Mensch, der häufig
sagt, was er denkt.
Kein Held,
ein Mensch, der viele

Gefährten
Man trank aus
goldenen
Bechern,
man trank den
göttlichen
Wein.
Man führte
blutige
Kriege,
hörte die
Sterbenden
schrei’n.
Loblieder
priesen
Odysseus,
Loblieder
priesen sein
Weib.
Lügen für
Lust und aus
Liebe,
Lügen aus
Not und aus
Leid.

Freier
Fragen sich stellt.
Kein Gott,
ein Mensch, der Furcht und
Ängste kaum kennt.
Kein Held,
ein Mensch, der viele
Freunde verlor
Kein Gott,
ein Mensch, der selten
Gnade nur gab.
Kein Held,
kein Gott.

Gefährten
Kampf gegen
Riesen-
Gestalten,
Kampf gegen
Götter-
gesang.
Tod für die
schreienden
Freier,
Leben im
Totenreich, Leben
hat seinen Preis.

Pe.Ka.Na.Ci
Er ist
kein
Gott.
Er ist
kein
Held.
Es ist
ein
Mensch,
der vor
Euch
steht.

Mägde
Odys-
seus,
Pe-
nelo-
pe.
Nach
zwanzig
Jah-
ren
wieder
ver-
eint.

Alle
Spiel und Ernst
heißt Leben,
und das Spiel
hat ein Ende hier.

 Schau nicht zurück & Final

INHALT

Kurzfassung der Geschichte

1. AKT
Die Götter vergnügen sich beim Puppenspiel – wie Marionetten hängen die Menschen an den Fäden, die die Götter ziehen.
Es gefällt ihnen, angebetet und angefleht zu werden.
Vielleicht lassen sie dann ab von ihrem grausamen Spiel – vielleicht für einen Augenblick.

Auf der Insel Ithaka, im Palast des Königs Odysseus, herrschen wüste Zustände.
Odysseus ist seit der großen Schlacht um Troja vor 18 Jahren verschollen.
Die Sänger erzählen in ihren Liedern von seinen Heldentaten“ als wäre er schon tot.
Einzig Penelope, seine Gattin, hofft noch auf seine Rückkehr.
Zunehmend wird sie jedoch von einer Schar dreister Freier umringt, die sich im Palast eingenistet haben, um Penelope zur Frau zu nehmen und dann selbst König von Ithaka zu werden.
Telemachos, Sohn des Odysseus, will diesen unerträglichen Zustand beenden.
Er befolgt den Ratschlag der Göttin Athene und macht sich auf die Suche nach seinem Vater.
Der Seher Halitherse verkündet Unheil und wird von den Freiern verspottet.

Penelope zieht sich zurück in ihre Gemächer.
Eine kindliche, spielerische Ballettszene ist der Ausdruck ihrer Schwankung zwischen Hoffnung und Resignation.

Odysseus lebt zur selben Zeit auf der Insel Ogygia bei der Halbgöttin Kalypso.
Dort ist er nach dem Verlust all seiner Gefährten gestrandet.
Das war der Wille der Götter, die Odysseus schwer beleidigt hatte.
Die Götter scheinen sich nun beruhigt zu haben und schicken Hermes, die Botschaft zu überbringen:
Odysseus soll nun frei sein. Kalypso ist außer sich vor Wut und Trauer über die zwangsläufig beendete Liebesbeziehung.
Vor der Trennung lieben sich Odysseus und kalypso ein letzes Mal.

Nach siebzehn Tagen auf dem Meer ergreift ein ungeheurer Sturm das mit Kalypsos Hilfe gebaute Floß, und Odysseus droht den Wogen zum Opfer zu fallen.
Athene erscheint in Form eines Wasserhuhns und reicht Odysseus ein Zauberhemd, mit dem er sich wider Willen in die Fluten stürzt. Er wird an das Ufer der Insel Scheria gespült. Gebrochen, aber lebendig.

Nausikaa, Tochter des Königs Alkinoos und der Königin Arete, findet Odysseus am Strand.
Sie nähert sich ihm und verfällt in tiefe Bewunderung.
Als Odysseus erwacht, gelingt es ihm gerade noch, die beschämt davon fliehende wunderschöne Königstochter zu sehen.

Odysseus fleht im Palast von Alkinoos um Hilfe. Die Königin erkennt den Mantel ihrer Tochter und Nausikaa gibt zu, Odysseus tatsächlich gefunden zu, haben.
Allen Anwesenden ist offensichtlich, dass sie Gefallen an ihm gefunden hat.
Odysseus steht der Schmerz über jedes Wort des Barden ins Gesicht geschrieben.
Er will sich zu erkennen geben.

Odysseus beginnt, seine Geschichte zu erzählen, alle hören ihm gebannt zu:
„Ich bin kein Gott, kein Dieb, Odysseus ist es, der vor Euch steht König und Held, von dem die Welt so manche Sage erzählt. Ich bin arm, ich bin reich, bin verrückt, bin gescheit, doch ich weiß ganz genau, was ich will: nach Ithaka zurück.“ Wie in Trance beschreibt Odysseus seine Irrfahrten.

In Polyphems Höhle
Odysseus und seine Gefährten sind auf der Zyklopen-Insel gelandet.
Hunger, aber auch Odysseus‘ Neugier treibt alle in die Höhle.
Odysseus bemerkt erst, in welcher Gefahr er und seine Leute sich befinden, als einer der Gefährten plötzlich von Polyphem ergriffen und gefressen wird. Odysseus erdenkt eine List und macht den Riesen betrunken. Dem im Vollrausch bewusstlosen Riesen stechen alle gemeinsam das Auge aus. Sie fliehen.

In Circes Haus
in einer fröhlichen Revue berichten die von Circe zu Schweinen verwandelten Gefährten über ihr derzeit sorgloses Leben.
Eurylochos ist der einzige Gefährte, der nicht verwandelt wurde.
Er eilt zum Schiff zurück und erstattet Odysseus Bericht. Sofort ziehen sie los, um die Gefährten zu retten. Auf dem Weg treffen sie Hermes, der ihnen ein Heilkraut gegen Circes Zauber gibt.
Circes Zauber hat nicht gewirkt. Odysseus sitzt gelangweilt in ihren Gemächern, während Circe sich beklagt. Während ihres Liedes reizt sie Odysseus jedoch durch ihren betörenden Tanz so sehr, dass er sich ihr schließlich doch hingibt.

Im Reich der Toten
Erst nach einem Jahr zieht Odysseus mit seinen Gefährten weiter.
Circe hatte ihm geraten, in die Unterwelt zu gehen und den blinden Seher Teiresias zu befragen.
Er allein weiß, was die Götter noch im Schilde führen.
Im Hades, der Unterwelt, angekommen, wird Odysseus von den Toten, den Schatten, umzingelt, die gierig nach dem Leben sind. Teiresias tritt auf und teilt Odysseus mit, dass er auf seiner Fahrt den Gesang der Sirenen zu vermeiden habe.
Penelope sei ihm treu, deswegen solle er um sie kämpfen.

Auf dem Schiff
Kurz vor der Insel der Sirenen erteilt Odysseus den Gefährten den Befehl, ihn an den Mast zu binden. Seine Neugier treibt ihn dazu, entgegen der Empfehlung des Sehers, einmal den Gesang der Sirenen zu hören.
Die Gefährten stopfen sich die Ohren mit Wachs zu und gehorchen ungläubig.
Unter Qualen erträgt Odysseus die schrillen und grellen Töne, die angeblich töten.
Die Gefährten machen sich indes über die Qualen ihres nun wie ein Kind weinenden Königs lustig.

In Alkinoos‘ Palast
Odysseus ist am Ende seiner Erzählungen angelangt. Die Zuhörer im Palast sind ergriffen von Odysseus‘ Schilderungen. Die Enttäuschung bei Nausikaa ist jedoch groß.
Sie hatte sich bereits in den Helden verliebt.
Voller Stolz schickt sie Odysseus fort, obwohl er sie mit schönen Worten zu trösten versucht.
‚Ihr gabt das Herz einer anderen, nun brecht nicht auch noch meins.
“ Es ist Zeit für Odysseus heimzugehen. Er muss seine Irrfahrt beenden.

2. Akt
Als Bettler verkleidet, trifft Odysseus auf Ithaka seinen Sohn Telemachos.
Der Sohn erkennt ihn zunächst nicht. Zwanzig Jahre habe Odysseus seine Familie und seine Stadt im Stich gelassen. Odysseus gibt sich beschämt zu erkennen.
Athene, die immer über Odysseus wacht, besänftigt Telemachos.
Er verzeiht seinem Vater.

Im Palast wird Odysseus, immer noch als Bettler verkleidet, von den Freiern und Mägden verspottet und rausgeworfen. Die Freier sind verärgert, dass Telemachos nun die Kunde von der Heimkehr des Königs verbreitet. Denn Penelope hatte sich entschieden, am folgenden Tag einen Freier zum Gatten zu nehmen.
Nur einige Mägde hoffen noch auf die Rückkehr ihres Königs.
„Komm, wir brauchen Dich.“

Penelope bittet derweil den Bettler zu sich, der angeblich etwas über Odysseus weiß.
Der Bettler kann beweisen, dass er mit Odysseus zusammengewesen ist, Penelope erkennt Odysseus aber nicht. Eurykleia, die einstige Amme, wäscht anschließend dem Bettler die Füße und schwärmt von ihrem Herrn.
Dann erkennt sie eine Narbe am Fuß des Bettlers.

Odysseus befiehlt der Amme zu schweigen und erklärt ihr seinen Plan.

Penelope scheint dem Drängen der Freier nachzugeben. Sie will einen Wettkampf veranstalten, bei dem der Freier, der Odysseus‘ Bogen spannen kann und dann den Pfeil durch zwölf eherne Äxte schießt, König und somit Penelopes neuer Mann werden soll. Alle erwarten mit Spannung den nächsten Tag.
Manche hoffen, manche bangen.

Es ist der Tag, für den Penelope den Wettkampf angeordnet hat.
Die Götter freuen sich auf das Spektakel, das ihnen Odysseus bescheren wird.
Für sie ist Odysseus‘ Rachezug nicht mehr als der amüsante Abschluss eines langen Spiels.
Über das Ende der Geschichte haben sie schon entschieden.
Alle Freier werden sterben. Odysseus ist der Götter Werkzeug.
Keiner der Freier kann Penelopes Aufgabe bewältigen.
Alle lachen, als der Bettler darum bittet, den Bogen spannen zu dürfen, bis er es schafft und mit dem Pfeil auf die Freier zielt.
Der Beginn eines wütenden Rachezuges, dem sich kein Freier entziehen kann.

Nach dem Blutbad bleibt Odysseus allein zurück. Ihm kommen Zweifel an seinem Handeln, als er all das Blut an seinen Händen sieht. Vor seinen Augen läuft noch einmal seine Geschichte ab.
Troja, der Verlust all seiner Gefährten. Er bereut seine Taten und fleht die Götter an.
Penelope tritt ein und erkennt Odysseus. Sie erklärt: ‚Die Götter haben das so gewollt.
Du bist wieder da. Das ist genug.‘

Ein Teil des Lebens ist jetzt vorüber ein neues Leben fängt an.
Wie eine Vision erscheinen noch einmal alle, die Odysseus‘ Weg während all der Jahre gekreuzt haben.
Ihre Bilanz ist nüchtern:
„Er ist kein Gott, kein Held, es ist ein Mensch, der vor Euch steht.

PRESSEBERICHTE

Aus den Krefelder Tageszeitungen

Plakate der Musicalproduktionen
der Musikschule der Stadt Krefeld

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 14. Juni 1993

Vom Klang der Sirenen betört
Das Premierenpublikum war einfach begeistert

Mehr lesen

Rheinische Post Krefeld, 14. Juni 1993

Ein Vergnügen - nicht nur für Götter
Eingängige Melodie in bester West-Side-Story-Manier

Mehr lesen

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 18. April 2005

Odysseus und das Grunzen der Gefährten
Beindruckend waren auch die ausgefallenen Choreographien

Mehr lesen

Rheinische Post Krefeld, 18. April 2005

Götterspaß am Puppenspiel

Mehr lesen

WEITERE INFORMATIONEN

Das Ansichtsmaterial finden Sie hier: ANSICHTSMATERIAL

Die Kosten für die Aufführungsrechte und für das Aufführungsmaterial erfahren Sie hier: AUFFÜHRUNGSRECHTE & AUFFÜHRUNGSMATERIAL

Die Vorgehensweise für Bestellungen wird hier erläutert: BESTELLUNGEN