Aus lauter Liebe betrüg’ ich und werd’ betrogen

Aus lauter Liebe © 1997
Musical für Jugendliche frei nach Alfred de Mussets (1810-1857) Theaterstück „On ne badine pas avec l’amour“
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte: Tom Heilandt

Aufführungsdauer: 120 Minuten
Ausführende: Jugendliche und Erwachsenen
Anzahl der Musiknummern: 20 (1- bis 4-stimmig)
Ouverture, Prolog, 3 Akte (13 Szenen), Epilog
12 Bühnenbilder
ca. 20 Rollen / Commedia dell‘ arte Truppe / 3 Girls
Gruppen: Bauer, Chor der Nonnen, Chor der Männer, Gäste u.a.

Uraufgeführt am 14. März 1997 in der Musikschule der Stadt Krefeld

ZUM STÜCK

AUS LAUTER LIEBE ist ein Musical nach dem in Frankreich sehr populären Theaterstück „Man spaßt nicht mit der Liebe“ aus dem 18. Jhd. von Alfred de Musset. Intrigen, Eifersucht, Missverständnisse und eine Ménage à trois, die nur in einem Desaster enden kann – „Aus lauter Liebe“ ist ein beschwingt-tragisches Kammerspiel mit starken Charakterrollen.
Unterstützt wird die Haupthandlung durch Commedia dell’Arte-Intermezzi nach dem französischen Autor Marivaux, ein Trio Chorus-Girls kommentiert das Geschehen ganz im Sinne eines griechischen Tragödien-Chors.
Durch die starke Hauptrollen, viele Massen-Szenen und den Collagen-haften Charakter des Musicals, ist es gut geeignet für große Ensembles.

MUSIK & LIEDTEXTE

Text, Player, Download, Video

1. Pour toi

Instrumental

 Pour toi
2. Ballade

BALLADE

Chor
Groß meine Liebe, unendlich immer neu.
Wild meine Liebe, und zahm und manchmal scheu.
Heiß meine Liebe und kalt – und wunderbar.
Sanft meine Liebe, gemein und voll Gefahr.

Vielleicht ist Liebe ein Traum,
ein Märchen so schön – so wie nichts auf der Welt.
Vielleicht ist Liebe ein Sturm,
der nur mit uns spielt, wie es ihm so gefällt.

Laut – wenn sie feiert – ein Fest ganz voll Gesang.
Still – wenn sie leidet – so stumm ganz ohne Klang.

Vielleicht ist Liebe ein Traum,
ein Märchen so schön – so wie nichts auf der Welt.
Vielleicht ist Liebe ein Sturm,
der nur mit uns spielt, wie es ihm so gefällt.

Solo
Wenn du ertrinkst
ganz versinkst nur aus Liebe allein
dann hast du keine Wahl.

Spiele das Spiel
viel zuviel, du kannst nie mehr zurück.
Nichts ist so wie es einmal war.

Chor
Leicht meine Liebe – doch lieben ist so schwer.
Viel meine Liebe – noch mehr und viel viel mehr,
viel mehr, viel mehr.

 Ballade
3. Treff

TREFF

Perdican
Vater und Schwester – seid mir gegrüßt!
Lang ist’s her,
ach so lang.

Camille
Vater und Bruder – ich grüße Euch.

Perdican
Du bist so schön, Camille, so schön,
schön wie das Licht!
Du bist so schön, mein Gott, so schön
wie ein Gedicht.

Camille
Seltsame Dinge sagst du mir
Perdican – Cousin!

Der Baron
Komm schon mein Kind, gib ihm einen Kuß
oder zwei, oder drei.

Camille (sie weicht wieder aus) Excusez moi!

Der Baron
Ein Kompliment kostet einen Kuß!
Perdican küsse sie!

Perdican (spricht) Wenn meine Cousine meiner Hand ausweichen möchte, dann sage ich auch: „Excusez moi“. Die Liebe darf einen Kuß stehlen – die Freundschaft aber nicht.

Camille
Weder die Freundschaft darf,
weder die Liebe darf
nehmen was sie nicht gibt
und nicht geben kann.

Der Baron
So wie sie spricht, gibt’s da ein Problem
oder zwei, oder drei.

Blazius (spricht) Zuviel Zurückhaltung ist sicherlich ein Fehler, aber die Hochzeit wird das schon ändern.

Der Baron
Welch eine Antwort! Ich bin schockiert,
und pikiert, und blessiert.

 Treff
4. Rhythmus in dir

RHYTHMUS IN DIR

Girls
Hierhin und dort
die Augen lachen und seh’n das was sie woll’n
und immer mehr.

Vor und zurück
die Füße tanzen ihren eigenen Tanz
so unbeschwert.

Höher hinauf – wo du das Leben spürst.
Höher hinauf – wo dich der Tanz verführt.

Überall und immer ist der Rhythmus.
Such ihn – find ihn – tanz ihn – deinen Rhythmus.
Dein Leben fliegt
in seinem Takt.

Du lachst mich an
und jeder Blick zieht an mir wie ein Magnet,
ich komm’ nicht los.

Faß mich nicht an,
denn wenn du das tust, komm ich ganz aus dem Takt!
Was mach ich bloß?

Ich will dich jetzt – ganz ohne Maske seh’n.
Ich will dich jetzt – ohne ein Wort versteh’n.

Ich will heute nur im Rhythmus leben.
Will ihn fühlen und will alles geben.
Die Liebe fliegt
in seinem Takt.

Auf und davon,
auf deinem Weg der Rhythmus treibt dich voran,
er dirigiert.

Nie mehr zurück,
denn deine Augen sehen nur den Moment
was auch passiert.

Nichts hält dich mehr – kein Zug ist dir zu schnell.
Nichts hält dich mehr – kein Tag ist dir zu hell.

Deine Augen finden meinen Rhythmus.
Deine Hände finden meinen Rhythmus.
Nur du und ich in seinem Takt.

Meine Augen finden deinen Rhythmus.
Meine Hände finden deinen Rhythmus.
Nur du und ich in seinem Takt.

Meine Hände finden deine Hände.
Deine Hände finden meine Hände.
Deine Augen finden meine Augen
Meine Augen finden finden Dich.

 Rhythmus in dir
5. Herz aus Stein

HERZ AUS STEIN

Perdican
Sag Camille, das war nicht sehr lieb.
Warum hast du mich vorhin nicht mal umarmt?
Magst du mich nicht mehr?

Camille
Bin halt so. Das ist meine Art.

Perdican
Komm, geh’n wir spazier’n!

Camille
Ich bin zu müd’.

Perdican
Laß uns auf Wiesen geh’n,
im Boot die Mühlen seh’n.

Camille
Nein, ich will nicht,
heute nicht – laß mich geh’n.

Perdican
Doch wann, wenn nicht heut’?
Dieser Tag ist so schön.

Camille
Ich hab’ keine Lust!
Kannst du das nicht verstehen?

Perdican
Sag Camille,
so kenn’ ich dich nicht mehr.
Es bricht mir das Herz,
daß du gar nichts mehr weißt
von der Kinderzeit
als wir spielten unten am Fluß.
Die Zeit war so schön,
so unbeschwert.

Camille
Laß doch die Träumerei,
die Zeit ist längst vorbei.
Ich bin zu alt
um zu spiel’n wie ein Kind,
doch noch viel zu jung
nur zu seh’n was mal war.
Was war, ist vorbei
daran häng’ ich nicht mehr.

Perdican
Du tust mir so leid
liebe Freundin.
Gibt es nicht ein Lächeln
in deinem Gesicht?
Ist dein Herz aus Stein?

 Herz aus Stein
6. Daheim

DAHEIM

6. DAHEIM

Perdican
Hallo!
Ihr da!
Lange
Lange
Kennt ihr mich noch?
Wie seh’ ich aus?
Steht nicht so da!
Umarmt mich doch,
ich bin nur der,
der, den ihr kennt,
aus diesem Land,
wo wir daheim sind.

Chor
Hallo!
Du da!
ist’s her!
zehn Jahr’!
Wir kenn’n dich noch.
Du bist so groß!
Bist
unser Herr!
Perdican!
Unser Kind!
Unser Freund!
Unser Herr!

Perdican
Ihr trugt mich auf euren Rücken.
Ihr nahmt mich mit auf dem Pferd.
Ich hab’ so gern auf euren Knien getanzt.
Ihr teiltet immer mit mir Speis’ und Trank.

Chor
Ja mein Herr – vor so vielen Jahren.
Wir erinnern uns gut daran.
Ihr wart der Schlimmste von all’ n
und der Beste von all’n
und wir glauben’s kaum!
Aus dem Jungen da wurde ein Mann.

Perdican
Es ist lange her – so lange.
Alles ist noch da – wie immer.
Mein liebes Tal – die grünen Wege.
Die kleine Quelle sprudelt noch,
ihr Rauschen ist wie ein Gesang.
Eine Märchenwelt – voll Wunder,
wie ein Kindertraum
und ich bin hier daheim.

Meine Welt war groß – unendlich.
Jeder Sommer lang – für immer.
Ich sah ein Meer und einen Urwald.
Jetzt ist der Urwald nur ein Strauch,
das Meer ein Tropfen in der Hand.

Meine Märchenwelt – voll Wunder
Nur ein Kindertraum,
doch ich bin jetzt daheim.

So vieles hab ich gelernt,
drei Doktorhüte hab’ ich auf.
Doch jeder Baum hier im Wald sagt mir:

Perdican
Laß das alles geh’n.
Hab Mut, vergiß
das was du weißt.
Sieh dir die Welt nochmal an.

Chor
Perdican!
Unser Kind!
Unser Freund!
Unser Herr!

Perdican
Alles so vertraut – und doch nicht.
Alles ungewohnt – und doch nicht.
Ich bin daheim – doch wie ein Fremder.
Die Kinderaugen sahen viel.
Doch soviel neues ist zu seh’n.

Eine Märchenwelt – voll Wunder
wartet hier auf mich.
Der Tag ist jung und soviel kann noch heut’ gescheh’n.

 Daheim
7. Sommerwind

SOMMERWIND

Rosette Sommerwind

Chor Ihr Gesicht!

Rosette mild und leise.

Chor Ihre Augen!

Rosette Sommerwind

Chor Schön und klar!

Rosette komm zu mir.

Sanft umarmst du mich,
warm umhüllst du mich,
streichst mir zart durchs Haar
erzählst soviel.

Rosette Sommerwind

Chor Schönes Kind!

Rosette Singst nur für mich.

Chor Nur für Rosette

Rosette
Sing mir sag mir
zeig mir was du siehst
mein einziger Freund.

Siehst du ihn den, der mich sucht,
mich versteht und mit mir träumt,
mit mir lacht, mit mir weint
und der mich liebt.

Jeden Tag träum ich von dir.
Du bist da, du hälst mich fest,
siehst mich an, hörst mir zu,
und du singst mir, sagst mir,
zeigst mir jeden Tag,
wie sehr du mich magst.

Rosette Spiegelbild

Perdican Ihr Gesicht!

Rosette da im Wasser.

Perdican Ihre Augen!

Rosette Spiegelbild

Perdican Schön und klar!

Rosette
Komm zu mir.

Du siehst aus wie ich,
lachst und weinst wie ich,
doch faß ich dich an
löst du dich auf.

Rosette Spiegelbild

Perdican Schönes Kind!

Rosette tanze für mich.

Perdican Nur für Rosette.

Rosette
Sag mir, siehst du
alles so wie ich
zeig mir deine Welt.

Siehst du ihn den, der mich sucht,
mich versteht und mit mir träumt,
mit mir lacht, mit mir weint
und der mich liebt.

Jeden Tag träum ich von dir.
Du bist da, du hälst mich fest,
siehst mich an, hörst mir zu
und du singst mir, sagst mir,
zeigst mir jeden Tag
wie sehr du mich magst

 Sommerwind
8. Pierrot und der Schlüssel

PIERROT UND DER SCHLÜSSEL

Pierrette
Pierrot hinter dem Baum dort
lächelt leis’, denn was er sieht
ist sie, Colombine
die im Vorbeigeh’n einen Schlüssel fallen läßt
da auf dem Weg
und sie merkt es nicht!

Pierrot beeilt sich
und hebt ihn auf
hält ihn in der Hand.
Er zweifelt niemals
glaubt fest daran:
„Der öffnet die Tür mir“.
Die Tür zu ihr Colombine,
zu Colombine, die er liebt.

Pierrot, dein Liebestraum
wird er jetzt endlich wahr
findest du die Tür
jetzt endlich wahr
öffnest du die Tür
öffnest du ihr Herz?

Dunkle Nacht – seht her, da kommt Pierrot.
Nähert sich mit leisem Schrit
dem großen Haus
wo die schöne Colombine einsam schläft.
Ihm schlägt das Herz im Hals,
er ist voller Glück.

Pierrot, er, freut sich
bald ist die Tür auf
da trifft ihn schnell
ein frecher Mondstrahl so indiskret
und alles glänzt hell.
Endlich sieht er alles klar,
endlich sieht er alles klar.

Was glänzt in seiner Hand
das macht ihm keine Türen auf.
Ach du armer Kerl,
dein Notenschlüssel ist
wirklich schön,
doch er öffnet keine Tür.

Ein Notenschlüssel, der
öffnet dir leider keine Tür.

Kopf hoch, du armer Kerl,
sieh doch, wie er glänzt!
Tanz mit ihm unterm Mond.
Dein Notenschlüssel,
er und du, ihr seid
ein ganz besondres Paar.

Kopf hoch, du armer Kerl,
sieh doch, wie er glänzt!
Tanz mit ihm unterm Mond.
Dein Notenschlüssel,
er und du, ihr seid
ein ganz besondres Paar.

 Pierrot und der Schlüssel
9. Was ist gescheh’n?

WAS IST GESCHEH’N?

Camille
Was ist gescheh’n?
Die Sonne schickt das gleiche Licht.
Was ist mit mir?
Ich seh’ nur ein Gesicht
und mein Herz schlägt schnell,
schnell wie nie zuvor.

Nichts ist gescheh’n,
der Weg ist doch so leicht von hier.
Mein Ziel – meine Träume
die liegen klar vor mir.

Er ist es nicht wert – nur ein Kind!
Spielt sein Spiel – weiß genau was er will.
Ich bin nicht so wie die andern.
Ich werde fortgeh’n.

Denn meine Welt ist Gott,
nur bei ihm seh’ ich den Sinn,
er ist da wenn ich ruf,
er hört zu wenn keiner hört.

Er ist der Tag, die Nacht,
ist die Hoffnung, die mich hält,
ist das Licht, das mich führt,
ist die Liebe dieser Welt.

Was ist gescheh’n?
Der Wind hat doch den gleichen Klang.
Was ist mit mir?
Warum hör’ ich Gesang?
Wer singt mir das Lied
tief in meinem Herz?

Nicht ist mit mir,
ich träum’ nur wie ein Kind.
Nichts ist gescheh’n,
der Wind ist nur der Wind.

Er ist es nicht wert – nur ein Kind!
Spielt mit mir – und ich will immer mehr.
Bin ich auch so wie die andern?
Nein ich muß fortgeh’n.

Denn meine Welt ist Gott,
nur bei ihm seh’ ich den Sinn,
er ist da, wenn ich ruf,
er hört zu, wenn keiner hört.

Er ist der Tag, die Nacht,
ist die Hoffnung, die mich hält,
ist das Licht, das mich führt,
ist die Liebe dieser Welt.

Er ist der Tag, die Nacht,
ist die Hoffnung, die mich hält,
ist das Licht, das mich führt,
ist die Liebe dieser Welt,
ist das Licht meiner Welt.

 Was ist gescheh'n?
10. Regen

REGEN

Rosette
Oh mein Herr – ihr weint ja!
Oh mein Herr – wie traurig ihr seid.
Ich halt’ euch fest, gebt mir eure Hand.
Setzt euch zu mir – vergeßt den Schmerz.
Ruht euch aus – vergeßt auch sie.
Ihr seid mein Freund – so wie als Kind,
so wie es war.
Warum noch weinen?
Es regnet nicht mehr!

 Regen
11. Samba d'I

SAMBA D’I

Girls
Liebe hat ein „I“,
so wie das Spiel und Phantasie,
so wie Musik und Melodie,
doch auch so wie Melancholie,
für mich bleibt sie nur Theorie.
Oh warum lieb ich so wie nie.
In deinem Namen ist ein „I“,
er klingt wie eine Symphonie,
und ich hab’ nur ein kleines Lied: den „Samba d’I.“

Lieb’ mich wenn es geht
mit einem Herz, das mich versteht.
Bin so allein in diesem Land,
das ich aus Liebe zu dir fand,
und wenn es nicht geht, muß ich geh’n.
Du sollst die Tränen niemals seh’n.
Mit meinem Lied werd’ ich allein
unter dem Regenbogen sein
und sing den Namen mit dem „I“ und wein’.

Du siehst mich nur an,
und dabei lachst du dann und wann,
umarmst die Frucht in deiner Hand
und reibst die Wange leicht daran.
Mit meinen Augen frag’ ich dann,
ob ich mir Hoffnung machen kann.
Darf ich bei dir sein irgendwann,
so wie die Frucht in deiner Hand,
denn dieser Traum hält mich so sehr im Bann.

Lieb mich, wenn es geht,
mit einem Herz, das mich versteht.
Bin so allein in diesem Land,
das ich aus Liebe zu dir fand,
und wenn es nicht geht, muß ich geh’n.
Du sollst die Tränen niemals seh’n.
Mit meinem Lied werd’ ich allein
unter dem Regenbogen sein
und sing den Namen mit dem „I“ und wein’.

 Samba d'I
12. Schwarz und weiß

SCHWARZ UND WEIß

Perdican
Hab ich alles geträumt?
Träum ich jetzt?

Camille
Bin mal so und mal so
auf meine Art.

Ich war so grob zu dir heut’,
doch bleib, mein Freund.
Warum ich geh’, sag’ ich dir,
doch bleib, mein Freund.
Ich nehme Abschied
werd’ Schleier tragen.

Perdican
Hör – die Quelle singt,
die Luft ist voll mit süßem Blumenduft.
Du bist bei mir,
du lachst mich an
wie vor so langer Zeit.

Camille
Ich leb’ einmal noch, was war
und stell dir soviele Fragen
von der Welt, die ich nicht kenn’.
Hast du schon Geliebte gehabt?

Perdican Warum?

Camille Sag’s mir!

Perdican Warum?

Camille Sei ehrlich, sei nicht so scheu!

Perdican (zögert) Ja, ich habe welche gehabt!

Camille Sag, hast du sie alle geliebt?

Perdican Oh ja!

Camille Geliebt?

Perdican Na klar!

Camille
Wenn’s so ist, dann sag mir jetzt:
Wo sind sie heute, die du geliebt?

Perdican
Da, wo sie hin woll’n,
ich bin nicht ihr Bruder
und ich bin auch nicht ihr Mann!

Camille
Wie lang bliebst du einer treu?
Was war für dich der Rekord?

(spricht)
Perdican Camille, ich weiß es nicht! Bist du jetzt mein Beichtvater?

Camille
Gibt es einen auf der Welt
der nur eine Frau liebt?

Perdican Bestimmt!

Camille Kennst du ihn?

Perdican Ich kenn ihn nicht!

Camille Wirklich nicht!

Perdican Nein, wirklich nicht!

(spricht)
Perdican Camille, ich kenne keinen, also kann ich Dir keine Namen sagen. Doch ich glaube, daß es Männer gibt, die nur einmal lieben können.

Camille Wie oft kann ein ehrlicher Mann lieben?

Perdican Soll ich jetzt fromme Sprüche klopfen, oder kannst Du sie selber runterleiern?

Camille Sag mir ehrlich: soll ich im Kloster bleiben?

Perdican Nein!

Camille Also wäre es besser, wenn ich Dich heiraten würde?

Perdican Ja!

Camille
Segnet der Priester das Wasser
trinkst du es wie guten Wein?

(spricht)
Perdican Nein!

Camille
Segnet der Priester dein Haupt dann
und sagt, daß du mich für immer lieben wirst, was dann?

(spricht) Sollte ich ihm glauben?

Perdican Ja und nein!

Camille
Was soll ich tun
an dem schönen Tag
an dem du mich nicht mehr liebst?

Perdican (spricht) Nimm Dir einen Liebhaber!

Camille
Und wenn der mich
auch nicht mehr will
sag mir, was soll ich dann tun?

Perdican (spricht) Nimm Dir einen neuen!

Camille Wie oft?

Perdican (spricht) Ich weiß es nicht!

Camille Wie oft?

Perdican (spricht) Camille!

Camille Wie oft?

Perdican (spricht) Hör auf!

Camille Wie oft?

Perdican (spricht) Bis deine Haare grau geworden sind und die meinen weiß!

Camille
Hör von Louise
im Kloster dort:
sie hatte das, was jede sich wünscht.

War klug und schön
und reich dazu,
sie war für Glück und Liebe gemacht.

Sie traf den Mann
aus edlem Haus.
Sie liebten sich und wurden ein Paar.

Dann hat er sie betrogen
und sie nahm einen andern.
Heut’ stirbt sie aus Verzweiflung.
Ihr Herz ist voller Leid!

Ich hab’ mit ihr gelitten,
ihr Leben wurde meins
und du warst in meinem Traum,
warst mein Unglück und mein Glück.
Es ist, als ob ich dich geliebt hab’ und gehaßt.

Camille
Zweihundert Frau’n
im Kloster dort.
Die einen jung
sah’n nie das Leben
und sie werden es nie seh’n.

Die andern jung
und doch so alt.
Sie sah’n die Welt
doch diese Welt hat sie zerstört.
Sie kehrten heim!
Verloren alle Hoffnung
die sie als Jungfrau’n kannten.
Sie warten nur noch das der Tod sie erlöst.

Sag mir was richtig ist!
Welcher Weg?
Die Liebe nur zu Gott
oder einem Mann
zweien oder drei’n?

Nie schwarz und weiß
diese Welt, dieses Leben.
Ich seh’ den Weg,
wenn ich glaub’
führt er mich ans Ziel.

Perdican
Ich glaub nicht an
Unsterblichkeit.
Die frommen Frau’n
die geben dir nur ihre eig’ne Sicht der Welt.

So bist du nicht!
Bist jung und schön
und du bist frei.
Du wirst noch lange vor dem Tod – dein Herz verlier’n.

Camille
Doch ich will ewig lieben
und ohne Leiden lieben.
Es gibt nur einen, der mich liebt – alle Zeit!
Oh bitte, lach jetzt nicht!
Geh zurück
und liebe, wie du kannst.
Wenn dich niemand liebt
dann erst denk an mich!

Nie schwarz und weiß
diese Welt, dieses Leben.
Ich seh’ den Weg,
wenn ich glaub’
führt er mich ans Ziel.

Perdican (spricht) Wie hochmütig!

Camille Warum?

Perdican Du bist achtzehn und glaubst nicht an die Liebe!

Camille
Glaubst du daran?
Auf deine Art.
Die Knie wund
vom knien vor namenlosen Frau’n, die du geliebt.

Über Ihr Leid
da lachst du nur.
Hast kein Gefühl.
Glaubst du nicht, daß man sterben kann
aus Liebe nur?

Ist Liebe wie ein Goldstück
das du von Hand zu Hand gibst?
Doch jedes kleinste Goldstück trägt ein Gesicht.
Ganz anders deine Frau’n,
ist’s vorbei
bist du mit ihnen durch, streichst du ihr Gesicht
machst der nächsten Platz.

Camille + Perdican
Nie schwarz und weiß
diese Welt, dieses Leben.
Nur einen Weg
kann ich geh’n
einen nur.

Nie schwarz und weiß
diese Welt, dieses Leben.
Ich seh’ den Weg,
wenn ich glaub’
führt er mich ans Ziel.

 Schwarz und weiß
13. Geliebt

GELIEBT

Perdican
Wenn dann – irgendwann
ein Mann zurückkehrt zu ihr
und reicht ihr die Hand,
glaubst du, sie stößt ihn zurück?

Perdican
Ihr weint und ihr haßt
und flucht auf Liebe und Lust
den Blick starr hinauf
zu eurem himmlischen Mann.

Doch tief, tief im Herz
wollt ihr den Schmerz
wieder spür’n,
verlangt nach dem Dolch
der euch aus Liebe erstach.

Nonnen
Wer geliebt hat
der kann nie zurück.
Wer zerstört ist
wird nie mehr ganz.

Komm zu uns
erspar dir dieses Leid.
Leb’ für Gott
und liebe
nur ihn

.
.
.
.

Camille
Ich habe Angst.
Welchen Weg soll ich geh’n?
Fühlte nie den Schmerz
einer Liebe Leid,
das Glück einer Liebe Lust.

Perdican
Was du siehst
ist nur ihr Schmerz.
Nicht der Traum
in ihrem Herz.

Du sollst sein wie
sie.
Kein Traum
erlaubt für
dich.
Angst ist ihre Macht.

Wessen Name ists
den ihr schluchzend sagt
wenn von Christi Leib
euch der Priester gibt?

Die frommen Frau’n sie
haben dich gelehrt den
rechten Weg zu
geh’n voll
Haß und Angst und
Schmerz der
nur ihr eigner
ist.
Und sie läuten
die Glocken für
dich
und verzweifeln
deine Jugend.

Und sie nehmen dir
deiner Liebe Glück.
Doch das Himmelreich
ist nicht für sie gemacht.

.
.
.
.

Männer
Doch unser Lachen
unsern Kuß
vergeßt ihr nie.
Dafür sind dicke
Klostermauern
viel zu dünn.

.
.
.
.

Camille
Lieben,
leben,
.
alle
Wege
scheinen
falsch.
.
Ich habe
Angst
vor dem was kommt
und weiß nicht

wo sind Liebe
und Glück?
Ist der Himmel
mein Ziel?
Ist er für mich gemacht?

.
.
.
.
.

.
.
.
.
.

Nonnen
Nie mehr
lieben.
Nie mehr
träumen.

Siehst du uns’re
Narben?
Hörst du uns’re
Klagen?
Spürst du uns’re
Qualen?
.
Komm zu uns –
Gott sieht dich.
Komm zu uns –
Gott hilft dir.
Komm zu uns –

such nicht mehr.
Wahre Liebe und Glück
sind im Himmel allein.
Er ist für uns gemacht.

.
.
.
.
.

.
.
.
.
.
.

.
.
.

Männer
Warum wollt ihr
nicht leben.
Nie mehr
uns’re
Hand?
Uns’ren
Kuß?
Uns’re
Lust?
.
Uns’re
Wärme?
.
Wahre Liebe und Glück
findet ihr bei uns.
Wir sind für euch
gemacht

Perdican (spricht)
Alle Männer sind Lügner, untreu, falsch, angeberisch, heuchlerisch, und hochmütig oder feige, verächtlich und wollüstig. Alle Frauen sind hinterhältig, gekünstelt, eingebildet, vorwitzig und verdorben. Die Welt ist nichts als eine endlose Müllhalde, auf der formlose Wesen sich winden und in Bergen von Unrat herumkriechen! Und doch …

Perdican
Es gibt auf der Welt
ein Wunder so groß
das Wesen wie uns
vereint zu einem Paar.

Perdican
Was hässlich und dumm
und unfertig war
macht Liebe perfekt,
macht Liebe wunderbar.

Nonnen
Habt ihr geliebt
und habt verlor’n dann
kennt ihr unsern Schmerz
der nie mehr vergeht.

Perdican
In Liebe ist Sturm,
ist Schmerz und Betrug.
Doch nur wer nie fliegt,
der stürzt auch
niemals ab.

Nonnen
Wir beten zu Gott:
erhöre uns und
nimme Liebe die Kraft,
Erinnrung
den Schmerz.

Camille
Ein Leben mit ihm
wär voller Lust und Leid.
Ein Leben im Schleier
das scheint so trist
und grau.

Perdican
Am Ende des Tags
Am Ende des Wegs
Am Rand deines Grabs
siehst du zurück
und sagst:

Nonnen
Wir lieben nicht mehr
ein Stern verblasst doch
wir sagen der Nacht
ein letztes Gebet:

Camille
Ich weiß nicht wohin
und keiner hört – versteht
nur Zweifel und Fragen
wer kennt den Weg
für mich?

Männer
Nur wer liebt
der kennt
das Leben.
Nur wer liebt
der sagt mit Stolz:

Alle
Ich habe so oft gelitten,
mich oft verloren,
und doch ich habe geliebt, gelebt.

 Geliebt
14. Feuertanz

FEUERTANZ

Alle
Feuerschein,
Johannisnacht – so hell,
Sommernacht – so warm,
und unser Herz schlägt schnell.

Feuertanz,
Johannisnacht – voll Glut,
die Welt steht still,
doch in uns tanzt das Blut.

Überall ist Leben.
Überall ist Klang.
Wer wird mit mir tanzen
heut’ – ein Leben lang?

Feuerschein,
Johannisnacht – so hell,
Sommernacht – so warm,
und unser Herz schlägt schnell.

Frauen
Gib deine Hand
dem, der dich liebt
und lauf mit ihm ins Licht.
Spring durchs Feuer mit ihm.
Spring ins Leben mit ihm.
Nur wer sich wirklich liebt
wagt diesen Sprung,
nur wer so sehr liebt.

Alle
Feuertanz,
Johannisnacht – so hell,
Sommernacht – so warm,
und unser Herz schlägt schnell.

Diese Nacht gibt den Herzen die Wärme.
Diese Nacht gibt der Liebe das Feuer.
Diese Nacht könnte leicht deine letzte sein.
Nur wer liebt, wagt den Sprung durch das Feuer.

Nur ein Sprung – du verlierst deine Freiheit.
Nur ein Sprung – du verlierst deine Seele.
Nur ein Sprung und dann Licht oder Dunkelheit,
eine andere Welt hinterm Feuer.

Feuertanz – und die Liebe wird stärker.
Feuertanz – und die Herzen verschmelzen.
Feuertanz – der die Zweifel verbrennen läßt.
Du und ich in der Welt hinterm Feuer.

Junger Bauer
Wen haben wir den hier?
Wie wär’s denn mit mir?
Bin nicht gut genug.
Bin nicht reich und klug.

Chor
Ganz alleine – die Rosette.
Willst du den nicht? So adrett.
Nein sie will nicht,
ist nicht nett.

Junger Bauer
Ein Prinz der muß es sein
mit ‘nem Schloß und mit drei dummen Doktorhüten.
Doch wart’s nur ab,
der kommt niemals.
Du bleibst allein.

Junge Bäuerin
Du willst nicht jeden Mann?
Bist du denn so ‘ne tolle Frau?
Du willst den Perdican?
Aber leider spielt der nur mit dir, du
armes Mädchen – so naiv.
Hast dich wohl schon als Prinzessin geseh’n.

Chor
Armes Mädchen – das geht schief.
Was der will das ist doch klar,
ist doch klar, sonnenklar.

Rosette
Warum seid ihr so gemein?
Ich hab’ euch doch nichts getan.
Perdican ist nur ein Freund.
Er ist wie ein Bruder …

Junge Bäuerin
Wie ein Bruder wenn er küßt!
Du bist ein
dummes Mädchen – so naiv,
hast dich wohl schon als Prinzessin geseh’n.

Chor
Dummes Mädchen – das geht schief.
Was der will das ist doch klar,
ist doch klar, sonnenklar.

Ein Bauer (schreit) Guckt mal, wer da kommt!

(Pluche erscheint auf dem Dorfplatz und versucht sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. Sie hat es ganz eilig.)

Pluche
Laßt mich durch, Ihr Bauerntölpel.
Was steht ihr so dumm hier rum?
Dieser Brief muß heut’ zur Post noch
da gibt’s kein Pardon!
Du nimm deine Hände weg – ich bin nicht wie die!
Ich brauch’ die Männer nicht,
komm gut zurecht.
Wenn ich euch Kerle seh’
dann wird mir schlecht.

Bauer
Glaubst du wirklich
einer von uns
will so eine alte Schrulle.
Das sind doch nur Wunschgedanken
weil du keinen Mann kriegst.
Du bist frustriert und antiquiert.
Vielleicht erträgt man dich flambiert!

Pluche
Laßt mich los, ihr Ungeheuer,
geht in eure Ställe zu den Ochsen
wo ihr herkommt.
Laßt mich geh’n
sonst werd’ ich schrei’n,
ganz schrecklich schrei’n.

Perdican
Laßt doch die alte Frau geh’n!
Habt ihr sonst nichts zu tun?

Pluche
Euch schickt der Herr, oh Herr.
Fast hätt’ man mich verbrannt.

Camille (im Off):
Ich reise heute ab, meine Liebe, und alles ist so gekommen, wie ich es vorausgesehen habe. Es ist schrecklich, aber der arme junge Mann hat einen Dolch im Herzen. Er wird nicht darüber hinwegkommen, daß er mich verloren hat. Ich habe aber alles getan, damit er mich abstoßend findet. Gott wird mir vergeben, daß ich ihn durch meine Zurückweisung zur Verzweiflung gebracht habe. Aber, was konnte ich tun? Betet für mich. Wir werden uns morgen wiedersehen, für immer. Ich bin die Ihre von ganzem Herzen. Camille.

Perdican
Ist es möglich? Hat Camille dies geschrieben? Bin ich das, von dem sie so spricht? Ich bin von ihrer Zurückweisung verzweifelt! Eh! Gott! Wenn es so wäre, würde man es doch sehen. Welche Schande ist es zu lieben? Sie hat alles getan, damit ich sie abstoßend finde, sagt sie, und ich habe einen Dolch im Herzen? Welches Interesse kann sie haben, einen solchen Roman zu erfinden? O Frauen! Diese arme Camille ist vielleicht sehr fromm! Sie schenkt Gott ihr Herz, aber sie hat entschieden und bestimmt, daß sie mich in Verzweiflung zurücklassen wird.

Das haben die beiden Freundinnen vereinbart, und zwar bevor sie aus dem Kloster abgereist ist. Man hat also entschieden, daß Camille ihren Cousin wiedersehen wird, daß er sie heiraten wollen wird, daß sie ihn zurückweisen wird und daß der Cousin verzweifelt wird. Wie interessant! Eine junge Frau, die das Glück ihres Cousin dem lieben Gott opfert! Nein, nein, Camille, ich liebe dich nicht, ich bin nicht verzweifelt, ich habe keinen Dolch im Herzen, und ich werde es dir beweisen. Ha, bevor du gehst, wirst du wissen, daß ich eine andere liebe. Hey du (zur einem Bauer), geh’ zum Schloß und sag in der Küche, daß dieser Brief für Camille ist

Perdican Und jetzt … Ah ich bin verzweifelt …
(Er schaut sich um und realisiert plötzlich, wo er ist, inmitten der Feier. Plötzlich sieht er Rosette, er geht zu ihr. Sie ist etwas eingeschüchtert)

Perdican Rosette, was machst Du hier? Bist Du schon durchs Feuer gesprungen?

Rosette Nein, Herr.

Perdican Rosette, Rosette! Komm Rosette!

Chor 1
Welt

brich’ entzwei

zeige mir

was geschieht

wahr und falsch

schwarz und weiß

eine Hand

kalt wie Eis

Ein Gesicht

ohne Blut

Eine Stirn

glatt und zart

viel zu früh

Liebe – Leid

viel zu viel

Eitelkeit

Und Ein Spiel

endet schlecht

und der Schmerz

ist so groß

stolzer Mund

der verspricht

schwaches Herz

das zerbricht.

Chor
Diese Nacht gibt den Herzen die Wärme.
Diese Nacht gibt der Liebe das Feuer.
Diese Nacht könnte leicht deine letzte sein.
Nur wer liebt, wagt den Sprung durch das Feuer.

Nur ein Sprung – du verlierst deine Freiheit.
Nur ein Sprung – du verlierst deine Seele.
Nur ein Sprung und dann Licht oder Dunkelheit,
eine andere Welt hinterm Feuer.

Jede Nacht hat ein dunkles Geheimnis
Jeder Tag einen Schmerz ohne Ende
Siehst du nicht den Dämon, der im Feuer tanzt?
Siehst du nicht dein Gesicht da im Feuer?

Alle
Jede Nacht hat ein dunkles Geheimnis.
Jeder Tag einen Schmerz ohne Ende.
Siehst du nicht den Dämon, der im Feuer tanzt?
Siehst du nicht dein Gesicht da im Feuer?

Siehst du nicht den Dämon, der im Feuer tanzt?
Siehst du nicht dein Gesicht da im Feuer?
Siehst du nicht den Dämon, der im Feuer tanzt?
Siehst du nicht dein Gesicht da im Feuer?

 Feuertanz
15. Trio

TRIO

Perdican
Die Sommernacht
so warm und still.
Der Wind, ein zarter Hauch der
dein Haar bewegt
und mit ihm spielt.
Die Sterne funkeln heller.
Bleib bei mir,
und ich werd’ dich lieben.
Du bist, was ich suche.
Du bist voller Wärme,
du bist wie ein Kind
und deine Welt noch fehlerlos.
Weißt du, was Liebe ist?

Rosette
So wie der Wind
der zu mir singt,
so hör’ ich, wie sie reden,
und wunderschön
klingt jedes Wort.
Ich muß es nicht verstehen,
denn mein Herz
wird sie einfach lieben,
ohne Fragen lieben.
Ich hab nichts erwartet.
Alles was ich bin, das lege ich
in ihre Hand
und lern’ was Liebe ist.

Camille
So schöne Worte gebraucht er.
Sie glaubt ihm alles.
Sie ist verloren,
sie glaubt an die Liebe.
Spürt sie nicht, daß er mit ihr spielt,
denn diese Worte sind doch nicht für sie gedacht,
das kann nicht sein!

Perdican
Komm her Rosette,
umarme mich.
Ich will dich ganz nah spüren.
Bin da für dich,
wie du für mich.
Laß uns zusammen leben.

Rosette
Ich fühl’ mich …
Ach – ich kann’s nicht sagen,
kann es kaum ertragen.
Ich kenn nicht die Worte.

Perdican
Sag jetzt einfach nichts,
genieß den Augenblick mit mir
und spür was Liebe ist.

Camille
Er spielt mit Liebe und spürt nicht
wie Worte wehtun.
Meint er es ehrlich?
Das wär’ noch viel schlimmer.
Weiß er nicht, was ich für ihn fühl’?
Kann er nicht hören,
daß sein eig’nes Herz ihm sagt,
daß er mich liebt?

Camille
Was ist gelogen – was Wahrheit?
Ich weiß es nicht mehr.
Das Spiel zuende,
und wahr nur die Tränen.
Mein Herz aus Stein
gibt es nicht mehr.
Ich kann ihn lieben, aber
wird er mich noch hör’n?
Liebt er mich noch?

Rosette
Wie ein Traum
so hält er mich fest
spricht mit mir
und sagt,
daß er mich mag
jeden Tag,
daß er mich braucht,
daß er mich liebt,
mich wirklich liebt.

Camille
Was ist gelogen –
was Wahrheit?
Ich weiß es nicht mehr.
Das Spiel zuende
und wahr nur die Tränen.
Mein Herz aus Stein
gibt es nicht mehr.
Ich kann ihn lieben, aber
wird er mich noch hör’n?
Liebt er mich noch?

Rosette
Wie ein Traum
so hält er mich fest
spricht mit mir
und sagt,
daß er
mich mag
jeden Tag,
daß er mich braucht,
daß er mich liebt,
mich wirklich liebt.

Perdican
Sie ist so jung und schön,
und Zweifel
kennt sie nicht.
Sie hat mich lieb
ein Leben lang.
Was ich auch tu’
sie bleibt bei mir
in jedem Sturm,
in jeder Nacht,
an jedem Tag.

Chor
Aus lauter Liebe
betrüg’ ich und werd’ betrogen.
Aus lauter Liebe
hab’ ich mich verloren.
Aus lauter Liebe bin ich schwach.
Aus lauter Liebe ist die Welt das, was sie ist
aus lauter Liebe.

 Trio
16. Entlarvt


ENTLARVT

Perdican
Das ist mein Ring!
Wo hast du ihn her?
(spricht)

Camille Steck ihn Dir schon an den Finger!

Perdican Du hast den Ring aus dem Wasser geholt?

(singt)
Perdican
Oh Camille –
so wie einst gibst du mir diesen Ring.
Doch warum?
Er ist voll trauriger Erinnerungen nur
an ein Glück, das verging.
Spielst du mit mir –
sorglos – kokettes Kind?

Warum gehst du –
und warum bleibst du hier?
Du bist so schnell
wie das Licht, das sich bricht in diesem Stein.
Änderst du so schnell
deine Farbe – dein Herz.

Camille
Weißt du bestimmt, daß wir so sind –
und Worte auch Gedanken sind?

Kennst du das Herz der Frau’n?
Weißt du, ob es wirklich lügt,
wenn sie lügt und betrügt
und sich ändert wie der Wind?

Das lehrt die Welt uns Frau’n:
Nur wer lügt, der überlebt
und vielleicht
tun wir’s auch,
weil es Spaß macht.

Perdican:
Wovon du sprichst, versteh’ ich nichts.
Gelogen hab’ ich niemals,
und was ich weiß, sag’ ich dir jetzt.
Mein Herz sagt mir – ich liebe dich.

Camille
Du sagst, daß du mich liebst,
und daß du niemals lügst.
(spricht)
Perdican (fällt auf die Knie vor Camille) Niemals! (Sie öffnet den Vorhang; Rosette liegt ohnmächtig auf einem Stuhl)

Camille
Doch hier ist jemand anders,
die Zeugin deiner Lügen.
Sie konnt’ es nicht ertragen
den schrecklichen Betrug.
Was wirst du ihr erklären,
wenn sie dich danach fragt?

Du sagst, daß du niemals lügst.
Nun – sie weiß es besser jetzt.
Sie fiel in dem Moment,
als du mir Liebe schworst.

 Entlarvt
17. Laßt mich geh’n

LAßT MICH GEH’N

Rosette
Laßt mich geh’n,
gebt mir die Freiheit – mein Herr.
Wißt Ihr nicht, daß man sagt im Dorf
alles was Ihr von mir wollt
ist nur euer Spaß,
dann geht Ihr fort,
laßt mich allein
und ich bin einsamer viel mehr als zuvor – ohne Euch.
Ihr liebt mich nicht!
Ihr liebt nicht mich!

Laßt mich geh’n,
gebt mir die Freiheit – mein Herr.
Liebe ist nur ein Traum – und ich
habe unendlich geträumt
von Euch und von mir,
dann wart Ihr da,
zu schnell zu nah.
Wenn Träume wahr werden
kann man sie verlier’n – ganz und gar
und nichts bleibt zurück,
kein Traum der mich wärmt.
Ihr liebt nicht mich –
denn Ihr – Ihr liebt Camille.

 Lasst mich geh'n
18. Geh

GEH

Girls
Geh, jetzt – ich wart’ nicht mehr,
daß mich eine Welle trägt,
die nur vergeht
und mich läßt am Boden dieses Meers.

So kalt – so groß.
Ich bin allein.
Du bist so wie sie
und kommst du zurück,
dann bin ich da.

Du trägst mich nochmal hinauf
und da – so hoch – lieb ich dich
und dann,
dann läßt du mich los – noch einmal.

So suchen wir –
du mich – ich such nach dir.
Nun geh – vorbei – komm zurück.
Nun geh – vorbei – komm zurück.

 Geh
19. Das Ende

DAS ENDE

Perdican
Verrückte sind wir beide,
wir lieben uns so sehr.
Ist das ein schlechter Traum nur,
erwachen wir nicht mehr?
Die ganzen bösen Worte,
die ganze Streiterei’n,
die wie ein Wind des Unglücks
gestürmt zwischen uns zwei’n.

Camille
Soviele leere Worte,
so viel vertane Zeit.
Wer wollte wen betrügen
aus Stolz und Eitelkeit.
Das Leben ist doch selber
schon beinah’ viel zu schwer,
mit unsern Kinderspielen
ertrug man es kaum mehr.

Beide
Oh mein Herr das Glück ist eine Perle,
die so selten ist so tief im Meer.
Du legtest sie so sanft in uns’re Hand,
und wir verlor’n sie fast.

Und wir zwei, verwöhnten Kindern gleich,
spielten ein dummes Spiel
mit deinem kostbaren Schatz.

Der Weg der uns zusammenführt,
dich und mich,
wir verlor’n uns fast darauf.

(Sie umarmen sich)
Perdican
Wir lieben uns.
Ich will hör’n, wie dein Herz zu mir spricht,
voller Liebe zu mir.

Camille
Du nah bei mir.
Gott, er ist uns nicht böse darum,
er will, daß ich dich lieb’.

 Das Ende
20. Aus lauter Liebe

AUS LAUTER LIEBE

Der Autor (spricht)
Welt – dreh zurück – hab’ geseh’n, was geschieht
wie aus Liebe ein Spiel ward
das zu traurig geriet.

Alles ein Spiel nur – Gott sei Dank – heute Nacht
so kann es sein, daß zum Leben erwacht
sie, die’s verlor nur aus Liebe allein.
Mit diesem Kuß
hauch ich ihr Leben ein.
(Er küßt Rosette)

(Rosette kommt langsam wieder zum Leben)
Blut fließt zurück in ihr lebloses Herz
steh auf – komm mit mir
und vergiß deinen Schmerz
(sie geht mit ihm, die Anderen kommen nach und nach auf die Bühne)

Alles zuende und alles beginnt
die Liebe – ein Spiel nur
in dem keiner gewinnt?

Wie dem auch sei – es gibt doch keine Wahl.
Aus lauter Liebe – spielen wir jedesmal.

Girls + Wesen
Ich lieb’ den Tag
die Nacht und den Mond,
lieb’ die Wellen und den Wind
und die Sonne und auch dich.

Colombine + Pierrette
Du liebst mich auch,
das hast du mir gesagt
und ich hab’ es dir geglaubt
weil ich hoffe daß es stimmt.

Colombine + Pierrette + Girls
Hab aus lauter Liebe
den Kopf verloren,
so daß ich immer mehr und mehr
von deinen süßen Lügen
hören will,
denen kann ich doch nicht wiedersteh’n.

Camille + Rosette
Von deinem Spiel
bekomm’ ich nie zuviel,
denn du spielst auf meinem Herz
wie auf einem Instrument.

Baron + Flaminia + Pluche
Mal ein Chanson,
mal eine Symphonie,
ob’s in Dur ist oder Moll,
aber aufhörn’n sollst du nie.

Arlequin + Pierrot
Du bist wunderschön
und ich lieb’ dich
so wie ich
nie geliebt

Arlequin + Pierrot + Wesen
Liebe kommt
und Liebe geht.
Jeden Tag ein neues Spiel
und keiner kennt die Regeln.
Du bist so phantastisch!
Komm, laß dich nochmal verführ’n.

Autor + Perdican
Du bist meine Welt.
Ich will immer
bei dir sein
und noch mehr.

Blazius + Diener + Gast
Du bist Melodie
ohne Ende,
pausenlos,
immer neu.

1. Gruppe
Hab aus lauter Liebe
den Kopf verloren
und will noch immer
mehr und mehr
von deinen zarten Finger spür’n.
Komm spiel noch einmal
dieses Lied,
aus lauter Liebe,
lauter Liebe,
noch mehr Liebe!

2. Gruppe
Liebe ist
ein Ozean,
stürmisch,
tückisch,
gnadenlos.
Ich laß mich
treiben
ohne Ziel,
doch vielleicht
zu dir.

3. Gruppe
Mehr,
mehr
und mehr,
es ist nie
genug.
Ich laß mich
treiben
ohne Ziel,
doch vielleicht
zu dir.

1. Gruppe
Aus lauter Liebe sing’ ich,
egal wo ich sie find’.
Vielleicht heute du mit mir,
und morgen schon ich mit dir.

Aus lauter Liebe leb’ ich
und uns’re Welt ist ein Spiel
und jeder spielt mit mir.

2. + 3. Gruppe
Das alles
aus Liebe,
nur aus
Liebe.

Das alles
aus Liebe,
nur aus Liebe

Alle
Manchmal gewinn’ ich
und manchmal verlier’ ich,
doch spiel’ ich jedes Mal.

Autor
Denn aus lauter Liebe, bleibt mir doch keine Wahl.

 Aus lauter Liebe

INHALT

Kurzfassung der Geschichte

Die eigentliche Geschichte ist umrahmt und geschmückt mit diversen Figuren, die durch das Stück wie Gedanken, Seufzer, Suggerierungen oder Träume ziehen. Sie greifen nicht in das Geschehen ein.
Sie illustrieren, was die Personen der Geschichte fühlen, wonach sie sich sehnen, oder wovon sie träumen.
Diese Figuren sind: „drei Girls“, einige „Parkwesen“, eine Commedia dell‘ Arte Truppe und der Autor.

PROLOG
Einladung in die Welt der Liebenden!

1. AKT
Der Baron hat eine Idee: Sein Sohn Perdican und seine Nichte Camille haben ihre Studien beendet, er mit lauter Diplomen und Doktorhüten, sie war in dem besten Kloster Frankreichs. Der Baron will die beiden verheiraten. Sie scheinen wie füreinander geschaffen. Dennoch ist das Wiedersehen der jungen Leute ein Fiasko zum Leid des Barons und für Perdican selbst, der bereit ist, die ganze Welt zu lieben. Aber Camille bleibt reserviert und scheint ein Geheimnis zu hüten. Perdican findet einen leichten Trost, als die alten Bauern vom Dorf ihn wiedererkennen und als er Rosette, die Milchschwester von Camille wieder sieht.

2. AKT
In Camille findet eine Änderung statt. Sie legt Ihre Kühle ab und eröffnet Perdican warum sie so reserviert mit ihm war: sie will zurück ins Kloster gehen. Die Veränderung in Camille ist aber stärker als sie ahnt. In ihr haben bereits Gefühle Einzug gehalten und beginnen Zweifel in ihr zu wecken, ob Ihr Entschluss sich Gott zu widmen richtig ist.
Perdicans Offenheit ist leicht angegriffen und, etwas traurig, sucht er Trost in Rosettes Gesellschaft, die ihm mehr Bereitwilligkeit zeigt.
Als Camille sich endgültig, von Perdican verabschieden will, steigert sich ihr Wiedersehen zu einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen heiliger Liebe und weltlicher Liebe. Die Liebe zur Gott oder zur einem Menschen. Jeder beschuldigt den anderen das Absolute der Liebe nicht zu verstehen. Camille beschuldigt Perdican die menschliche Liebe zu missbrauchen, er beschuldigt Camille unter Einfluss zu sprechen und die heilige Liebe zu missbrauchen.

3. AKT
Die Ereignisse überstürzen sich. Während einem Fest im Dorf wird Rosette von den Bauern ausgelacht. Die wiederholten Begegnungen zwischen Perdican und Rosette sind im Dorf nicht unbemerkt geblieben. Als zufällig ein Brief von Camille an ihre Freundin im Kloster in Perdicans Hände fällt, wird das bisher unterschwellige Unheilvolle entfesselt. Camille schreibt Ihrer Freundin wie leid es ihr tut, dass ihre Zurückweisung ihn zur Verzweiflung geführt hat.
Perdican fühlt sich gekränkt und tut so als ob er Rosette lieben würde.
Zwischen Perdican und Camille beginnt ein gnadenloser und virtuoser Kampf der Eitelkeit, der Leidenschaft und der Verführung.
Von Stunde zur Stunde, von der Verführung bis zum Streit, spielen Camille und Perdican das ganze Repertoire der Leidenschaft, großartig oder idiotisch, je nach Situation.
In diesem Kampf von Hochbegabten wird Rosette schamlos von beiden als Spielzeug benutzt.
Endlich erkennen Camille und Perdican, dass sie sich lieben und zueinander gehören! Zu spät!
Als Rosette die Wahrheit erfährt, überlebt sie es nicht.

EPILOG
Aus lauter Liebe bleibt uns doch keiner Wahl!

PRESSEBERICHTE

Aus den Krefelder Tageszeitungen

Plakate der Musicalproduktionen
der Musikschule der Stadt Krefeld

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 16. März 1998

Mit der Liebe scherzt man nicht

Mehr lesen

Rheinische Post Krefeld, 16. März 1998

Ein Spiel der Eitelkeiten
Ein Musical mit Spannung, Spaß und Herz und Liedern, die eine Botschaft haben

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Westdeutsche Zeitung Krefeld, 10. März 2008

Aus lauter Liebe zum Musical

Mehr lesen

Rheinische Post Krefeld, 10. März 2008

Wunderbar in Szene gesetztes Musical

Mehr lesen

WEITERE INFORMATIONEN

Das Ansichtsmaterial finden Sie hier: ANSICHTSMATERIAL

Die Kosten für die Aufführungsrechte und für das Aufführungsmaterial erfahren Sie hier: AUFFÜHRUNGSRECHTE & AUFFÜHRUNGSMATERIAL

Die Vorgehensweise für Bestellungen wird hier erläutert: BESTELLUNGEN