© 1997
Musical von Phan Trat Quan und Tom Heilandt
frei nach Alfred de Mussets (1810-1857) Theaterstück "ON NE BADINE PAS AVEC L’AMOUR"
Buch und Musik: Phan Trat Quan
Liedtexte: Tom Heilandt
Aufführungsdauer: 120 Minuten
Altersgruppe: Jugendliche und Erwachsenen
Anzahl der Musiknummern: 20 (1- bis 4-stimmig)
Ouverture, Prolog, 3 Akte (13 Szenen), Epilog
12 Bühnenbilder
ca. 20 Rollen / Commedia dell’ arte Truppe / 3 Girls
Gruppen: Bauer, Chor der Nonnen, Chor der Männer, Gäste u.a.
Uraufgeführt am 14. März 1997 in Krefeld
Die literarische Vorlage für die Handlung von "Aus lauter Liebe" ist das Theaterstück des französischen Dichters Alfred de Musset (1810-1857) "On ne badine pas avec l’amour" (Man scherzt nicht mit der Liebe).
Alfred de Musset schrieb das Stück 1834 unter Umständen, die in der Geschichte der Literatur für Schlagzeilen gesorgt haben. Das Stück entstand nach der Beendigung seiner Liaison mit George Sand in Venedig.
George Sand (1804-1876) war eine berühmte französische Romanautorin des 19. Jhdt, sie war aber auch eine der ersten "emanzipierten" Frauen und Muse und "Liebhaberin" etlicher berühmter Künstler ihrer Zeit. Es werden ihr Liaisons mit Eugène Delacroix, Prosper Mérimée, Franz Liszt, Heinrich Heine, Frédéric Chopin, Gustave Flaubert u.v.a. nachgesagt!
Musset zitiert in "On ne badine pas avec l’amour" einen Brief von George Sand an ihm: "Mais ton coeur, mais ton bon coeur, ne le tue pas, je t’en prie. Qu’il se mette tout entier ou en partie dans toutes les amours de ta vie, mais qu’il y joue toujours son role noble, afin qu’un jour tu puisses regarder en arrière et dire comme moi: J’ai souffert souvent, je me suis trompé quelquefois; mais j’ai aimé. C’est moi qui ai vécu, et non pas un etre factice créé par mon orgueil et mon ennui"
"Aber Dein Herz, Dein gutes Herz, ich flehe Dich an, töte es nicht. Setze es ganz oder nur zum Teil in all die Lieben deines Lebens ein, aber dass es seine edle Rolle spielt, damit Du eines Tages zurückblicken kannst und so wie ich sagen kannst: Ich habe oft gelitten, ich habe mich manchmal geirrt; aber ich habe geliebt. Ich bin es die gelebt hat, und nicht ein künstliches Geschöpf, geschaffen von meinem Hochmut und meiner Langeweile."
André Maurois schreibt in "Lelia ou la vie de George Sand" 1952 über die, wie er sie nennt "Liebenden von Venedig": "… Sand und Musset hätten vernünftiger leben können. Aber die besonderen Künstlerwerke, die aus ihren Irrtümern entstanden, wären dann nicht möglich gewesen. Musset kannte bevor er mit George Sand zusammentraf, wohl die Sinnenlust, nicht aber die Leidenschaft; er konnte die "Ballade an den Mond" schreiben , aber nicht das Zwiegespräch Camilles mit Perdican."
Zwei Szenen aus Marivaux Theaterwerke dienen in "Aus lauter Liebe" als Illustration.
Der französische Schrifsteller Marivaux (1688-1763) hat viele seiner berühmtesten Theaterstücke für die "Comediens-Italiens", die im Paris des frühen 18. Jhdt die Erben der Commedia dell’ Arte waren, geschrieben. Die Stücke von Marivaux, entsprungen aus den Gesten, sind Pantomimen, bei den die Gesten durch Worte ersetzt worden sind, die Haltungen durch Antworten, die körperlichen Ausdrücke durch eine dichte Sprache, die klare, präzise Bewusstseinzustände, menschliche und leidenschaftliche Konflikte darstellt.
Unter der scheinbaren Leichtigkeit oder Frivolität von Marivaux verbirgt sich, eine glasklare und auch bissige Sicht der Dinge der Liebe. Er zäsiert elegant aber schonungslos die Regungen des Herzens, die Lust, die Wege zur Befriedigung der Lust: die Kunst der Verführung.
Die eigentliche Geschichte ist umrahmt und geschmückt mit diversen Figuren, die durch das Stück wie Gedanken, Seufzer, Suggerierungen oder Träume ziehen. Sie greifen nicht in das Geschehen ein. Sie illustrieren, was die Personen der Geschichte fühlen, wonach sie sich sehnen, oder wovon sie träumen.
Diese Figuren sind: "drei Girls", einige "Parkwesen", eine Commedia dell’ Arte Truppe und der Autor.
PROLOG
Einladung in die Welt der Liebenden!
1. AKT
Der Baron hat eine Idee: Sein Sohn Perdican und seine Nichte Camille haben ihre Studien beendet, er mit lauter Diplomen und Doktorhüten, sie war in dem besten Kloster Frankreichs. Der Baron will die beiden verheiraten. Sie scheinen wie füreinander geschaffen. Dennoch ist das Wiedersehen der jungen Leute ein Fiasko zum Leid des Barons und für Perdican selbst, der bereit ist, die ganze Welt zu lieben. Aber Camille bleibt reserviert und scheint ein Geheimnis zu hüten. Perdican findet einen leichten Trost, als die alten Bauern vom Dorf ihn wiedererkennen und als er Rosette, die Milchschwester von Camille wieder sieht.
2. AKT
In Camille findet eine Änderung statt. Sie legt Ihre Kühle ab und eröffnet Perdican warum sie so reserviert mit ihm war: sie will zurück ins Kloster gehen. Die Veränderung in Camille ist aber stärker als sie ahnt. In ihr haben bereits Gefühle Einzug gehalten und beginnen Zweifel in ihr zu wecken, ob Ihr Entschluss sich Gott zu widmen richtig ist.
Perdicans Offenheit ist leicht angegriffen und, etwas traurig, sucht er Trost in Rosettes Gesellschaft, die ihm mehr Bereitwilligkeit zeigt.
Als Camille sich endgültig, von Perdican verabschieden will, steigert sich ihr Wiedersehen zu einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen heiliger Liebe und weltlicher Liebe. Die Liebe zur Gott oder zur einem Menschen. Jeder beschuldigt den anderen das Absolute der Liebe nicht zu verstehen. Camille beschuldigt Perdican die menschliche Liebe zu missbrauchen, er beschuldigt Camille unter Einfluss zu sprechen und die heilige Liebe zu missbrauchen.
3. AKT
Die Ereignisse überstürzen sich. Während einem Fest im Dorf wird Rosette von den Bauern ausgelacht. Die wiederholten Begegnungen zwischen Perdican und Rosette sind im Dorf nicht unbemerkt geblieben. Als zufällig ein Brief von Camille an ihre Freundin im Kloster in Perdicans Hände fällt, wird das bisher unterschwellige Unheilvolle entfesselt. Camille schreibt Ihrer Freundin wie leid es ihr tut, dass ihre Zurückweisung ihn zur Verzweiflung geführt hat.
Perdican fühlt sich gekränkt und tut so als ob er Rosette lieben würde.
Zwischen Perdican und Camille beginnt ein gnadenloser und virtuoser Kampf der Eitelkeit, der Leidenschaft und der Verführung.
Von Stunde zur Stunde, von der Verführung bis zum Streit, spielen Camille und Perdican das ganze Repertoire der Leidenschaft, großartig oder idiotisch, je nach Situation.
In diesem Kampf von Hochbegabten wird Rosette schamlos von beiden als Spielzeug benutzt.
Endlich erkennen Camille und Perdican, dass sie sich lieben und zueinander gehören! Zu spät!
Als Rosette die Wahrheit erfährt, überlebt sie es nicht.
EPILOG
Aus lauter Liebe bleibt uns doch keiner Wahl!