(sprechen)
1. Gefährte:
Beim Zeus, warum können wir nicht einfach nach Hause fahren?
2. Gefährte:
Schaut Euch das an: Diese Wiesen! Und dort diese Ziegenherde!
Das wird ein Festmahl!
3. Gefährte:
Ich seh’ nichts vor lauter Nebel.
2. Gefährte:
Doch da! Schau doch!
4. Gefährte:
Ja, aber seht dort! Dieser Riese!
Groß wie ein Berg, Hände wie Eichenstämme! Und nur ein Auge!
Polyphem – es gibt ihn!
2. Gefährte:
Still! Dort ist seine Höhle. Odysseus winkt uns hinein.
In der Höhle
1. Gefährte:
Das darf bei Zeus nicht wahr sein! Warum verschwinden wir nicht?
3. Gefährte:
Der Riese ist weit.
Wir sehen uns die Höhle an, vielleicht finden wir etwas Interessantes.
1. Gefährte:
Du redest schon wie Odysseus.
Die Götter werden Eure Neugier gewiss bestrafen am Ende.
2. Gefährte:
Seid leise!
Wir holen uns etwas zu essen – dann können wir ja wieder weiter.
1. Gefährte:
Und was machen wir, wenn der Zyklop gerade jetzt in die Höhle zurückkehrt?
4. Gefährte:
Mir ist auch nicht ganz wohl dabei – vor allem,
wenn du dauernd solchen Lärm machst.
3. Gefährte:
Lass ihn doch kommen! Der Riese ist groß, ist plump.
Wir sind pfiffig und flink.
2. Gefährte:
Schaut Euch das an: Köstlicher Käse, feinste Milch!
Wir sollten uns bedienen.
3. Gefährte:
Seht! Odysseus gibt das Zeichen.
Männer, bedient Euch! Die Tafel ist köstlich gedeckt …
2. Gefährte:
Der König hat recht! Wieso soll der Riese unser Feind sein?
Er wird uns freundlich bewirten.
1. Gefährte:
Das werden wir ja dann sehen.
Das werden wir jetzt sehen!
Versteckt Euch! Er kommt! Seid leise!
2. Gefährte:
Mir schlägt das Herz bis zum Hals!
(singen)
Gefährten:
Zeus, steh uns bei!
Hol uns hier heraus!
Zeus, steh uns bei!
Jetzt hat er uns entdeckt.
Und jetzt greift
er nach uns mit der Riesenhand.
Und jetzt holt
er den ersten, den er hier fand.
Odysseus:
Der Riese dort frisst meinen besten Mann,
was hab’ ich den Gefährten angetan?
Meine Neugier ist ihr Todesfluch,
meine Weisheit ist nur Lug und Trug.
Der Riese dort ist groß so wie ein Berg,
was kann ich tun? Ich bin doch nur ein Zwerg!
Es ist vorbei! Zeus, steh mir bei!
Was soll ich tun? Was kann ich tun?
Polyphem:
Houw! Wer seid Ihr?
Ihr schmeckt gut! Ihr bleibt hier!
Houw! Ihr bleibt hier!
Ihr schmeckt gut! Wer seid Ihr?
Gefährten:
Zeus, er wird uns alle kriegen,
niemand wird ihn je besiegen.
Zeus, er wird uns alle fressen,
niemand kann sich mit ihm messen.
Odysseus:
Männer, der Ausweg ist gefunden:
Niemand kann Riesen nur bezwingen.
Männer, der Berg ist überwunden:
Niemand wird ihm die Kunde bringen.
Riese, ich will Dir erklären,
Niemand heiß ich, will Dich ehren.
Nimm den Wein von deinen Gästen,
Wein zu Mensch – das schmeckt am besten.
Polyphem:
Houw! Das schmeckt fein,
gib mir mehr von dem Wein.
Houw! von dem Wein,
gib mir mehr, das schmeckt fein.
(Polyphem trinkt, wankt, legt sich zum Schlafen nieder)
Odysseus:
Schlaf, schlaf nur ein,
so kann mein Plan gedeih’n.
Gefährten:
Des Königs Plan war genau ausgedacht.
Der Riese schlief fest und tief, weinberauscht.
Mit einem Pfahl stachen wir in sein Aug’!
Mit einem Pfahl stachen wir in sein Aug’!
(sprechen)
Ein Gefährte:
Der Riese schrie!
Polyphem:
Niemand hat das getan!
Eine Stimme hinter der Bühne:
Warum schreist Du dann?
(singen)
Odysseus:
Sein Schlaf macht blind!
Lasst uns flieh’n ganz geschwind.
Gefährten:
Wie soll’n wir von hier entkommen?
Er hat uns den Mut genommen.
Sag uns, König, Deinen Fluchtweg.
Sag uns, wer das Tor uns öffnet.
Odysseus:
Männer, das macht für uns der Riese,
wenn er das Vieh führt auf die Wiese.
Männer, die Widder soll’n uns führen,
denn wir woll’n uns an sie fest schnüren.
vor der Höhle
Frei, der Plan ist uns gelungen.
Frei, wir haben ihn bezwungen.
Schnell! Die Ruder angeschlagen.
Ich muss ihm noch etwas sagen.
Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!
Polyphem:
Houw! Ich krieg Dich!
Niemand ist Odysseus!
Odysseus + Polyphem:
Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!
Houw! Hörst Du mich?
Niemand ist Odysseus!
(Text von Karlheinz Wagner)
Schatten: (singen)
Blut – riecht nach Leben und Tod.
Wer – stört uns selbst noch im Tod?
Elender Lebender,
sei gegrüßt – im Tod.
Noch pocht Dein Herz.
Wir sind ewig
tot, tot, tot, tot.
Wer lebt, weiß nicht, was morgen ist,
wer stirbt, hat diese Sorgen nicht.
Leben, Leben, Leben, Leben.
Schmerz, Haß, Pein, Leid, Angst, Neid -
daraus ist Deine Welt gemacht,
bei uns gibt es nur: Tod.
Hier in Hades’ Unterwelt,
da ist noch Platz für Dich, oh Held.
Komm – Denn die Toten sind wir.
Tot – Nur die Besten sind hier.
Niemand hier fürchtet sich
so wie Ihr – vor’m Tod.
Niemand leidet,
denn wir sind schon
tot, tot, tot, tot.
Odysseus geht durch die Reihe der Toten, er sieht darunter bekannte Gesichter. Erschrocken ruft er sie an, nennt sie beim Namen..
Odysseus: (spricht)
Agamemnon, Pataklos, Antiloches, Achilles, Ajax, Sysiphus, Tantalus, Mutter …
Die Schatten führen Odysseus zu Teiresias
Teiresias: (singt)
Fürchte Dich nicht – das Feuer ließ nur die Schatten.
Haut, Fleisch und Knochen – Glut nahm uns, was wir hatten.
Du wirst noch leben – das ist der Götter Wille,
doch zürnt Poseidon Dir – Du nahmst Ihm den Sohn fast.
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Teiresias: |
Schatten: |
Schatten:
Komm – Denn die Toten sind wir.
Tot – Nur die Besten sind hier.
Niemand hier fürchtet sich
so wie Ihr – vor’m Tod.
Niemand leidet,
denn wir sind schon
tot, tot, tot, tot,
tot, tot, tot, tot.
(Text von Karlheinz Wagner)
Penelope:(spricht)
Irgendetwas geht hier vor -
ich hatte ein seltsamen Traum.
Ein Adler, groß und stark, schoss vom Himmel herab in unseren Hof,
er tötete all unsere Gänse.
Ich mag’ es nicht, wenn Tiere leiden – nicht einmal im Traum.
Doch der Adler sprach, mit Menschenstimme:
Er sei mein Gemahl, die Gänse aber seien die Freier.
So wie der Adler die Gänse, so werde er die Freier heimsuchen
und ihnen heimzahlen, was sie mir getan.
Ein seltsamer Traum.
Und seltsam auch dies:
Der Bettler, der merkwürdig nahe mir steht, machte mehrfach mir Mut.
Der Traum sei ein sicheres Zeichen -
und auch er wüsste sicher, dass Odysseus bald heimkehrt.
Bald?
Schon morgen, so hatte ich beschlossen, werden die Freier zum Wettkampf antreten.
Mit dem Bogen des Königs soll’n sie versuchen, was Odysseus einst tat:
Den Pfeil sollen sie schießen – durch zwölf eherne Äxte hindurch.
Dem, der dies dem Gatten gleichtut,
so hatt’ ich verkündet,
würde die Hand zur Heirat ich reichen.
Und nun? Dies Warten ist furchtbar,
aber lieber ist mir dies Warten,
als morgen womöglich die schändliche Gewissheit,
dass den Falschen zum Gatten ich nahm.
Penelope: (singt)
Warten, ist wie ein Traum
Wer hält mich, wenn der Traum jetzt ausgeträumt ist?
Wer sagt mir, was nach der Zeit des Wartens wird?
Und Hoffnung nicht mehr bleibt …
Penelope + Athene:
Endlich, nach langer Nacht
schickt der Tag seine ersten Sonnenstrahlen,
es wird hell und dann gibt es keinen Weg zurück,
irgendwas – wird gescheh’n.
Telemachos + Odysseus:
Morgen ist es soweit,
morgen schlägt die Stunde der Entscheidung.
Es beginnt das Ende der Vergangenheit
und es bricht die neue Zukunft an.
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Freier: |
Penelope: |
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Mägde: |
Odysseus: |
Athene: |
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Ody + Tel: |
Freier: |
Pen + Ath: |
Mägde: |
(Text von Karlheinz Wagner)