Krefeld, Rheinische Post, 8. Februar 2011
Krefeld, Westdeutsche Zeitung, 7. Februar 2011
Krefeld, Rheinische Post, 26. Januar 2004
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"Cantico Novo" im Studio-Theater der Musikschule Das Recht auf die Poesie der Existenz |
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Vor 55 Jahren wurden sie als unveräußerlich und unverletzlich erklärt die Menschenrechte. Dass es gar mehr und auch andere als diese 33 Artikel geben kann, ist nun in einer Inszenierung des Jugendmusiktheater-Ensembles im Studio-Theater der Musikschule zu sehen und zu hören. |
Untermalt werden diese Szenen von ständig variierenden Solo- und Chorgesängen. So singt Yonca Dege, nachdem von Robin Hood bis Nero "gute" wie "böse" Helden aufgezählt wurden, als Jeanne d’Arc über das "Recht, sein eigenes Schicksal zu konstruieren", und Franziska Ruffen in "Der Ort" über eine einfache und freundliche Welt. Besondere Wirkung zu dieser vertonten wie gespielten Utopie entfalten die Choreinlagen. Ob beim Wahlrecht für Frauen oder beim Lied "Wir fangen an" – die 14 Mädchen und Ralf Kriegler funktionieren als harmonische Einheit: jek |
Krefeld, Westdeutsche Zeitung, 26. Januar 2004
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Auf dem Weg nach Oarystis "Cantico Novo", das neue Musical der Musikschule hatte Premiere |
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Von Jens Hörner
Verschiedenheit, ein Grundrecht. Freiheit zur eigenen Entfaltung, ein Grundrecht. Unabhängigkeit, ein Grundrecht. Ein Kanon aus 58 Rechten. Der Traum von einer Utopie. "Jeder Mensch hat das Recht auf die Poesie der Existenz", steht auf dünne Tücher geschrieben. In kunterbunten Klamotten, fast schon in HippieKluft, stehen die jungen Menschen da und präsentieren dem Publikum jene Parole. "Cantico Novo" heißt die neue Produktion des Jugend-Musiktheaters an der Krefelder Musikschule, deren Premiere am Wochenende über die Bühne gegangen ist. Doch das Stück an sich gerät insbesondere in der zweiten Hälfte – zum nervenaufreibenden Sitzfleischtest: künstlich-stelzende Dialoge, ständige Phrasendrescherei und sich wiederholendes Grundrechte-Palaver - |
szenischer Zähfluss, Langatmigkeit statt versprochener Kurzweil. Die Jugendlichen auf der Bühne leisten ob der wuchtigen Texte wahre Schwerstarbeit mit minimalen Fehlern – beeindruckend. Die Arbeit dafür hat im März begonnen. Schon der Auftakt von "Cantico Novo" ist plakativ: Immer ist die Sicht der Dinge eine überaus negative. 2004 Jahre Menschheitsgeschichte werden durchgehechelt, dazu plärrt Popmusik. Sei es nun die amerikanische Unabhängigkeit oder die französische Revolution – plötzlich stehen Helden wie Robin Hood und Zorro in einer Reihe mit Jesus und Gandhi, treffen Verbrecher wie Jack the Ripper und Märchenflguren wie Captain Hook auf George W. Bush und Nosferatu. Man versteht, dass alles schlecht ist und die Welt, die endlich mit Atomknall explodiert, von Grund auf neu erschaffen werden muss. Ein Reporter (gelungen überspitzt dargestellt von Yonca Dege) interviewt die Sterbenden, die erneut Menschenrechte ins Mikro hauchen. |
Auf diesen Artikel folgten mehrere Leserbriefe.
Leserbrief 1:
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Missgestimmter Verriss Zu: "Auf dem Weg nach Oarystis" WZ vom 26. Januar |
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Ich häbe auch gelitten – unter den unbequemen Sitzen im Studio der Musikschule. Für mich war das aber kein Grund, mir mein Urteil vom durchgesessenen "Sitzfleisch" diktieren zu lassen. Im Gegenteil. Ich möchte den missgestimmten Verriss zurückweisen, den auch das artige, fast anbiedernde Lob des Ensembles nicht stimmiger macht. Mich haben nicht nur die jungen Leute angesprochen, sondern durchweg auch das Stück, in dem sie sich austoben konnten. |
Ich hatte jugendliches Theatei erwartet, bunt, mal laut, mal leise, voller Protest und unvernünftiger Ansprüche, musikalische Unterhaltung mit Gefühl und vitalem Überschwang – und genau das habe ich bekommen. Dazu spannende Gesichter, ein paar eindringliche Bilder, ein paar jugendliche, ein paar erwachsenere Weisheiten und meinetwegen auch ein bisschen Kitsch. Was soll’s? Ich bin summend nach Hause gefahren. Und werde noch mal hingehen. |
Leserbrief 2:
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Musical wird in ein völlig falsches Licht gerückt Zu: "Auf dem Weg nach Oarystis" WZ vom 26. Januar |
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Der Artikel ist in einer Art geschrieben, die den ohnehin schleppenden Verkauf der Karten des Musicals "Cantico Novo" bestimmt nicht steigern wird: Er manipuliert den Leser und rückt das Stück in ein völlig falsches Licht. Zum Beispiel ist entgegen der Behauptung das Konzept des Stückes sei die Strukturlosigkeit, durchaus ein roter Faden in "Cantico Novo" vorhanden. So besteht das Stück aus verschiede nen Bildern, die alle durch die Proklamation der Menschenrechte in Form des Verlesens von kleinen Botschaften miteinander verbunden sind. Da es nicht möglich ist, alle Unstimmigkeiten des Artikels zu kommentieren, hier nur ein weiteres Beispiel: Der Autor beschreibt Oarystis, eine illusorische Welt, die nach dem zwangsläufigen Untergang durch den Machtwillen der Menschen neu entstanden ist, als eine "KitschUtopie". Dies ist unserer Meinung nach ein durchaus negativ connotierter Begriff. |
Zur Erklärung bleibt zu sagen, dass das Stück mit Extremen arbeitet, die einander gegenübergestellt werden. Da es sich hierbei um eine Träumerei handelt, ist der Begriff "Kitsch" wohl etwas deplatziert. Er bezeichnet das Stück des weiteren als "nervenaufreibenden Sitzfleischtest" – eine Kritik, die an eine andere Adresse gerichtet eher angebracht wäre: Es ist schließlich nicht die Schuld des Musiktheaters, dass die Stadt Krefeld immer noch nicht die Finanzierung eines größeren und somit komfortableren Theatergebäudes ermöglichen. Abschließend wollen wir fest stellen, dass wir es bedauern, dass Ihnen das Stück "Cantico Novo" offensichtlich missfallen hat. Wir wollen jedoch auch darauf hinweisen, dass es nicht fair wäre, wenn wir auf Grund eines solchen subjektiven Artikels vor leeren Zuschauerrängen spielen müssten. Einige Mitglieder des Musiktheaterensembles |
Leserbrief 3:
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Tolle Leistung des Ensembles genießen Zu: Cantico Novo, WZ vom 26. Januar |
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Erneut ging jüngst das Stück des Jugend-Ensembles der Musikschule "Cantico Novo" vor einem begeisterten Publikum über die Bühne. Die Premieren-Kritik beschreibt neben einigen lobenden Worten das Stück in einem äußerst negatiden Gesamteindruck. Da ist die Rede von Kitsch, Zähfluss und Langatmigkeit. Dem kann nur energisch widersprochen werden! Offensichtlich hat der Kritiker auch den durchaus vorhanderden roten Faden nicht erkannt, sonst würde er nicht von "Strukturlosigkeit" sprechen. Es ist ein Stück, bei dem es nicht genügt, zuzusehen und sich unterhalten zü lassen, sondern man sollte sehr genau hinhören, um deren Inhalt der überwiegend top-aktuellen Texte zu verstehen! Gerade in der heutigen Zeit ist das Thema Menschenrechte aktuell und brisant; wenn junge Leute lernen, sich im Rahmen eines Theaterstücks damit auseinander zu setzen und das ernste Thema in locker aufbereiteter Form dem Publikum präsentieren, ist das wertvoller als so manche Stunde trockenen Politik-Unterrichts! |
Desweiteren ist anzumerken, dass der Genuss des Zusehens allerdings empfindlich beeinträchtigt wird durch die Extrem ungemütlichen Sitzgelegenheiten (. . . nervenaufreibender Sitzfleischtest), durch die sich manche (besonders ältere oder gehandicapte) Zuschauer vom Besuch des Musiktheaters abhalten lassen. In dem Zusammenhang darf ich erinnern an das zehnjährige Bestehen des Musiktheaters, das 1999 im Seidenweberhaus gefeiert wurde. Damals hat Herr Pützhofen auf der Bühne vor großem Publikum feierlich versprochen, sich für einen Aus- oder Neubau des Theaters einzusetzen. Leere Worte! Im Übrigen kann ich ällen kultur- und musikbegeisterten Krefeldern nur äns Herz legen, sich die Vorstellung von "Cantico Novo" doch einmal anzuschauen (trotz der genannten Unbequemlichkeiten), und die textlich, gesanglich und darstellerisch tollen Leistungen des gesamten Ensembles zu genießen! |