© 1992
Musical von Phan Trat Quan und Karlheinz Wagner nach Homers Erzählung
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte und Dialoge: Karlheinz Wagner
Aufführungsdauer: 110 Minuten
Altersgruppe: Jugendliche und Erwachsenen
Anzahl der Musiknummern: 24 (1- bis 4-stimmig)
2 Akte / 18 Szenen
12 Bühnenbilder
17 Hauptrollen, Gefährte, Freier, Mägde, Götter usw.
Orchesterbesetzung:
2 Flöten, 2 Oboen (English Horn), 2 Bb Klarinetten (Bass Klarinette), Fagott, 2 Hörner, 2 Trompeten,
2 Posaunen, 3 Keyboards, 2 Percussion, Violinen 1 & 2, Bratschen, Violoncelli, Kontrabass (E.Bass)
Uraufgeführt am 12. Juni 1993 in Krefeld
Das Musical „Die Odyssee“ ist eine anspruchsvolle Umsetzung eines der größten Epen aller Zeiten.
Die spannende Sage um den heldenhaften Griechen-König Odysseus und seine abenteuerliche Irrfahrt nach Hause zu Königin Penelope und Sohn Telemachos hat Künstler in allen Epochen inspiriert.
Odysseus’ Abenteuer auf der Rückfahrt nach Ithaka bietet viel Platz für Solo-Rollen und aufwendige Bühnenbilder: Odysseus’ Exil auf der Insel der Halbgöttin Kalypso, seine Begegnung mit der Zauberin Circe, verführerische Sirenen wollen Odysseus in den Tod locken, einen Abstecher in die Unterwelt der Toten und ein Kampf mit einem Zyklopen – alles lakonisch kommentiert von einer Riege gelangweilt-spöttischer Götter.
Odysseus’ Gattin muss sich derweil zuhause auf Ithaka gegen gierige Freier wehren.
Die Kontraste zwischen Liebe und Hass, Kraft und Schwäche machen Odysseus’ Abenteuern zu einer der spannendsten Erzählungen des klassischen Altertums.
Die musikalische Umsetzung der Geschichte in 2 Akten, 18 Szenen und 24 Musiknummern kombiniert symphonische Stilmittel mit modernen Klängen.
Gefühlvolle Liebes-Duette, werden durch fantastisch-surrealistische Szenen abgelöst,ausdrucksstarke Massen- Kampfszenen ufern in stille Bekenntnisse.
Komplexe mehrstimmige Lieder, Hand in Hand mit einfachen Songs, groteske Göttertänze im Kontrast zu lyrischen Ballettszenen sowie die große Achtung vor einer Geschichte, die die Zeit überdauert hat, sind die Komponenten des Musicals “Die Odyssee”.
Mit über 17 Solo-Rollen und vielen Massenszenen eignet sich das Musical „Die Odyssee“ besonders gut für große Ensembles.
1. AKT
Die Götter vergnügen sich beim Puppenspiel – wie Marionetten hängen die Menschen an den Fäden, die die Götter ziehen.
Es gefällt ihnen, angebetet und angefleht zu werden.
Vielleicht lassen sie dann ab von ihrem grausamen Spiel – vielleicht für einen Augenblick.
Auf der Insel Ithaka, im Palast des Königs Odysseus, herrschen wüste Zustände.
Odysseus ist seit der großen Schlacht um Troja vor 18 Jahren verschollen.
Die Sänger erzählen in ihren Liedern von seinen Heldentaten" als wäre er schon tot.
Einzig Penelope, seine Gattin, hofft noch auf seine Rückkehr.
Zunehmend wird sie jedoch von einer Schar dreister Freier umringt, die sich im Palast eingenistet haben, um Penelope zur Frau zu nehmen und dann selbst König von Ithaka zu werden.
Telemachos, Sohn des Odysseus, will diesen unerträglichen Zustand beenden.
Er befolgt den Ratschlag der Göttin Athene und macht sich auf die Suche nach seinem Vater.
Der Seher Halitherse verkündet Unheil und wird von den Freiern verspottet.
Penelope zieht sich zurück in ihre Gemächer.
Eine kindliche, spielerische Ballettszene ist der Ausdruck ihrer Schwankung zwischen Hoffnung und Resignation.
Odysseus lebt zur selben Zeit auf der Insel Ogygia bei der Halbgöttin Kalypso.
Dort ist er nach dem Verlust all seiner Gefährten gestrandet.
Das war der Wille der Götter, die Odysseus schwer beleidigt hatte.
Die Götter scheinen sich nun beruhigt zu haben und schicken Hermes, die Botschaft zu überbringen:
Odysseus soll nun frei sein. Kalypso ist außer sich vor Wut und Trauer über die zwangsläufig beendete Liebesbeziehung.
Vor der Trennung lieben sich Odysseus und kalypso ein letzes Mal.
Nach siebzehn Tagen auf dem Meer ergreift ein ungeheurer Sturm das mit Kalypsos Hilfe gebaute Floß, und Odysseus droht den Wogen zum Opfer zu fallen.
Athene erscheint in Form eines Wasserhuhns und reicht Odysseus ein Zauberhemd, mit dem er sich wider Willen in die Fluten stürzt. Er wird an das Ufer der Insel Scheria gespült. Gebrochen, aber lebendig.
Nausikaa, Tochter des Königs Alkinoos und der Königin Arete, findet Odysseus am Strand.
Sie nähert sich ihm und verfällt in tiefe Bewunderung.
Als Odysseus erwacht, gelingt es ihm gerade noch, die beschämt davon fliehende wunderschöne Königstochter zu sehen.
Odysseus fleht im Palast von Alkinoos um Hilfe. Die Königin erkennt den Mantel ihrer Tochter und Nausikaa gibt zu, Odysseus tatsächlich gefunden zu, haben.
Allen Anwesenden ist offensichtlich, dass sie Gefallen an ihm gefunden hat.
Odysseus steht der Schmerz über jedes Wort des Barden ins Gesicht geschrieben.
Er will sich zu erkennen geben.
Odysseus beginnt, seine Geschichte zu erzählen, alle hören ihm gebannt zu:
"Ich bin kein Gott, kein Dieb, Odysseus ist es, der vor Euch steht König und Held, von dem die Welt so manche Sage erzählt. Ich bin arm, ich bin reich, bin verrückt, bin gescheit, doch ich weiß ganz genau, was ich will: nach Ithaka zurück." Wie in Trance beschreibt Odysseus seine Irrfahrten.
In Polyphems Höhle
Odysseus und seine Gefährten sind auf der Zyklopen-Insel gelandet.
Hunger, aber auch Odysseus’ Neugier treibt alle in die Höhle.
Odysseus bemerkt erst, in welcher Gefahr er und seine Leute sich befinden, als einer der Gefährten plötzlich von Polyphem ergriffen und gefressen wird. Odysseus erdenkt eine List und macht den Riesen betrunken. Dem im Vollrausch bewusstlosen Riesen stechen alle gemeinsam das Auge aus. Sie fliehen.
In Circes Haus
in einer fröhlichen Revue berichten die von Circe zu Schweinen verwandelten Gefährten über ihr derzeit sorgloses Leben.
Eurylochos ist der einzige Gefährte, der nicht verwandelt wurde.
Er eilt zum Schiff zurück und erstattet Odysseus Bericht. Sofort ziehen sie los, um die Gefährten zu retten. Auf dem Weg treffen sie Hermes, der ihnen ein Heilkraut gegen Circes Zauber gibt.
Circes Zauber hat nicht gewirkt. Odysseus sitzt gelangweilt in ihren Gemächern, während Circe sich beklagt. Während ihres Liedes reizt sie Odysseus jedoch durch ihren betörenden Tanz so sehr, dass er sich ihr schließlich doch hingibt.
Im Reich der Toten
Erst nach einem Jahr zieht Odysseus mit seinen Gefährten weiter.
Circe hatte ihm geraten, in die Unterwelt zu gehen und den blinden Seher Teiresias zu befragen.
Er allein weiß, was die Götter noch im Schilde führen.
Im Hades, der Unterwelt, angekommen, wird Odysseus von den Toten, den Schatten, umzingelt, die gierig nach dem Leben sind. Teiresias tritt auf und teilt Odysseus mit, dass er auf seiner Fahrt den Gesang der Sirenen zu vermeiden habe.
Penelope sei ihm treu, deswegen solle er um sie kämpfen.
Auf dem Schiff
Kurz vor der Insel der Sirenen erteilt Odysseus den Gefährten den Befehl, ihn an den Mast zu binden. Seine Neugier treibt ihn dazu, entgegen der Empfehlung des Sehers, einmal den Gesang der Sirenen zu hören.
Die Gefährten stopfen sich die Ohren mit Wachs zu und gehorchen ungläubig.
Unter Qualen erträgt Odysseus die schrillen und grellen Töne, die angeblich töten.
Die Gefährten machen sich indes über die Qualen ihres nun wie ein Kind weinenden Königs lustig.
In Alkinoos’ Palast
Odysseus ist am Ende seiner Erzählungen angelangt. Die Zuhörer im Palast sind ergriffen von Odysseus’ Schilderungen. Die Enttäuschung bei Nausikaa ist jedoch groß.
Sie hatte sich bereits in den Helden verliebt.
Voller Stolz schickt sie Odysseus fort, obwohl er sie mit schönen Worten zu trösten versucht.
‘Ihr gabt das Herz einer anderen, nun brecht nicht auch noch meins.
" Es ist Zeit für Odysseus heimzugehen. Er muss seine Irrfahrt beenden.
2. Akt
Als Bettler verkleidet, trifft Odysseus auf Ithaka seinen Sohn Telemachos.
Der Sohn erkennt ihn zunächst nicht. Zwanzig Jahre habe Odysseus seine Familie und seine Stadt im Stich gelassen. Odysseus gibt sich beschämt zu erkennen.
Athene, die immer über Odysseus wacht, besänftigt Telemachos.
Er verzeiht seinem Vater.
Im Palast wird Odysseus, immer noch als Bettler verkleidet, von den Freiern und Mägden verspottet und rausgeworfen. Die Freier sind verärgert, dass Telemachos nun die Kunde von der Heimkehr des Königs verbreitet. Denn Penelope hatte sich entschieden, am folgenden Tag einen Freier zum Gatten zu nehmen.
Nur einige Mägde hoffen noch auf die Rückkehr ihres Königs.
"Komm, wir brauchen Dich."
Penelope bittet derweil den Bettler zu sich, der angeblich etwas über Odysseus weiß.
Der Bettler kann beweisen, dass er mit Odysseus zusammengewesen ist, Penelope erkennt Odysseus aber nicht. Eurykleia, die einstige Amme, wäscht anschließend dem Bettler die Füße und schwärmt von ihrem Herrn.
Dann erkennt sie eine Narbe am Fuß des Bettlers.
Odysseus befiehlt der Amme zu schweigen und erklärt ihr seinen Plan.
Penelope scheint dem Drängen der Freier nachzugeben. Sie will einen Wettkampf veranstalten, bei dem der Freier, der Odysseus’ Bogen spannen kann und dann den Pfeil durch zwölf eherne Äxte schießt, König und somit Penelopes neuer Mann werden soll. Alle erwarten mit Spannung den nächsten Tag.
Manche hoffen, manche bangen.
Es ist der Tag, für den Penelope den Wettkampf angeordnet hat.
Die Götter freuen sich auf das Spektakel, das ihnen Odysseus bescheren wird.
Für sie ist Odysseus’ Rachezug nicht mehr als der amüsante Abschluss eines langen Spiels.
Über das Ende der Geschichte haben sie schon entschieden.
Alle Freier werden sterben. Odysseus ist der Götter Werkzeug.
Keiner der Freier kann Penelopes Aufgabe bewältigen.
Alle lachen, als der Bettler darum bittet, den Bogen spannen zu dürfen, bis er es schafft und mit dem Pfeil auf die Freier zielt.
Der Beginn eines wütenden Rachezuges, dem sich kein Freier entziehen kann.
Nach dem Blutbad bleibt Odysseus allein zurück. Ihm kommen Zweifel an seinem Handeln, als er all das Blut an seinen Händen sieht. Vor seinen Augen läuft noch einmal seine Geschichte ab.
Troja, der Verlust all seiner Gefährten. Er bereut seine Taten und fleht die Götter an.
Penelope tritt ein und erkennt Odysseus. Sie erklärt: ‘Die Götter haben das so gewollt.
Du bist wieder da. Das ist genug.’
Ein Teil des Lebens ist jetzt vorüber ein neues Leben fängt an.
Wie eine Vision erscheinen noch einmal alle, die Odysseus’ Weg während all der Jahre gekreuzt haben.
Ihre Bilanz ist nüchtern:
"Er ist kein Gott, kein Held, es ist ein Mensch, der vor Euch steht.